Zytomegalievirus-Infektion (CMV-Infektion) in der Schwangerschaft

Bedrohliche CMV-Infektion – aber es gibt Hoffnung

Zytomegalievirus-Infektion (CMV-Infektion) in der Schwangerschaft
CMV-Infektion in der Schwangerschaft? Antikörpertest und Immunglobuline geben Hoffnung.

Jeder zweite Mensch macht eine Infektion mit diesem Keim schon im Kleinkindalter durch und bildet eine Immunabwehr aus, oft ohne überhaupt Krankheitsanzeichen zu entwickeln: Das Cytomegalie-Virus (CMV), mit dem wir uns in diesem Blogbeitrag beschäftigen, ist sehr weit verbreitet und normalerweise völlig harmlos. Es gibt nur zwei Ausnahmen: Menschen mit einem geschwächten Immunsystem können schwerkrank werden. Und wenn das Virus in den ersten Wochen der Schwangerschaft durch die Plazenta hindurch ungehindert zum ungeborenen Baby kommt, kann es sich im Nervengewebe und in den Organen festsetzen, vermehren und dort ganz erheblichen und bleibenden Schaden anrichten – im Gehirn und am Herzen und den anderen inneren Organen. Über 5.000 durch eine CMV-Infektion geschädigte Babys kommen jedes Jahr in Deutschland zur Welt. Und bei einigen Kindern, die zunächst unauffällig erscheinen, stellt sich später dann doch noch ein Hörschaden heraus.

Die Geschwister bringen die Keime nach Hause

Es gibt eine ganz typische Situation, in der ein ungeborenes Baby gefährdet ist, infiziert zu werden: Wenn seine Mutter bisher keinen Kontakt mit dem Virus hatte und deshalb noch keine Antikörper entwickelt hat, und wenn schon ein Geschwister da ist, das sich im Kindergarten anstecken kann und die Ansteckung dann an seine Mama weitergibt. Je früher in der Schwangerschaft der Viruskontakt stattfindet, umso schwerer sind die Folgen: 30% der Babys, die in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft angesteckt werden, kommen mit Folgeschäden zur Welt, wie im Dezember Prof. Yves Ville, Paris, einer der weltweit führenden CMV-Experten, auf einem Webinar zur fetalen Medizin vor über 10.000 Ärztinnen und -ärzten berichtete[1]. Infiziert sich die Mama erst nach der 20. Woche, so hat das keine Auswirkungen mehr auf das Baby.

Bis vor einigen Jahren gab es noch keine Möglichkeit, eine CMV-Infektion in der Schwangerschaft so erfolgreich zu behandeln, dass das Baby trotzdem gesund zur Welt kommen kann. Deshalb gilt für die Krankenkassen bisher auch, dass die Kosten für eine mögliche Früherkennung am Anfang der Schwangerschaft nicht erstattet werden. Denn eine frühe Diagnose würde ja nichts ändern, wenn es keine Therapie gibt. Nur langsam ändert sich das. Einige Krankenkassen bezahlen inzwischen gleich zu Beginn der Schwangerschaft die Untersuchung, ob bereits Antikörper gegen das Virus vorhanden sind. Wenn das der Fall ist, dann sind die Schwangere und ihr Baby geschützt. Sind keine Antikörper vorhanden, und hat die Schwangere Kontakt zu Kleinkindern, dann muss sie ganz besonders darauf aufpassen, keinen Kontakt mit Spucke, Nasensekret oder Urin dieser Kinder zu haben. Weil das bei Frauen, die im Kindergarten arbeiten, meist nicht möglich ist, wird für Kita-Erzieherinnen, die keine CMV-Antikörper haben, oft ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen.

Jeden Kontakt mit Körperflüssigkeiten vermeiden

Schwangere, die keine Antikörper gegen CMV haben, müssen in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft unbedingt eine Menge an Vorsichtsmaßnahmen einhalten, wenn sie in der Familie oder in ihrem Umfeld Kontakt mit Kleinkindern haben: Die Hände regelmäßig und gründlich waschen, beim Windelwechseln Einmalhandschuhe verwenden und jeden Kontakt mit Körperflüssigkeiten vermeiden, was beim eigenen Kind fast unmöglich sein kann; dazu gemeinsam genutzte Toiletten und Waschbecken häufig desinfizieren, Geschirr und Besteck des Kindes nicht selbst verwenden und sich in der Kita oder an anderen Orten mit vielen Kleinkindern nur so kurz wie möglich aufhalten.

Frische Antikörper – frische Infektion

Kommt es trotzdem zu einer Infektion oder auch zum Verdacht auf eine Infektion, so gilt es, mit einem erneuten Antikörper-Test in der frauenärztlichen Praxis so schnell wie möglich Sicherheit zu bekommen: Können jetzt Antikörper gegen CMV gefunden werden, so ist tatsächlich eine frische Ansteckung aufgetreten.

