Wissenswertes rund um die Schwangerschaft
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Fehlgeburt
Unter einer Fehlgeburt versteht man das Absterben eines Embryos oder die frühzeitige Geburt eines Kindes vor Erreichen der Überlebensfähigkeit. Man nennt sie auch Abort, womit man die totgeborene Leibesfrucht vor Ende der 28. Schwangerschaftswoche bezeichnet. Das heißt, der Fetus ist nicht lebensfähig, weniger als 1000 g schwer und kleiner als 35 cm. Zu einem Spontanabort, das heißt zu einem natürlichen Abgang der Frucht, kommt es in 10 bis 15% aller Schwangerschaften. Die meisten Aborte ereignen sich in den ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft (Frühaborte). Weiterhin gibt es aber auch noch die Form der wiederholten Fehlgeburten. Definitionsgemäß spricht man von einer wiederholten Fehlgeburt als behandlungsbedürftige Erkrankung, wenn die Frau drei Fehlgeburten in ununterbrochener Reihenfolge hatte. Die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Aborts steigt jedoch bereits nach einer oder zwei erlittenen Fehlgeburten deutlich an. Das Risiko nach einer Fehlgeburt noch eine weitere zu erleiden beträgt 12-24%, nach zwei Aborten 19-35% und nach drei Fehlgeburten 25-46%. Die Zahlen stellen nur die Wahrscheinlichkeit dar, weitere Aborte zu haben. Die Ursachen sind nicht berücksichtigt.
Bei Fehlgeburten gibt es verschiedene Arten, wobei man unterscheidet zwischen den Fehlgeburten der verhaltenen Aborte (missed abortion oder MA) und den Fehlgeburten, bei denen es zu einem Fruchtabgang kommt unterscheidet. Bei einem verhaltenen Abort stirbt die Frucht im Mutterleib ab und wird nicht von der Gebärmutter ausgestoßen. Ihm gehen meist Schmierblutungen voraus. Nach einer Weile spürt die Schwangere keine Schwangerschaftszeichen mehr (Spannen in den Brüsten, morgendliche Übelkeit, Gewichtszunahme, Kindsbewegungen). Der behandelnde Arzt diagnostiziert, dass die Gebärmutter nicht an Volumen zunimmt, keine normale Fruchthöhle mehr im Ultraschall zu sehen ist und die kindlichen Herztöne fehlen. Bei diesem Befund wird bis zur 12 Schwangerschaftswoche eine Ausschabung (Abrasio) vorgenommen. Ist die Schwangerschaft weiter fortgeschritten, wird die Fehlgeburt mit wehenauslösenden Mitteln eingeleitet. Das tote Kind wird auf natürlichem Weg geboren.
In den ersten drei Monaten sind die Anzeichen einer drohenden Fehlgeburt zuerst geringe Blutungen oder bräunlicher Ausfluss. Erst später setzten Unterleibsschmerzen mit Druckgefühl, Ziehen in den Leisten und Bauchkrämpfe ein. In den folgenden Schwangerschaftsmonaten beginnt eine drohende Fehlgeburt mit ziehenden, wehenartigen Unterleibsschmerzen oder das Fruchtwasser geht ab. Dann setzen leichte bis mittelstarke Blutungen ein.
Unter bestimmten Voraussetzungen können diese Schwangerschaften erhalten werden. Per Ultraschall wird bestimmt, ob die Fruchtanlage normal ausgebildet ist und das Ungeborene lebt. Mittels einer Hormonuntersuchung kann der behandelnde Mediziner herausfinden, ob die Schwangerschaft intakt ist und die Plazenta ausreichend arbeitet. In diesem Fall wird die Schwangere in ein Krankenhaus eingewiesen und ihr wird strenge Bettruhe verordnet. Die Therapie beinhaltet meist auch die Gabe von beruhigenden und wehenhemmenden Mitteln. Eine Fehlgeburt kann nicht mehr gestoppt werden, wenn bei der Schwangeren heftige wehenartige Schmerzen auftreten, sie starke Blutungen hat, sich der Muttermund öffnet und die Fruchtblase platzt.
Die Ursache für eine Fehlgeburt kann sehr unterschiedlich sein. Dazu zählt zum einen eine genetische Ursache, bei der davon ausgegangen wird, dass über 50% der Fehlgeburten, vor allem die, die schon vor der erwarteten Regelblutung eingetreten sind, genetische verursacht sind. Zu diesen Ursachen zählt z.B. die zahlenmäßige Veränderung im Chromosomensatz, die dann beim Embryo auftaucht. Davon ist die bekannteste die Trisomie 21 oder auch Down Syndrom genannt. Diese Abweichungen können ganz spontan auftreten. Aber auch das Alter der Eltern hat in dieser Hinsicht einen entscheidenden Einfluss.
