Alles auf Zucker! Der Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)

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Alles auf Zucker! Der Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)

Der Gestationsdiabetes (GDM) ist eine Form des Diabetes mellitus, welche erstmalig während einer Schwangerschaft auftritt. Mit 20% betroffenen Frauen ist er eine der häufigsten Krankheiten während der Schwangerschaft.

Es handelt sich dabei um eine Kohlenhydratstoffwechselstörung bzw. Glukoseintoleranz, die durch das Fehlen oder die verminderte Wirksamkeit von Insulin zustande kommt. Im normalen Verlauf gibt die Bauchspeicheldrüse das Hormon zum Abbau des Blutzuckerspiegels und Bereitstellung des Zuckers für die Zellen in das Blut ab. Liegt ein Mangel dieses Hormons vor, kann der Blutzucker nicht oder nur ungenügend abgebaut werden und der Spiegel bleibt erhöht.

Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen für Gestationsdiabetes, Schwangere mit starkem Übergewicht tragen jedoch ein besonderes Risiko zu erkranken. Auslöser können auch die verschiedenen Schwangerschaftshormone sein. So hemmen beispielsweise Hormone der Plazenta (humanes Plazentalaktogen) die Bildung von Insulin, damit dem Kind mehr Energie zukommen kann. Dadurch, dass aufgrund des fehlenden Insulins der Zucker nicht in die Zellen der Mutter transportiert werden kann, verbleibt er im Blut. Geschieht dies in einem zu hohen Maße, übersteigt der Blutzuckerspiegel einen Grenzwert und es kommt zu einem Gestationsdiabetes. Auch veränderte Organzellen können Schuld an einer nicht ausreichenden Insulinproduktion sein.

Diagnose

Um herauszufinden, ob ein Schwangerschaftsdiabetes vorliegt, gibt es verschiedene Möglichkeiten der Diagnose. Bei allen Schwangeren sollte diese zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche erfolgen, bei Risikopatientinnen gleich nach Bekanntwerden der Schwangerschaft. Als Risikopatientinnen gelten Schwangere mit Übergewicht und Frauen, die während einer vergangenen Schwangerschaft von Gestationsdiabetes betroffen waren.

oGTT

Die wohl genaueste Diagnose erfolgt mittels eines oralen Glukosetoleranztests (oGTT). Dieser besteht aus der Bestimmung der Blutzuckerwerte auf der Basis von drei Blutabnahmen. Die erste erfolgt bei nüchternem Zustand (ab 22h des Vorabends darf nichts mehr zu sich genommen werden). Hiernach trinkt die Patientin eine zuckerhaltige Lösung (75g Glukose) und nach jeweils einer und zwei Stunden erfolgen weitere Blutabnahmen.
Die Grenzwerte für die Diagnose sind wie folgt:

  • Nüchtern (1. Blutabnahme): 92mg/dt (5,1 mmol/l)
  • Nach einer Stunde (2.Blutabnahme): 180 mg/dl (10 mmol/l)
  • Nach zwei Stunden (3. Blutabnahme): 153 mg/dl (8,5 mmol/l)
  • Wird einer dieser Werte erreicht oder überschritten, liegt ein Gestationsdiabetes vor.

Vortest

Ähnlich verläuft der sogenannte Vortest, der von den Krankenkassen übernommen wird. Auch hier trinkt die Schwangere eine Glukoselösung (50g), darf aber im Vergleich zum oGTT zuvor schon gegessen haben. Nach einer Stunde wird dann der Blutzuckerwert gemessen. Liegt dieser bei 140 mg/dt (7,8 mmol/l) erfolgt zusätzlich der orale Glukosetoleranztest.

Glukosurie

Die wohl ungenaueste Bestimmung erfolgt durch die Untersuchung der Zuckerausscheidungen im Urin (Glukosurie). Obwohl nur jede zehnte Schwangere mit Gestationsdiabetes eine Glukosurie aufweist, ist diese Untersuchung in den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehen.

Folgen während der Schwangerschaft

…für die Mutter

Für die Mutter besteht zu jeweils 50% das Risiko bei einer weiteren Schwangerschaft erneut an Gestationsdiabetes zu erkranken und/oder in ihrem späteren Leben ein Typ-2 Diabetes auszubilden (was jedoch leicht durch eine gesunde Ernährung zu verhindern ist). Des Weiteren leiden Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes häufiger unter Harnwegsinfektionen als gesunde Frauen.

