Schwangerschaft und Alter
weiter lesen
Wichtige Mikronährstoffe in der Schwangerschaft
Pränatale Diagnostik meint die vorgeburtlichen Untersuchungen, die auf das ungeborene Kind ausgerichtet sind. Dabei geht es in erster Linie um die Feststellung kindlicher Fehlbildungen, die überwiegend genetisch bedingt sind und meist schwere Behinderungen des Kindes nach sich ziehen.
Bei dieser Diagnostik erfolgen einige Untersuchungen, wie z.B. Ultraschall, Alpha-Feto-Protein-Bestimmung und Triple-Test (Untersuchungen des mütterlichen Blutes), Chorionzottenbiopsie (Entnahme von kindlichem Plazentagewebe) und Amniozentese (Untersuchung des Fruchtwassers). Diese können zu verschiedenen Zeitpunkten der Schwangerschaft vorgenommen werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen können Aussagen über eine begrenzte Zahl genetischer Abweichungen und anderer Auffälligkeiten (u.a. seltene Erbkrankheiten sowie Muskel-, Blut- und Stoffwechselerkrankungen) geben.
Die pränatale Diagnostik kann aber nur einen kleinen Teil der Erbkrankheiten und Behinderungen feststellen. Die meisten Behinderungen entstehen während der Geburt oder im späteren Leben. Zu den Krankheiten, die erkannt werden können zählen z.B.: Downsyndrom, Cystische Fibrose, Muskeldystrophie Duchenne, Chorea Huntington. Einige dieser Untersuchungen, vor allem Ultraschalluntersuchungen, bei denen Auffälligkeiten beim Ungeborenen festgestellt werden können, sind heute zu einem festen Bestandteil der Schwangerenvorsorge geworden. In erster Linie ist es ein großer Vorteil, dass durch die heutige Medizin schon während der Schwangerschaft diagnostiziert werden kann, ob das Kind bestimmte Krankheiten hat oder nicht. Jedoch muss man auch die andere Seite dieser Möglichkeiten betrachten, denn vorgeburtliche Untersuchungen können schwere Folgen für den weiteren Verlauf der Schwangerschaft haben und Konflikte nach sich ziehen. Deshalb sollte sich eine Schwangere schon vor der Durchführung solcher Untersuchungen über diese informieren, sich eine Meinung darüber bilden und auch wissen, welche Konsequenzen die Methoden nach sich ziehen können. Denn die pränatale Diagnostik kann nicht nur (begrenzte) Sicherheiten geben, sondern auch weitere Unsicherheiten auslösen und damit das Erleben der Schwangerschaft erheblich stören. So kann unter anderem die Entscheidung für eine Methode weitere Untersuchungen nach sich ziehen. Deshalb ist es wichtig schon vorher einen festen Standpunkt zu einigen grundsätzlichen Diagnosen, die bei diesen Untersuchungen heraus kommen können, zu vertreten und dies auch ggf. mit dem Partner oder der Familie vorher zu besprechen.
Informationen, Gespräche und Beratung können hilfreich für die Klärung der eigenen Haltung sein. Während das aufklärende ärztliche Gespräch sich meist auf die medizinisch-technischen Aspekte und ihre Risiken konzentriert, bieten z.B. Hebammen Beratungen und Gespräche an, in denen Zeit und Raum ist für Gefühle wie Unsicherheit, Ängste und Zweifel.
Bei einem von der Norm abweichenden Befund stehen viele Frauen und Paare einem schweren Konflikt gegenüber. Sie müssen über Leben und Tod ihres ungeborenen Kindes entscheiden. Der spätere Abbruch der Schwangerschaft oder die vorzeitig eingeleitete Geburt eines Wunschkindes ist ein seelisch und körperlich sehr schmerzhaftes Ereignis, das oft mit einem tiefen Trauerprozess verbunden ist. Weiterhin zeigt diese Form der Diagnostik aber auch Grenzen auf. Zwar entwickelt sich die pränatale Diagnostik stetig weiter mit dem Ziel, immer mehr Krankheiten zu immer früheren Zeitpunkten festzustellen, aber noch sind die Aussagemöglichkeiten der einzelnen Untersuchungen sehr begrenzt.
So sagt ein positives Untersuchungsergebnis nichts über den individuellen Verlauf einer Erkrankung aus und ein negatives Ergebnis bietet keine Garantie dafür, dass Ihr Kind gesund sein wird. Dabei werden bei der pränatalen Diagnostik oft nur die Krankheiten erkannt, die später nicht behandelt werden können. Bei vorgeburtlichen Untersuchungen sollte sich also im Allgemeinen immer die Frage gestellt werden, wie viel man eigentlich wissen möchte. Denn bereits zu Beginn Ihrer Schwangerschaft werden Sie mit einer vorgeburtlichen Diagnostik in Form einer Ultraschalluntersuchung konfrontiert. Wenn sie sich klar darüber sind, was Sie wünschen und was nicht, kann auch der Arzt besser darauf eingehen. Eins jedoch ist im Bezug auf diese medizinischen Methoden sicher, bei der Entscheidung für oder gegen eine pränatale Diagnostik sind Sie in jedem Fall mit ihrer persönlichen Situation, ihren Zweifeln und Ängsten beschäftigt. Weiterhin bedeutet die Auseinandersetzung mit der pränatalen Diagnostik die Klärung der eigenen Lebenshaltung und die Bereitschaft, Verantwortung für die persönliche Entscheidung zu übernehmen. (Dieser Text enthält zu Teilen Auszüge aus der Broschüre "Hebammenhilfe rund um die Geburt).
Im Folgenden werden einige Methoden der Pränataldiagnostik genauer beschrieben.
Das Risiko, dass bei einer Amniozentese ein Abort ausgelöst wird, liegt durchschnittlich bei ca. 0,5 - 1 %. Außerdem besteht eine gewisse Infektionsgefahr für Mutter und Kind. In spezialisierten Kliniken und Praxen werden bis zu 15 Amniozentesen pro Tag durchgeführt; dort ist das Risiko wesentlich geringer als das allgemein gemittelte.
Das Risiko eines Aborts liegt bei der Chorionzottenbiopsie bei ca. 1 - 1,5 %. Auch hier gilt, es ist umso geringer, je häufiger der verantwortliche Arzt die Methode anwendet. In Deutschland werden etwa fünfzig bis hundert Mal so viele Amniozentesen wie Chorionzottenbiopsien durchgeführt.