Arzneimittel in der Schwangerschaft – Absetzen besser mit dem Arzt besprechen

Arzneimittel in der Schwangerschaft – Absetzen mit dem Arzt besprechen

Es gibt Arzneimittel, die in der Schwangerschaft, das ungeborene Baby schädigen können. Wenn Sie diese verwenden müssen, sollten Sie zu einer sehr zuverlässigen Verhütungsmethode greifen. Planen Sie oder wünschen Sie sich eine Schwangerschaft, dann sollten Sie diese Arzneimittel am besten vorher absetzen. Manche sagen sogar, dass Frauen im gebärfähigen Alter solche Arzneimittel gar nicht bekommen sollten.

Am Donnerstag, 12. August 2021, hat die BARMER Ersatzkasse auf einer Pressekonferenz diese Forderung aufgestellt. Die BARMER hat Daten von über 66.000 versicherten Frauen analysiert, die im Jahr 2018 ein Kind bekommen hatten. 612 von ihnen, also eine von hundert, erhielt während der Schwangerschaft ein Arzneimittel, das im Verdacht steht, dass es bleibende Schäden beim ungeborenen Baby hervorrufen könnte. 20 Frauen, also 0,03 %, gaben an, dass sie Arzneimittel in der Schwangerschaft eingenommen hatten, die ein hohes Risiko für eine Schädigung bergen. Nur sieben von zehn Babys, deren Mütter mit diesen Arzneimitteln behandelt werden, kommen gesund zur Welt. Drei von zehn Babys erleiden dadurch dauerhafte körperliche Schäden.

Sie dürfen jetzt aber nicht schwanger werden

Ärztinnen und Ärzten sind diese Risiken bekannt. Fast ausnahmslos werden deshalb bei Mädchen und Frauen in erster Linie Arzneimittel verwendet, die kein solches Risiko bergen. Allerdings gibt es Erkrankungen wie etwa Autoimmun-Krankheiten, Krebs, manche Epilepsie-Formen, Störungen der Blutgerinnung, sehr schwere Formen der Akne und andere, bei denen als letztes Mittel dann doch gefährlichere Arzneimittel verwendet werden, wenn sonst gar nichts hilft. Denn Ziel der Behandlung ist es, zunächst eine schwere Krankheit zu beherrschen und der erkrankten Frau ihre Lebensqualität wieder zurückzugeben. „Sie dürfen jetzt aber nicht schwanger werden“ – für schwer kranke Frauen klingt das, als wollte man sich lustig machen. Wie sollen denn bei einer so schweren Krankheit überhaupt Lebensfreude, Lust, Sex möglich sein?

Manchmal ist der Kinderwunsch dann sogar eine direkte Folge der Behandlung. Die schweren Krankheitssymptome gehen zurück, die Leichtigkeit kommt wieder. Und damit der Traum, schwanger zu werden und eigene Kinder zu bekommen.

Arzneimittel in der Schwangerschaft: Viele Fragen, viele Antworten

An diesem Punkt nun hat die Untersuchung der BARMER angesetzt. Wussten die Frauen, dass sie Arzneimittel einnehmen, die eigentlich nicht zu einer Schwangerschaft passen? Wussten sie, dass die meisten dieser Arzneimittel besonders in den allerersten Wochen der Schwangerschaft schädlich sind? Ist Ihnen bewusst, dass sie eine sehr zuverlässige Verhütung brauchen, die nicht hundertprozentig, sondern besser tausend prozentig sicher sein müsste? Sind die Ärztinnen und Ärzte, die diese Arzneimittel verordnet haben, über den Kinderwunsch informiert? Haben sie erfahren, dass die Frauen schwanger geworden sind? Haben Sie die Arzneimittel vor der Schwangerschaft abgesetzt? Oder wenigstens gleich zu Beginn der Schwangerschaft? Hat die Frau ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt gesagt, welche Arzneimittel sie einnimmt? Und hat sie das gleich zu Beginn der Schwangerschaft getan oder erst später? Hat sie vielleicht die Arzneimittel dann selbst abgesetzt, ohne überhaupt mit ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten zu sprechen?

Bester Komfort mit BabyCare

Schwangere, die am BabyCare-Programm teilnehmen, sind hier in einer komfortablen Situation. Denn BabyCare arbeitet mit Embryotox zusammen, der führenden Datenbank zu allen Fragen rund um Arzneimittel und Schwangerschaft. In der BabyCare-App werden alle verwendeten Arzneimittel eingetragen, und die App gleicht diese mit den Embryotox-Daten ab. Auf einen Blick können Sie so erkennen, welche Arzneimittel unbedenklich sind für das Baby, und bei welchen eine Umstellung auf andere Arzneimittel empfehlenswert ist.