Weiterhin können aber auch Infektionen zu einer Fehlgeburt führen. Selten jedoch führen sie zu habituellen Aborten. Eine Ausnahme hierbei stellen die Spätaborte dar. Die Besiedlung der Scheide und des Gebärmutterhalses mit bestimmten Bakterienarten führt zur Öffnung des Muttermundes, mit und ohne Wehen. Manche Frauen neigen zu solchen Infektionen. Im Prinzip kann jeder Erreger, der in die Scheide gelangt, Aborte auslösen. Normalerweise verhindert dies die Milchsäurebakterien, mit denen die Scheide natürlicherweise besiedelt ist. Ist die Scheidenflora geschädigt oder die natürliche Infektabwehr geschwächt, können Fehlgeburten daraus folgen. Bei entsprechendem Verdacht wird der behandelnde Mediziner Abstriche entnehmen und im Labor auf den entsprechenden Keim untersuchen lassen. Auch der sofortige Blick in das Mikroskop gibt eventuell Aufschluss über die entsprechende Erregergruppe. Optimal ist ein pH-Wert geringer als 4,4. In diesem sauren Mileau finden die Milchsäurebakterien optimale Lebensbedingungen und verhindern die Ausbreitung schädlicher Keime. Die Infektion kann auch in der Schwangerschaft durch bestimmte Antibiotika behandelt werden. Der Nachteil von Antibiotika ist, dass sie meistens auch die natürliche Scheidenflora zerstören. Milchsäurebakterien sollten daher gleich in Form von Scheidenzäpfchen mitverschrieben werden. Bei manchen Erregern genügt auch die Desinfektion der Vagina (beispielsweise mit Scheidenzäpfchen).
Auch angeborene Fehlbildungen der Gebärmutter können Fehlgeburten auslösen. Die Bildung der Gebärmutter findet bereits in der embryonalen Phase eines Mädchens statt. Es ist ein komplexer Vorgang. Mehrere Gewebe verschiedenen Ursprungs sind daran beteiligt. Der Entwicklungsprozess läuft jedoch nicht immer vollständig ab. Daraus resultieren unterschiedliche Fehlbildungen der Gebärmutter. Die Gebärmutterspiegelung, die Bauchspiegelung und der Ultraschall sind Untersuchungen, mit denen sich Fehlbildungen dieses Organs feststellen lassen. Eine individuelle Therapie muss dann mit dem behandelnden Arzt weiter besprochen werden.
Sowohl Myome, die unter der Gebärmutterschleimhaut liegen, als auch Myome, die in der Gebärmutterwand liegen, können zu einer erhöhten Abortrate führen. Dabei sind Myome gutartige Wucherungen der Uterusmuskulatur und des Bindegewebes. Sie können an allen Stellen der Gebärmutter auftreten. Die Größe und die Lage der Myome sind entscheidend, ob sie Probleme darstellen.
Die Ursache für eine Fehlgeburt liegt in der erhöhten Kontraktionsbereitschaft und in einer Unterversorgung des Embryos, wenn er sich direkt auf einem Myom einnistet. Oft ist eine Kombination von den drei Untersuchungsmethoden Ultraschall, Gebärmutterspiegelung und Bauchspiegelung nötig, um das genaue Ausmaß, die Lage und Herkunft eines Myoms zu bestimmen. Die operative Entfernung der Myome sollte erfolgen, wenn der Verdacht besteht, dass sie die Aborte hervorrufen.
Erleidet eine Frau eine Fehlgeburt so sind vor allem die psychologischen Aspekte nicht zu unterschätzen, denn eine Fehlgeburt kann sehr belastend für alle beteiligten sein. Sie trifft die Paare völlig überraschend und unvorbereitet. So muss auch bei Fehl- und Frühgeburten Trauerarbeit geleistet werden. Manche Frauen empfinden die Aborte als schuldhaft, so als hätten sie nicht richtig funktioniert. Scheuen Sie sich nicht im Falle einer Fehl- oder Frühgeburt eine psychosomatische Mitbetreuung in Anspruch zu nehmen. Ein erneutes Schwangerwerden sollte erst erfolgen, wenn das Paar den Abort seelisch verarbeitet hat. Aus physischer Sicht ist eine erneute Schwangerschaft bereits im ersten Zyklus nach der Fehlgeburt möglich.
Beitrag zuletzt aktualisiert am: 13.12.11 11:25