Tabletten auf blauer Unterlage

Arzneimittel in der Schwangerschaft – keine Panik

Im September ist eine große Krankenkasse in die Öffentlichkeit gegangen mit einer Mitteilung, die vielen Schwangeren Angst gemacht hat. Diese Krankenkasse hatte in einer Befragung ihrer Mitglieder herausgefunden, dass manche Frauen Arzneimittel in der Schwangerschaft verordnet bekommen, die im ungünstigsten Fall ihrem Baby schaden können. Und sie hat Frauen befragt und erfahren, dass sie sich von ihren Ärztinnen und Ärzten nicht über die Risiken aufgeklärt fühlen oder sich an eine solche Aufklärung nicht erinnern können.

Eine solche Meldung löst natürlich Alarm aus, Erschrecken. Lassen mich meine Ärzte, wenn ich krank bin, wirklich Arzneimittel einnehmen, die meinem Baby schaden können? Das Thema wird von dieser Krankenkasse, die ansonsten hervorragende Leistungen gerade für Schwangere anbietet, derzeit auf vielen regionalen Veranstaltungen wiederholt. Es ist also kein Schnee von gestern, kein „Schwamm drüber“. Wir geben Ihnen die Antworten, die Sie benötigen.

Eigentlich geht es um mehr Digitalisierung

Die Krankenkasse wollte wohl eigentlich gar nicht in erster Linie über Arzneimittel in der Schwangerschaft sprechen – was ist notwendig und unverzichtbar? Was kann man verändern? Wie erkennt man Gefahren? Sie hatte eigentlich etwas ganz anderes im Sinn. Man entdeckte das erst mühsam, wenn man sich durch all die langen Texte aus dieser Pressekonferenz wühlte: Sie möchte gern erreichen, dass mehr Ärztinnen und Ärzte auf die elektronische Patientenverwaltung umsteigen, was zunächst einmal gar nichts mit den Schwangeren zu tun hat. Sie sagt nun, wenn alle Ärztinnen und Ärzte flächendeckend eine spezielle elektronische Dokumentation und Verwaltung für Arzneimittel und Rezepte verwenden würden, müssten sich schwangere Frauen keine Sorgen mehr machen. Dann käme es nicht zu Problemen mit Arzneimitteln, die in der Schwangerschaft vermieden werden sollten.

Das mag stimmen oder nicht. Die Aktion kam jedenfalls um Monate, wenn nicht um Jahre zu früh. Denn beim Umstieg der Arztpraxen in die vollständige elektronische Kommunikation gibt es noch sehr viele ungeklärte Fragen. Die Systeme funktionieren alle noch gar nicht richtig. Eigentlich sollten zum Beispiel alle Ärzte, die ab Oktober 2021 Krankschreibungen weiterhin per Papier ausstellen statt elektronisch, hohe Strafen zahlen. Das ist im letzten Moment zurückgenommen worden und bis weit ins Jahr 2022 hinein verschoben worden. Man kann nicht schwimmen, wenn kein Wasser im Pool ist. Man kann die Krankenakte und die ganze Abrechnung der Behandlung nicht digital durchführen, wenn einheitliche und sichere Verbindungen zwischen Praxis, Abrechnung und Krankenkassen fehlen.

Was also sollen nun Sie als Schwangere oder als Frau mit Kinderwunsch eigentlich tun? Zu Ihren Ärzten gehen und – Behandlungen stoppen, die notwendig sind? Mit den Ärzten über die Probleme der Telematik diskutieren?

Gut, dass Sie BabyCare haben …

Gut, dass Sie BabyCare haben. Wir sagen Ihnen, welche Arzneimittel für Sie und Ihr Baby gefahrlos sind, wenn Sie einen Kinderwunsch haben oder wenn Sie schwanger sind. Und wenn Sie Arzneimittel einnehmen können, wie sie dann herausfinden, ob das Probleme bereiten könnte oder auch nicht.

…. und www.embryotox.de

Die wichtigste Adresse ist hier das Portal www.embryotox.de. Es wird von einem wissenschaftlichen Institut betrieben, das zur Berliner Charité gehört. Hier können Sie den Namen Ihrer Arzneimittel in eine Suchmaske eingeben und bekommen eine Auskunft, ob diese Arzneimittel auch in der Schwangerschaft verwendet werden können und unter welchen Bedingungen.

Arzneimittel in der Schwangerschaft – modern, gezielter, weniger Nebenwirkungen, aber …

Man kann manches aber auch ganz generell einschätzen. Das hat mir der modernen Medizin zu tun. Viele ältere Arzneimittel gegen Blutdruck, Rheuma, gegen Thrombosen, Diabetes oder Herzkrankheiten wirken gut und ordentlich. Aber sie haben manchmal eine Reihe unerfreulicher Nebenwirkungen oder müssen gespritzt werden.

