Ätherische Öle in der Schwangerschaft können Stress und Übelkeit verringern

Ätherische Öle – wahrscheinlich mehr als nur ein Duft

Gold, Weihrauch und Myrrhe brachten die Weisen aus dem Morgenland mit, um dem Kind ihre Ehre zu erweisen. Gold galt dem größten König, Weihrauch dem obersten Priester und Myrrhe dem größten Heiler der Welt. Um den Weihrauch soll es heute gehen und um ätherische Öle allgemein.

Die Leserinnen und Leser dieses Blogs, die schon einmal an einer feierlichen Liturgie der katholischen oder einer orthodoxen Kirche teilgenommen haben, kennen Weihrauch gut. Die kleinen Harz-Stückchen aus der indischen Boswellia-Pflanze werden in ein durchlöchertes Gefäß gegeben und vom Priester angebrannt. Dann schmauchen und rauchen die kleine Stückchen eine ganze Weile kräftig vor sich hin. Ministranten schwenken das Gefäß an langen Ketten hin und her, erstens um den Rauch zu verteilen, und zweitens um nicht von dem starken Geruch ohnmächtig zu werden.

Die Nase der Götter nicht beleidigen

Das erste Mal überhaupt in der Geschichte wurde Weihrauch im Gilgamesch-Epos erwähnt, das im Zweistromland etwa 2000 vor Christus erstmals aufgeschrieben wurde. Gilgamesch war ein vorzeitlicher Held. Hätte er tatsächlich gelebt, dann noch ungefähr tausend Jahre früher. Von jetzt an gerechnet wird also Weihrauch seit mindestens 4000 Jahren, vielleicht auch noch viel länger als Räucherwerk verwendet. Einer der ganz wichtigen Gründe war, dass den Göttern Tiere geopfert wurden, indem sie auf Altären verbrannt wurden. Das muss ziemlich gestunken haben, aber der Geruch sollte die Nasen ebendieser Götter besser nicht beleidigen. Wurde Weihrauch mit ins Feuer gelegt, so überdeckte dieses starke Aroma den unangenehmen Geruch.

Die Israeliten fanden Weihrauch kultig

Später gingen die Priester dazu über, nur noch Weihrauch als Rauchopfer zu verbrennen, und zwar in solchen Mengen, dass die Götter oben in den Himmeln in dem Qualm nicht mehr erkennen konnten, dass man sich die Tieropfer häufig einsparte. Vegane Opferdienste in der Antike …. Die Priester der  Israeliten lernten Weihrauch kennen, als sie 600 vor Christus viele Jahrzehnte im babylonischen Exil verbrachten, fanden das „kultig“ und nahmen die Praxis nach Jerusalem mit. Auch die Ägypter, Griechen und Römer verwendeten den teuren Weihrauch in reichlichen Mengen, um die Götter gnädig zu stimmen.

Räuchermännchen – eine gute Idee

Kiloweise Boswellia-Harz zu verbrennen ist heute nicht mehr angesagt. Aber ein wenig etwas von den alten Riten hat es bis in unsere Zeit geschafft: Eine sehr zarte und angenehme Variante des Aromas verbreiten die kleinen Duftkegel aus Weihrauch, die man in die typischen Räuchermännchen aus dem Erzgebirge stellt. Sie füllen das Haus mit einem leichten, weihnachtlichen Duft. Und wenn man dafür tatsächlich Weihrauch verwendet, hat das auch noch einen gesundheitlichen Nutzen: Erst in jüngster Zeit wurde in sorgfältigen wissenschaftlichen Studien entdeckt, dass der kräftige Rauch des kokelnden Harzes tatsächlich Bakterien und Pilze in der Luft reduzieren kann.

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Auf der anderen Seite darf hier natürlich ein Pflicht-Hinweis nicht fehlen: Schön zu wissen, dass das Keime reduzieren kann. Aber was auch immer Sie darüber lesen: Zur Anwendung bei Covid-19-Erkrankungen ist Weihrauch zwar bereits getestet. Aber Boswellia-Harz reduziert die Virenmenge im Mund nur dann, wenn man die reinen Harzbröckchen nicht einatmet, nicht verschluckt, sondern lange genug darauf herumkaut. Ein weihnachtlicher Räuchermännchen-Duft ist also definitiv keine ausreichende Strategie gegen SARS-CoV2, zumal sich das Virus immer neue, immer aggressivere Varianten ausdenkt. Einzig die Impfung, zusammen mit all den anderen Regeln, schützen uns einigermaßen sicher vor der Erkrankung und mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit vor der Intensivstation. Aber das soll dieses Mal nicht unser Thema sein – zurück zu den Wohlgerüchen.

Aroma ja, Räuchern nein

Räucherdüfte haben aber einen Nachteil. Schon vor mehreren Jahren haben die Lungenärzte gewarnt: Wenn man über sehr lange Zeit ständig Luft einatmet, die solchen Aroma-Rauch enthält, kann dies das Risiko für bösartige Erkrankungen der Atemwege erhöhen. Festgestellt wurde das vor allem im asiatischen Raum, wo Räucherstäbchen, -kerzen, -pfannen und -gefäße sehr weit verbreitet sind.

Wenn man also etwas für die eigene Wellness tun möchte, indem man ätherische Öle verwendet, sollte Räucherware eine Ausnahme sein. Auch Duftkerzen sollten eigentlich nicht in geschlossenen Räumen verwendet werden, weil das Aroma in den Flammen verbrennt.

