Schwangerschaft und Alter
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Eine Schwierigkeit, über MS zu informieren, besteht in der Besonderheit dieser Krankheit. Sie lässt selber noch viele Fragen unbeantwortet und ist in Verlauf und Beschwerdebild von Patient zu Patient unterschiedlich, so dass sich allgemeingültige Aussagen nur bedingt machen lassen. Zunächst: MS ist nicht ansteckend, nicht tödlich, nicht erblich, kein Muskelschwund und keine Geisteskrankheit. Auch die häufig in den Medien verbreiteten Vorurteile, dass MS oft zu einem zwangsläufigen Leben im Rollstuhl führt, sind so nicht richtig. Mit den nachstehenden Informationen möchten wir Vorurteile abbauen und ihnen sachliche Informationen entgegenstellen.
Das Auftreten von einem oder mehreren (multiplen) Entzündungsherden mit entsprechenden körperlichen Störungen und Ausfällen nennt man Schub. Ein Schub hat nicht mit einem plötzlichen Anfall zu tun - meist entwickelt er sich innerhalb von Stunden oder Tagen und klingt nach einiger Zeit wieder ab. Nach dem Schub kann eine Rückkehr zur normalen Funktion eintreten oder das entzündete Nervengewebe vernarbt (sklerosiert).
Es kann manchmal Wochen, Monate, zuweilen sogar Jahre dauern, bis die Diagnose eindeutig feststeht. Sollten Sie möglicherweise selbst die Diagnose "MS" erhalten haben, so sprechen Sie mit Ihrem Arzt offen über Ihre Zweifel und Ängste, und sagen Sie ihm, ob Sie eine zusätzliche Meinung hören wollen. Das wird sicher nicht in jedem Fall notwendig sein, aber u.U. hilft es Ihnen, besser einordnen zu können, ob es sich um eine klinisch eindeutige MS oder zunächst nur um einen MS-Verdacht handelt. Wichtig ist, dass Sie sich an den Arzt Ihres Vertrauens wenden, falls Sie neue oder ungewohnte Beschwerden verspüren oder auch, wenn die ersten Symptome wieder auftreten. Das kann Monate oder Jahre später sein, manchmal sogar ein Jahrzehnt und länger.
Der Verlauf einer MS kann von Patient zu Patient sehr unterschiedlich verlaufen. Deshalb ist es nicht möglich, eine Voraussage zu treffen. Auch wenn dies grundsätzlich zutrifft, muss betont werden, dass die MS bei einer Vielzahl von Erkrankten gutartig verläuft. Eine MS muss nicht zwangsläufig schwer verlaufen, im Gegenteil, die anfänglich auftretenden Krankheitszeichen bilden sich in der Regel fast alle vollständig wieder zurück - es kommt weitgehend zu einer Abheilung der entzündlichen Herde. Auch bei unvollständiger Rückbildung bleiben die Störungen oft relativ gering ausgeprägt und beeinträchtigen wenig. Je nach Krankheitsverlauf können aber auch zunehmende Beeinträchtigungen auftreten, die dann bestehen bleiben Jedoch nur in einzelnen Fällen (unter 5 %) führt die Krankheit innerhalb weniger Jahre zu schwerer Behinderung.
Ganz sicher stellt die Unvorhersagbarkeit des Krankheitsverlaufes eine besondere Belastung für Neuerkrankte und ihre Angehörigen dar. Hinzu kommt, dass viele Patienten durch drastische und meist einseitige Darstellungen der MS in Gesundheitsbüchern und Lexika eher noch verunsichert werden. Gespräche mit dem Arzt, anderen MS-Erkrankten oder Mitarbeitern der DMSG helfen im konkreten Fall, ein realitätsgerechtes Bild von der MS zu bekommen.
Die Ursache der MS ist noch nicht geklärt. Man nimmt an, dass der MS ein ganzes Ursachenbündel zugrunde liegt. Das Abwehrsystem des Körpers, das Immunsystem, spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Immunsystem schützt vor Krankheitserregern, indem es diese unschädlich macht, wenn sie in den Körper eindringen. Bei der MS ist ein Teilbereich dieses Abwehrmechanismus falsch programmiert, das heißt, er richtet sich gegen den eigenen gesunden Körper. So kommt es z.B. durch eine Fehlsteuerung innerhalb des Immunsystems zur Bildung von Antikörpern, die sich an die Schutzhülle der Nervenfasern heften und dort Schädigungen und Störungen verursachen können.
Vermutlich müssen mehrere Bedingungen und Einflüsse zusammentreffen, damit die MS überhaupt ausgelöst wird. Zahlreiche Forscherteams beschäftigen sich damit, die komplizierten Steuerungsvorgänge des Immunsystems aufzudecken. Um das Rätsel Multiple Sklerose zu lösen, wird weltweit und intensiv geforscht. Die internationalen MS-Gesellschaften haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Forschung zu unterstützen, die Forschungsergebnisse zu sammeln und weiterzuvermitteln, sowie das öffentliche Interesse für diesen so wichtigen Forschungsbereich zu wecken und wach zu halten.
Während oder nach Schüben wird seit vielen Jahren Kortison eingesetzt; es wirkt vorwiegend im Schub entzündungshemmend. Nicht jeder Schub muss zwangsläufig mit Kortison behandelt werden. Besonders leichtere Schübe können spontan abklingen und ausheilen. Andererseits gibt auch das Kortison keine feste Garantie für eine folgenlose Rückbildung der Beschwerden. Jedes Medikament wirkt in jeder Situation anders. Höhe und Dauer der Kortison-Therapie werden deshalb individuell abgestimmt, auch in Anbetracht von Verträglichkeit und Nebenwirkungen. Von einer Langzeiteinnahme des Kortisons ist eindeutig abzuraten. Patienten sollten sich gründlich vom behandelnden Arzt über Pro und Contra des Kortisons informieren lassen. Eine Vielzahl anderer Medikamte (z.B. Betainterferone, Copolymer-1, Azathioprin, Methotrexat usw.) greifen regulierend oder unterdrückend in das Immunsystem ein. Dadurch scheint sich bei einigen Patienten das Fortschreiten der MS zu verlangsamen. Man erhofft sich von diesen Medikamenten, dass sie die Fehlsteuerung des körpereigenen Abwehrsystems unterdrücken. Für MS-Erkrankte mit schweren häufigen Schüben können sie unter Umständen sinnvoll sein, um von einer aktiven Krankheitsphase in eine stabile Phase überzuleiten. Auch wenn es zur Zeit noch keine allgemeingültige Therapie mit Sicherheit auf Heilung der Multiplen Sklerose gibt, so gibt es doch eine Vielfalt von etablierten Behandlungen, die Symptome der MS günstig beeinflussen können.
Das Verstehen der komplizierten Krankheit benötigt viel Zeit. Die MS kann auf die persönliche Lebensgestaltung Einfluss nehmen. Ihre Erkrankung beeinflusst auch die Familienangehörigen. Die Angehörigen und die von MS Betroffenen selbst können manchmal verunsichert sein, ob man gesund oder krank ist, denn einige Symptome sind nicht sichtbar und können den Mitmenschen deshalb schwer vermittelt werden; hieraus kann Unverständnis auch bei nahen Angehörigen entstehen. MS-Kranke fragen sich möglicherweise, was sie sich noch zumuten können, oder haben Angst, sich zu überfordern. Eigene Grenzen müssen neu ausgelotet werden.