Die Analyse der BARMER-Daten zeigte, dass in zwei von drei Fällen die Arzneimittel bereits vor der Schwangerschaft umgestellt wurden, zusätzlich in vielen Fällen in den ersten Wochen nach der Feststellung. So sollte es sein.

Manchmal, so gaben die Frauen an, berichteten Sie aber der Frauenärztin oder dem Frauenarzt nicht von den Medikamenten und der Hausärztin oder dem Hausarzt lange nicht von der Schwangerschaft. Einige setzten selbstständig Arzneimittel ab.

Ups, das habe ich vergessen

Starke Arzneimittel gegen schwere Erkrankungen aber allein abzusetzen, das ist die schlechteste Idee von allen. Dann kann sich die Krankheit, um die es eigentlich geht, wieder verschlimmern. Und das hilft niemandem, auch nicht dem ungeborenen Baby. Warum macht man das? Ist der Facharzt, bei dem man in Behandlung ist, so unfreundlich, dass man mit ihm nicht über die Schwangerschaft sprechen will? Hat er oder sie immer gepredigt „Sie müssen aber verhüten“, und man möchte sich die hochgezogene Augenbraue ersparen, weil jetzt doch ein Baby unterwegs ist? Oder fragt die Frauenärztin nach Medikamenten, doch Sie haben einfach die Namen nicht parat und nennen ein oder zwei, aber nicht alle, die Sie regelmäßig einnehmen? Oder ist einfach sowieso gerade alles zu viel und zu kompliziert? Sie müssten ja die Frauenärztin benachrichtigen und auch noch die Ärztinnen und Ärzte, die die Arzneimittel vorher schon angesetzt und verordnet haben?

Ob ein solches Arzneimittel wirklich für Sie lebenswichtig und unverzichtbar ist, oder ob es für die Zeit der Schwangerschaft Alternativen gibt, das sollte wirklich am besten zusammen mit den Ärztinnen und Ärzten besprochen werden. Manchmal handelt es sich ja sogar um eine Krankheit, die in der Schwangerschaft besser wird. Und dann kann man auch Medikamente absetzen, ohne dass sich die Symptome verschlimmern.

Gute Idee – der Medikationsplan

Die Barmer hat dafür eine vielversprechende Idee. Sie nennt sich „Medikationsplan“. Normalerweise werden solche Medikationspläne erstellt, wenn Sie drei oder mehr Arzneimittel bekommen. Dafür gibt es sogar einen gesetzlichen Rahmen. Die Barmer möchte nun, dass alle Frauen bis zu den Wechseljahren einen solchen Medikationsplan bekommen, sobald sie auch nur ein einziges Arzneimittel dauerhaft verordnet bekommen. Dann steht dieser Plan sofort beim Beginn der Schwangerschaft zur Verfügung, und alle Beteiligten können damit arbeiten.

Dem Baby niemals durch Arzneimittel schaden – die Digitalisierung soll helfen

Schäden des ungeborenen Babys durch Arzneimittel, das sollte ein „never event“ werden, also ein Ereignis, das niemals auftritt. Der Medikationsplan kann künftig auch in der elektronischen Patientenakte, der ePA abgelegt werden, und damit kann man dieses Dokument jederzeit aufrufen, sobald man selbst sich die ePA-App der eigenen Krankenkasse aufs Handy geladen hat.

Dafür gibt es bisher nur Pilotprojekte. Aber es kann nicht mehr so ganz lange dauern, bis das funktioniert. Und dann kann auch die Frauenärztin oder der Frauenarzt gleich bei der Feststellung der Schwangerschaft den Medikationsplan, den die anderen Ärztinnen und Ärzte angelegt haben, einfach einsehen. Ein Hin und Her zwischen den Ärzten und Praxen, zwischen Telefon, Zetteln und der eigenen Vergesslichkeit sollte es dann nicht mehr geben. So können Sie trotz einer schweren Krankheit ein gesundes Baby bekommen, welches durch Arzneimittel nicht geschädigt ist. Das ist dann der beste Beweis dafür, dass der digitale Wandel manchmal echte Fortschritte bringt.

Übrigens:

Die Studie der BARMER ist zweifellos wichtig. Allerdings sollten Sie nicht vergessen, dass bei der Planung einer Schwangerschaft auch die Medikamenteneinnahme Ihres Partners dringend berücksichtigen, denn auch diese kann zu gesundheitlichen Schäden des Kindes führen.

Autorin: Dr. Susanna Kramarz

Bild-Copyright © Christina Victoria Craft / Unsplash