Besser keine Duftkerzen verwenden

Normalerweise sollten die ätherischen Öle in warmem Wasser langsam verdunsten. So vermeidet man es, dass riskante Stoffe aus der Verbrennung in die Atemwege gelangen. Aus demselben Grund sollte darauf geachtet werden, dass die Flüssigkeit in der Duftlampe niemals austrocknet, sodass am Ende nur noch das Öl im heißen Gefäß übrigbleibt. Denn dieses Öl zersetzt sich dann ebenfalls in schädliche Zerfallsprodukte, wenn die Kerze darunter weiter brennt.

Was kann man nun mit ätherischen Ölen in Duftlampen erreichen? Hilft Lavendelduft tatsächlich, sich zu entspannen? Vertreibt Ingwer die Übelkeit, Pfefferminz-Aroma Kopfschmerz? Stärkt Zitronenöl die Konzentration, wirkt Ringelblume beruhigend? Gibt es etwas, was dem Baby guttut, neun Monate lang die Wehen aufhält und im zehnten Monat zum richtigen Zeitpunkt die Geburt beginnen lässt?

Was können ätherische Öle in der Schwangerschaft bewirken?

Es gibt lange Listen an Aromen, die für unterschiedlichste Situationen in der Schwangerschaft geeignet oder auch ungeeignet sein sollen. Sie finden sie zum Beispiel auch Im Handbuch „Baby Care – gesund & schwanger“. Aber Aroma-Öle haben nur in ganz seltenen Fällen eine Wirkung, auf die man sich verlassen könnte. Bei all diesen Ölen ist der Placeboeffekt überwältigend. Ich weiß ja schon vorher, wie das Öl wirken soll. Und wenn ich mir das Öl für die Duftlampe in einer bestimmten Situation extra aussuche, weil ich einen bestimmten Effekt erzielen will, dann haben Zitronella, Verbene und Bergamotte überhaupt keine Chance mehr, unwirksam zu sein.

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Das heißt nicht, dass Aroma-Öle unwirksam wären. Aber auf echte medizinische Wirkungen sollten Sie sich lieber nicht verlassen.

Übelkeit und Stress – da helfen ätherische Öle

Es gibt allerdings zwei Ausnahmen. Wenn Sie es schaffen, eine Duftkomposition zu finden, die die Übelkeit der ersten Monate lindert, dann ist schon viel gewonnen. Es werden meist keine blumigen Noten sein, mit denen sich die Übelkeit und der Brechreiz vertreiben lassen. Ingwer, Verbene, Fenchel, Lavendel könnten Sie ausprobieren, vielleicht auch der Duft von Zitrusfrüchten. Auch der Duft von Schafgarbe kann gegen Übelkeit helfen. Niedrig genug dosiert – es reichen ganz wenige Tropfen. Sonst wird Ihnen gleich wieder von dem Geruch schlecht.

Die zweite Ausnahme betrifft den Stress. Stress – egal ob durch Arbeit, Familie, Partner, Kinder – ist nicht wirklich gut für die Schwangerschaft. Frauen, bei denen die Wehen zu früh einsetzen, geben in Befragungen häufiger an, dass sie in der Schwangerschaft einem hohen Stresslevel ausgesetzt waren.

Wenn es Ihnen gelingt, eine leichte Duftkomposition für Ihre Duftlampe zu finden, die Ihnen das Entspannen leichter macht, dann kann das auch einen medizinischen Nutzen haben. Welche Düfte bei Ihnen „funktionieren“, das hängt ganz von der eigenen Erfahrung ab. Schafgarbe, Kamille und Fenchel zaubern die Erinnerung an eine frische Sommerwiese. Lavendel, Thymian und Rosmarin entführen Sie in den Süden. Aber es gibt auch viele andere Aromen, die für Sie persönlich hilfreich sein können. Wenn ein Duft für Sie persönlich unangenehm wirkt, dann lassen Sie ihn weg, ganz egal was für Lyrik auf dem Etikett steht.

Alte ätherische Öle besser wegwerfen

Dass Sie nur echte, hochwertige Pflanzenöle verwenden dürfen und keine billige, synthetische Ware, versteht sich von selbst. Und auf keinen Fall sollten Sie jetzt die alten ätherischen Öle rauskramen, die Sie seit Ihrer Pubertät noch irgendwo aufbewahren. Natürliche Aromen sind nicht jahrelang haltbar. Sie zerfallen und zersetzen sich.

Mögen Sie einen bestimmten Geruch? Dann verwenden Sie ihn. Wechseln Sie häufiger ab, damit sich die Nase nicht daran gewöhnt. Lassen Sie zwischendurch auch Tage ganz ohne Duftöle verstreichen. Kerzen erzeugen Feinstaub, und zwar nicht zu knapp. Das gilt natürlich auch für die Teelichte unter der Duftschale. Der Duft sollte außerdem immer nur ganz schwach sein, fast nicht wahrnehmbar. Säubern Sie die Duftlampe regelmäßig und gründlich, und entfernen Sie den Ruß des Teelichts auf der Unterseite der Schale. Das ist nicht pingelig, sondern es ist gut für Ihre Gesundheit.

Und gerade jetzt, zur Weihnachtszeit, darf es natürlich gern auch mal ein Räuchermännchen sein.

PS: Zur Entspannung hilft auch ein Bad. Wir erklären Ihnen, welche Badezusätze in der Schwangerschaft erlaubt sind.

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz
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