Schwangere Frau am Meer

Blaualgen und Vibrionen – wo können Schwangere noch baden gehen?

Schwangere Frau am Meer

Wo können Schwangere noch baden gehen?

Selbst Badeseen und Meeresstrände, die das ganze Jahr über eine erstklassige Wasserqualität haben, bekommen ab August in langen, heißen Sommern oft Probleme. Blaualgen, Zerkarien, Vibrionen und Enterobakterien, also Darmbakterien von Mensch und Tier, finden sich in dem wochenlang angewärmten Wasser beste Bedingungen, um zu überleben und sich massenhaft zu vermehren. Wie sieht es aus mit dem Baden und Schwimmen in solchen Gewässern? Können die Erreger im Wasser und am Strand zur Gefahr für die Schwangere und ihr Baby werden?

 

Zwei wichtige Regeln gibt es, damit der Strandurlaub keine ungewünschten Folgen hat. Erstens: Badekleidung nach dem Baden sofort wechseln. Und zweitens: Wenn für eine Baderegion eine Warnung ausgesprochen wird, dann besser an Land bleiben.

Grundsätzlich ist das Baden in den „genehmigten“ Badegewässern in Deutschland unbedenklich. Obwohl in erwärmtem Wasser Keime besser überleben als in kaltem Wasser, ist die hygienische Qualität der meisten Badegewässer in Deutschland ausgezeichnet. Laut europäischer Richtlinie (2006/07/EG) bedeutet das, dass in den meisten Badeseen in Deutschland in 100 ml Wasser, etwa einem halben Wasserglas, weniger als 700 Darmkeime gefunden werden, im Seewasser an Nord- und Ostseestränden weniger als 350 Keime pro 100 ml*. Die Keimbelastung wird laufend überprüft. Wenn die Belastung die festgelegten Grenzwerte übersteigt, wird eine Warnung ausgesprochen, weil dann das Risiko steigt, sich beim Verschlucken des Wassers zu infizieren und mit Durchfall und eventuell auch mit Erbrechen zu erkranken.

Durchfälle vermeiden

Solche Warnungen sollten unbedingt ernstgenommen werden. Gerade in der Schwangerschaft sollte bereits bei den ersten Anzeichen von Bedenken, die die örtlichen Behörden aussprechen, nicht mehr in solchen Gewässern gebadet werden, auch wenn es noch so heiß und der Urlaub am Mittelmeer wegen Corona ins Wasser gefallen ist. Durchfälle können in der Schwangerschaft sehr belastend sein und manchmal auch zu einer vorzeitigen Wehentätigkeit führen. Einläufe mit Durchfallmitteln wurden früher sogar eingesetzt, um die Geburt einzuleiten.

Durchfälle stellen auch die größte Gefahr dar, wenn beim Baden zu viele Blaualgen verschluckt werden: Das Wachstum von Blaualgen nimmt besonders im Spätsommer in warmen Süßwasserseen häufig stark zu; erkennbar ist dieser Befall an einer trüben Färbung, an „Bio-Schlieren“ an der Oberfläche und auch an einem leicht muffeligen Geruch des Wassers.

Außerdem setzen Blaualgen Giftstoffe frei, die Hautreizungen und andere Symptome verursachen können. Zur Gefährlichkeit dieser Giftstoffe wird noch geforscht. Sicher ist sicher, deshalb sollten Schwangere nicht unbedingt in einen von einem Blaualgen-Teppich getrübten, leicht muffig riechenden See baden gehen.

Vibrionen sind ungefährlich – fast immer

Was die Warnung vor Vibrionen an vielen Stränden der Ost- und Nordsee angeht, sieht es für Schwangere dagegen unproblematischer aus: Bei einem intakten Immunsystem können diese Keime, in deren Familie auch der Erreger der Cholera gehört, nichts anrichten. Eine erhöhte Gefährdung von Schwangeren ist bisher nicht bekannt. Anders sieht es aus, wenn eine Schwangere Arzneimittel verwendet, die die Immunabwehr schwächen, wie zum Beispiel Corticoide. Da die Vibrionen auch durch kleinste Hautverletzungen eindringen und lebensgefährliche Infektionen auslösen können, empfiehlt es sich für schwangere Frauen mit einer geschwächten Gesundheit und Immunabwehr, an diesen Stränden nicht zu baden und nicht barfuß spazieren zu gehen.

Sich nicht lange im seichten Wasser aufzuhalten und vor allem nicht dort, wo Wasserpflanzen wachsen, das ist auch eine wichtige Empfehlung, um sich nicht mit Zerkarien zu infizieren. Diese winzigen Larven der Saugwürmer bohren sich in die Haut und können sehr unangenehme Entzündungen hervorrufen. Zerkarien befallen eigentlich nur Wasservögel. Wenn man sich von allen Arealen fernhält, in denen Wasservögel Schutz suchen und brüten, am besten nur in offenen, leicht fließenden Gewässern schwimmt und in naturbelassene Badeseen am besten nur vom Steg aus einsteigt, ist schon vieles getan, um die Gefahr abzuwenden.

Infektionen durch die Vagina – keine Gefahr durchs Badewasser, aber….

Frühgeburt nach einer Infektion der Vagina – diese Besorgnis begleitet viele Schwangere und ihre Frauenärztinnen und -ärzte durch die ganze Schwangerschaft. Das Schwimmen selbst ist hier normalerweise keine Gefahr. Denn dass Keime aus den Badegewässern durch die Vagina bis zum Muttermund gelangen und durch die Infektion einen vorzeitigen Blasensprung auslösen können, ist unwahrscheinlich: Die Vagina ist selbst natürlicherweise mit Keimen besiedelt. Die wenigen Bakterien, die eventuell mit dem Badewasser eindringen könnten, haben hier keine Bedeutung.

Auch das Schwimmen im gechlorten Schwimmbecken sei aus infektiologischer Sicht ohne Risiko: Null Darmkeime auf 100 ml Wasser sind die gesetzliche Vorschrift für öffentliche Schwimmbäder. Dieses strenge Ziel wird erreicht durch ständiges Umwälzen, Filtern und Reinigen des Wassers und durch eine leichte Beigabe von Chlor. Die Belastung mit Chlor selbst oder mit dem Gas Trichloramin, das sich bei Verbindung von Chlor mit Harnstoff bildet und für Chlorgeruch verantwortlich ist, ist laut Umweltbundesamt außer für Menschen mit schweren Allergien oder starkem Asthma zwar unangenehm, nicht aber schädlich. Auf die Schwangerschaft wirkt sich das Chlor im Schwimmbadwasser nicht negativ aus. Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, empfahl vor kurzem in einer Pressemitteilung, nach dem Baden kurz mit Bauchpresse zu husten, um das Wasser aus der Vagina zu entfernen.

Denn die größte Gefahr bringt frau zum Baden selbst mit: Harnwegsinfekte und auch die meisten Infektionen der Vagina werden nicht durch eingeschleppte Keime ausgelöst, sondern durch die eigenen Darmbakterien. Nach dem Schwimmen ist durch die Kälte und Nässe die örtliche Immunabwehr herabgesetzt, Keime können leichter in die Harnröhre eindringen. Das erklärt die häufigen, leichten Blasenentzündungen bei Mädchen und Frauen nach dem Baden. Schnell die nasse Kleidung wechseln, den Intimbereich warm halten und vor allem viel trinken hilft, um diese Infektionen zu vermeiden.

*gemessen in Kolonien-bildenden Einheiten (KBE) bzw. colony forming units (cfu) pro 100 ml.

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz

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