…für das Kind

Der Großteil der Auswirkungen betreffen Geburt und Kind. Wie bereits beschrieben, gehen Kohlenhydrate in Form von Blutzucker über Nabelschnur und Plazenta in das Kind über. Erhält dieses den Blutzucker nun in erhöhter Menge, reagiert der Körper des Kindes mit einer erhöhten Insulinproduktion und baut den Zucker als Fett ein. Das Kind wird in Folge dessen größer und dicker (Makrosomie), es wird geradezu mit Blutzucker gemästet. Gleichzeitig produziert das Kind dadurch bedingt vermehrt Urin, wodurch sich die Fruchtwassermenge vergrößert. Dies stellt ein Risiko für eine Frühgeburt dar.

Eine weitere Folge des erhöhten Blutzuckerspiegels ist die gestörte Durchblutung des Mutterkuchens. Um eine ausreichende Sauerstoffversorgung gewährleisten zu können, wird die Menge an Blutfarbstoff erhöht. Die Kinder von Gestationsdiabetekerinnen kommen also mit einer sehr hohen Dosis Blutfarbstoff auf die Welt, wodurch sich das Risiko für eine Gelbsucht (welche durch den Abbau des Blutfarbstoffes zustande kommt) stark erhöht.

Allgemein leiden Kinder von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes sehr häufig unter Anpassungsproblemen nach der Geburt. Eine Unterzuckerung ist das am häufigsten auftretende Problem, daher sollten diese Kinder möglichst bald nach der Geburt gestillt werden. Für das weitere Leben nach der Geburt besteht ein erhöhtes Risiko an Adipositas und Diabetes mellitus zu erkranken.

Durch den großen Körperumfang des Babys wird auch die Geburt schwieriger. Einer HAPO-Studie zufolge besteht ein proportionaler Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsdiabetes und einer operativen Geburt (Kaiserschnitt, operative Eingriffe durch Saugglocke oder Geburtszange, Dammschnitt), welche sowohl für Mutter als auch das Kind ein Risiko darstellt.

Therapie

Da die schwangerschaftsbedingten Hormone nicht verändert werden können und sollten, bezieht sich eine Therapie zunächst auf die Ernährung. Die gute Nachricht dabei lautet: bei 80% der Gestationsdiabetekerinnen reicht bereits eine Ernährungsumstellung aus, um der Glukoseintoleranz entgegen zu wirken. Dafür werden Frauen mit einer positiven Diagnose auf Gestationsdiabetes in eine Diätberatung überwiesen. Nach der Umstellung auf eine gesunde und ausgewogene nimmt die Patientin über einige Tage vor und nach den Mahlzeiten eigenständige Blutzuckermessungen vor. So wird getestet, ob eine Ernährungsumstellung allein bereits ausreichend für eine Therapie ist.

Bei den Messungen sollten folgende Werte nicht überschritten werden:

  • Vor dem Essen: 90 mg/dt (5mmol/l)
  • 1 Stunde nach dem Essen: 140 mg/dt (7,8 mmol/l)
  • 2 Stunden nach dem Essen: 120 mg/dt (6,7 mmol/l)

Kommt es trotz der Ernährungsumstellung zu einem Überschreiten dieser Werte, muss der Patientin zusätzliches Insulin gespritzt werden. Dies ist bei ca. 20% der Gestationsdiabetekerinnen der Fall.

Prävention

Um einen Gestationsdiabetes bzw. eine Ausbildung eines Typ-2 Diabetes mellitus im späteren Leben zu verhindern, sollte die Betroffene ihren Lebensstil ändern. Wichtige Punkte dabei sind:

  • Eine Gewichtsnormalisierung
  • Viel Bewegung/Fitnesstraining, Sport
  • Eine gesunde und ausgewogene Ernährung
  • Vermeidung von einfachen, leicht verdaulichen Kohlenhydraten
  • Stattdessen Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index bevorzugen
  • Zuckerhaltige Getränke durch Wasser oder stark verdünnte Saftschorlen ersetzen
  • Obst und Obstsäfte sollten nicht unterschätzt werden: sie sind relativ hochkalorisch und enthalten –viel (Frucht-) Zucker
  • Nicht rauchen (Bei Schwangeren sollte dies selbstverständlich sein)!