Die moderne Medizin geht sehr wissenschaftliche Wege, um Krankheiten sehr gezielt zu bekämpfen. Sie untersucht zum Beispiel genau, welche Zelltypen und Zellstrukturen geblockt werden müssen, um Krankheiten zu verhindern oder einzugrenzen. Diese modernen Arzneimittel binden dann oft ganz speziell an diese Zellen an und beeinflussen ihre Tätigkeit und ihr Wachstum. Dadurch können Nebenwirkungen auf andere Zellen und Organe häufig deutlich verringert werden. Die Arzneimittel sind dadurch mindestens ebenso wirksam, häufig aber viel besser verträglich als herkömmliche Medikamente.

… viele sollten besser nicht zum Baby gelangen

Aber bei sehr vielen dieser gut verträglichen, hochwirksamen modernen Arzneimittel gibt es das Problem, dass sie auch zum ungeborenen Baby gelangen und dort ebenfalls Zellen und Zellwachstum hemmen können. Das darf natürlich nicht passieren. Der Embryo sollte sich völlig ungestört entwickeln können. Oftmals tritt dieser Effekt nur in bestimmten Phasen der Schwangerschaft auf. Manchmal ist er besonders ausgeprägt in den ersten Schwangerschaftswochen, manchmal erst nach der 30. Woche.

Solche Arzneimittel einfach wegzulassen, ist aber in aller Regel keine gute Idee. Denn dann kommen die Krankheiten und Symptome zurück, von Gelenkentzündungen über Bluthochdruck, hohen Blutzucker bis zu verstärkte Blutgerinnung. Viele dieser Krankheiten können sich dann selbst und direkt auf die Schwangerschaft auswirken.

Schon bei Kinderwunsch mit den Ärzten sprechen

Stattdessen ist es der bessere Weg, schon vor einer geplanten Schwangerschaft mit den Ärztinnen und Ärzten zu sprechen, die die jeweiligen Krankheiten behandeln. Das ist meistens nicht die Frauenärztin oder der Frauenarzt. Die kennen sich sehr gut mit Ihrem Kinderwunsch und Ihrer Schwangerschaft aus. Das ist ihr Job und der Schwerpunkt ihrer Ausbildung. Aber es ist nicht die Aufgabe von Frauenärztinnen und -ärzten, alles über Diabetes, Herzkrankheiten, Rheuma und viele andere Krankheiten zu wissen.

Deshalb ist es wichtig, frühzeitig mit den Ärztinnen und Ärzten zu sprechen, bei denen diese Behandlungen durchgeführt werden. Hier sollte deutlich gemacht werden, dass Sie einen Kinderwunsch haben. Oder dass Sie schwanger geworden sind. Diese Ärzte wissen dann gut, welche der Arzneimittel eventuell weggelassen werden sollten, damit das Baby keinen Schaden nimmt. Und was man stattdessen verwenden kann, damit die Krankheit nicht aus dem Ruder läuft.

Aus Versehen schwanger?

Bei manchen Arzneimitteln prägen die Ärztinnen und Ärzte jungen Frauen dringend ein, auf eine sehr zuverlässige Verhütung zu achten. Und dann – ups – ist es doch passiert, das Baby ist unterwegs. Das kann passieren. Gar nichts zu machen ist da keine Option. Den Arztbesuch zu streichen, damit man sich nicht die Meckerei wegen der Schwangerschaft anhören muss? Die Arzneimittel wegwerfen? Hoffen, dass alles mehr oder weniger gut geht? Und auch dem Frauenarzt gar nicht erst sagen, dass es da eine Krankheit gibt und Medikamente, die man eigentlich nehmen müsste?

Arzneimittel in der Schwangerschaft: Reden ist besser für alle

Nichts davon ist eine wirklich gute Idee. Niemand wird sich aufregen. Alle werden nach einer guten Lösung suchen. Die wird in den meisten Fällen heißen, auf Arzneimittel umzusteigen, die keine Auswirkung auf das Baby haben. Manche Krankheiten flauen während der Schwangerschaft auch ab, sodass man sowieso die Arzneimittel reduzieren kann. Das kann man in einigen Fällen ebenfalls ausprobieren.

In ganz seltenen Fällen sind problematische Medikamente aber doch auch in der Schwangerschaft nicht verzichtbar. Das gilt immer dann, wenn die Krankheit selbst zu einer Gefahr für Mama und Kind werden kann, und wenn andere Arzneimittel und Behandlungen nicht ausreichend wirksam sind.

Häufig würde in diesen Fällen das Baby in kurzen Abständen mit Ultraschall überwacht. Das hat den Vorteil, dass die Mama immer weiß: „Bis hierhin ist alles gut gegangen“. Und es hat den zweiten Vorteil, dass man die Behandlung sofort unterbrechen kann, sobald sich beim Baby Veränderungen jeglicher Art zeigen. So werden größere Schäden verhindert, und kleinere Auffälligkeiten können oft im Lauf der Schwangerschaft sogar wieder ausheilen.

Miteinander sprechen ist das Geheimnis für die bestmögliche Lösung. Angst und Vorwürfe erreichen das Gegenteil.

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz

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