17.05.2012     13:38 Uhr
BabyCare ...gesunde Schwangerschaft

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Schmerzlinderungen unter der Geburt

Viele Ängste im Bezug auf eine Geburt beziehen sich auf die erwarteten Schmerzen. Vor allem Erstgebärende schwanken häufig zwischen der Angst vor dem Schmerz und dem Wunsch, sich und dem Kind eine Geburt ohne Medikamente zu ermöglichen.
Der Schmerz kommt von den Wehen, weil sich alles zusammenzieht, um das Kind herauszupressen. Und weil alles gedehnt wird, wenn sich der Kopf des Kindes heraus zwängt.
Gleichzeitig ist die Wahrnehmung dieser körperlich bedingten Schmerzen sehr unterschiedlich. Jede Frau hat eine andere, individuelle Schmerzgrenze. Auch gibt es Unterschiede, die mit der Gewöhnung an eine bestimmte Schmerzstärke zu tun haben, also in der zeitlichen Anpassung an die Belastung. Bei Sturzgeburten, die sehr schnell und heftig verlaufen können, wird der Schmerz oft stärker wahrgenommen, als bei solchen Geburten, die in einem normalen zeitlichen Ablauf über einige Stunden hinweg erfolgten. Schmerzen werden auch bestimmt durch das Größenverhältnis zwischen dem Körperbau der Mutter und dem des Kindes.
In der modernen Geburtsbegleitung werden zunehmend alternative Methoden zur Schmerzlinderung eingesetzt. Gleichwohl können auch sie einen positiven Beitrag zu Entspannung und Wohlbefinden leisten. Vielfach wird die Akupunktur schon im Rahmen der Geburtsvorbereitung im letzten Monat vor der Geburt eingesetzt. Dadurch kann die Wehentätigkeit reguliert und die Geburtsdauer verkürzt werden. Die Stimmungslage der Mütter verbessert sich, sie sehen der Geburt positiv entgegen, die Angst schwindet. Mit Hilfe der Akupunktur lassen sich die Schmerzen während der Geburt erheblich verringern. Auch eine deutliche Verkürzung der Entbindungszeit ist oft zu verzeichnen. Bei Wehenschwäche kommt es zur Anregung der Wehentätigkeit. Auch der Dammschnitt und die spätere Dammnaht können unter der Akupunkturanalgesie erfolgen. Neben der schmerzlindernden Wirkung kommt es durch die psychisch entspannende Wirkung der Akupunktur zu einer besseren Mitarbeit der Mutter. Zur Akupunktur während der Geburt werden Nahpunkte im Bereich des Unterbauches oder des Rückens mit wichtigen Fernpunkten kombiniert. Die Nadeln an den Fernpunkten der Innenseite des Beines werden einseitig gesetzt, um den Geburtshelfer nicht zu behindern. Ein Punkt an der Hand wird wiederholt stimuliert. Bei starken Schmerzen in der Kreuzgegend wendet man Elektrostimulation auch an diesen Punkten und den Fernpunkten am Bein an. Die Elektrostimulation verstärkt die schmerzlindernde Wirkung der Akupunktur. Beim Setzen der Nadeln zur Geburtserleichterung ist besonders darauf zu achten, dass die Nadeln schmerzfrei liegen und auch bei Bewegung der Arme und Beine nicht schmerzhaft werden. In den zurückliegenden Jahren haben mehrere hundert Hebammen und Gynäkologen diese Methode der Geburtserleichterung mit Akupunktur erlernt und wenden sie seither erfolgreich an.
Auch Homöopathie kann positiv wirken. Es gibt eine Reihe von Mitteln, die unter anderem bei Wehenschmerzen, Unruhe, Angst, Erregung, Depressionen und Wundschmerzen, zum Beispiel am Damm, helfen können. Dabei lassen sie sich am besten von einer homöopathisch ausgebildete Hebamme beraten.
Die Periduralanästhesie (PDA) wird heute in fast allen Kliniken zur Entbindung angeboten. Erkundigen Sie sich rechtzeitig nach Möglichkeiten der PDA in Kliniken in Ihrer Nähe. Bei der Kreißsaalbesichtigung wird Ihnen die Hebamme sagen, ob eine PDA in der Klinik möglich ist. Für eine PDA muss folgendes gewährleistet sein:
  • 24h PDA durch erfahrenen Arzt (Anästhesisten) in Klinik möglich
  • Neurologische Erkrankungen (z.B. Epilepsie) müssen bei Ihnen ausgeschlossen sein
  • Ihr Muttermund darf noch nicht zu weit auf sein, wenn Sie unter der Geburt stehen, da sonst die PDA nicht rechtzeitig wirken kann
  • Keine ambulante Entbindung mit PDA möglich
 Die Periduralanästhesie ermöglicht Schmerzfreiheit für alle Eingriffe unterhalb des Bauches sowie an Becken, Unterleib und Beinen. Ihr Anästhesist betäubt dabei die vom Operationsgebiet zum Rückenmark führenden Nerven. Dazu spritzt er ein Betäubungsmittel an einer bestimmten Stelle der Wirbelsäule in Ihren Rücken.
Zunächst wird mit einer Hohlnadel der Raum über der harten Rückenmarkshaut aufgesucht. Dies ist nicht sehr schmerzhaft, da die Einstichstelle vorher betäubt wird. Über diese Hohlnadel wird dann ein sehr dünner, flexibler Kunststoffschlauch in die Rückenmarkshaut eingeführt. Danach wird die Hohlnadel entfernt. Über den Periduralkatheter wird dann Lokalanästhetikum gegeben. Das Betäubungsmittel wirkt nach etwa 15 Minuten: Der betäubte Bereich wird warm und gefühllos. Sie können Ihre Beine danach möglicherweise mehrere Stunden nicht oder nur eingeschränkt bewegen.
Für länger dauernde Eingriffe und/oder eine anschließende Schmerzbehandlung können mittels einer Schmerzpumpe über den Periduralkatheter wiederholt bzw. fortlaufend schmerzlindernde Medikamente gegeben werden.
Ist bei Ihnen ein Kaiserschnitt geplant, so bieten auch hier manche Kliniken eine PDA zur operativen Entbindung an, d.h. sie bekommen einen Kaiserschnitt mit PDA und ohne Vollnarkose. Hierbei sollten Sie gemeinsam mit dem Arzt Vor- und Nachteile gut abwägen.

Informieren Sie sich ggf. über Möglichkeiten der Schmerzlinderung unter der Geburt bereits während der Schwangerschaft! Setzen Sie sich intensiv mit der Geburt auseinander, so dass Ihnen evtl. ein wenig die Angst davor genommen wird. Sprechen Sie auch mit Ihrer Hebamme, dem Arzt, Ihrem Partner oder der besten Freundin über die Ängste.


Beitrag zuletzt aktualisiert am: 11.09.09 14:57