Immunglobuline verhindern die Übertragung auf das Baby

In diesen Fällen kann heute so schnell wie möglich eine Behandlung mit hoch dosierten Immunglobuline (Hyper-Immunglobuline, HIG) begonnen werden. Das sind Antikörper, die ein Übertreten der Viren in die Fruchthöhle in mehr als zwei von drei Fällen vollständig verhindern können. Diese Hyper-Immunglobuline haben in Deutschland zwar keine Zulassung, um bei Schwangeren mit einer CMV-Infektion angewendet zu werden. Die Übernahme der Kosten kann aber zusammen mit der ärztlichen Verschreibung bei den Krankenkassen beantragt werden, und sie wird in aller Regel auch gestattet.

Eine Fruchtwasserpunktion einige Wochen später kann Sicherheit bringen; hier wird dann nicht wie bei der genetischen Pränataldiagnostik nach Chromosomen gesucht, sondern nach dem Virus. Werden in der Punktion keine Viren nachgewiesen, dann können die Eltern beruhigt sein, das Baby wird dann keinen Schaden davontragen, wie Prof. Dr. med. Matthias Meyer-Wittkopf, Oldenburg, im März 2021 in einem Vortrag auf einem großen frauenärztlichen Fortbildungskongress in einer Sitzung der ICON-Initiative erläuterte[2].

Virushemmende Arzneimittel – sehr gute Ergebnisse

Das ist nicht nur schön und wichtig und eine große Beruhigung für die Eltern. Es hat auch einen wesentlichen Einfluss auf eine mögliche Arzneibehandlung, die inzwischen in Deutschland in einigen Universitätskliniken mit sehr großen Erfolgen entwickelt wird. Denn gegen CMV helfen wie gegen andere Viren ursächlich nur Virus-blockende Arzneimittel, sogenannte Virustatika. Die aber dürfen in der Schwangerschaft normalerweise nicht verordnet werden, weil man fürchtet, durch die Medikamente selbst dem Baby einen Schaden zuzufügen. Geht es aber darum, schwere Schädigungen von Gehirn, Herz und anderen Organen zu verhindern, gelten heute unter strengen Vorsichtsregeln andere Kriterien. Drei Virus-blockende Medikamente stehen für CMV-Infektionen des ungeborenen Babys derzeit international auf dem Prüfstand mit sehr guten Ergebnissen: Bis zu 90% der – erwarteten – Folgeschäden bei infizierten Babys können durch diese Behandlungen verhindert werden, wie Prof. Dr. med. Florian Faschingbauer aus dem Universitätsklinikum Erlangen in derselben Vortragssitzung am 05.03.2021 erläuterte.

Vielleicht dauert es nur noch wenige Jahre, bis die Therapien für Zytomegalie-Infektionen in der Schwangerschaft ausreichend erprobt und bewährt und die Ergebnisse in Studien nachgewiesen sind. Dann wäre zu hoffen, dass auch die Krankenkassen einlenken und die frühen Untersuchungen auf CMV-Infektionen in der Schwangerschaft regelmäßig bezahlen, so dass alle ungeborenen Babys mit einer drohenden CMV-Erkrankung frühzeitig erkannt, behandelt und gesund geboren werden können. Bisher herrscht dagegen bei den meisten Kassen nur die Einstellung „Wenn man sowieso nichts dagegen machen kann, dann ist es auch egal, ob man eine Krankheit früher oder später diagnostiziert.“ Die Untersuchung auf CMV-Antikörper kann aber in jeder frauenärztlichen Praxis durchgeführt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt jedenfalls in ihrer Leitlinie für die CMV-Infektion, die in den nächsten Monaten verabschiedet wird[3], den Antikörper-Test zu Beginn der Schwangerschaft. Bis die Krankenkassen einlenken, ist es nicht verkehrt, die Kosten für diese Untersuchung selbst zu tragen.

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz

Bild-Copyright © Jarun Ontakrai / shutterstock

LINKTIPP: www.starkgegencmv.de . Betreiber der Homepage ist der Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V.. Prof. Dr. Matthias Meyer-Wittkopf ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats.


[1] The Fetal Medicine Foundation. Webinar Congenital CMV. 13.12.2020.

[2] FOKO 2021 100% digital. 05.03.2021. Meet the Expert: Was gibt es Neues zur CMV-Infektion in der Schwangerschaft? Prof. Dr. med. Matthias Meyer-Wittkopf, Rheine und Prof. Dr. med. Florian Faschingbauer, Erlangen. ICON = Initiative zur Prävention Konnataler Cytomegalieinfektionen.

[3] S3-Leitlinie Diagnostisches und therapeutisches Management der Zytomegalievirus-Infektion bei Schwangeren, Neugeborenen und Kindern. AWMF 093-003. Gesellschaft für Virologie, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und viele andere.