Coronavirus und Schwangerschaft – aktuelle Informationen

Update 24.06.2020: Aktualisierung der Hinweise zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung

Update 03.04.2020: Aktualisierung der gesundheitlichen Risiken für Schwangere und Neugeborene sowie möglichen Veränderungen in der Organisation der Schwangerenvorsorge. Neue Inhalte zur Wahl der Geburtsklinik und Beschäftigungsverboten. Fallzahlen nur noch als Verweis auf das Robert Koch-Institut.

Update 23.03.2020: aktualisierte Fallzahlen und neue Sortierung der Inhalte zur besseren Lesbarkeit.

Update 14.03.2020: Neue Inhalte zu fiebersenkenden Mitteln in der Schwangerschaft, Stillen mit Corona und Schwangerenvorsorge bei Infektionsverdacht oder positiven Test auf COVID-19.

Coronavirus – aktuell werden für Schwangere keine erhöhten Risiken für Komplikationen im Verlauf der Schwangerschaft oder der Geburt gesehen

Das Coronavirus breitet sich aus – und macht vielen Angst. Schwangere gelten aufgrund ihres geschwächten Immunsystems als Risikogruppe für Infektionen. Für nicht wenige werdende Mütter wird daher die Sorge um die eigene Gesundheit, und natürlich die des Ungeborenen, zur Zeit zur Belastung.

Daher haben wir Dr. Wolf Kirschner, den wissenschaftlichen Leiter in unserem Institut, unseren Gesundheitsexperten und Epidemiologen, gebeten, das Thema Coronavirus im Hinblick auf die Schwangerschaft zu beleuchten.

Die gute Nachricht zuerst: Auf der Grundlage der aktuell verfügbaren Daten lassen sich für Schwangere keine erhöhten Risiken erkennen.

Bringt das Coronavirus besondere Risiken für Schwangere?

Die bisher vorliegenden epidemiologischen Einschätzungen basierten auf sehr wenigen Fällen. In einer neuen Metanalyse von insgesamt 32 Schwangeren mit Covid-19 zeigten sich folgende Ergebnisse:

  • Nur knapp 10% der Schwangeren zeigten schwere Krankheitsverläufe
  • Die Rate der Totgeburten erscheint nicht erhöht
  • 15 der 32 Frauen (47%) hatten Frühgeburten, wobei es sich aber nicht um spontane Frühgeburten handelte, da 27 Schwangere per Kaiserschnitt entbunden wurden. Die Indikationen zum Kaiserschnitt sind allerdings nicht gut dokumentiert. Vermutet wird, dass Kaiserschnitte vorsorglich durchgeführt wurden, um eine Infektion des Kindes bei einer vaginalen Geburt zu verringern. Eine Infektion mit dem neuen Coronavirus ist auch nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine Indikation für einen Kaiserschnitt.
  • Es wurden bei den Neugeborenen keine Fehlbildungen festgestellt. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Infektionen erst im zweiten und dritten Trimester erfolgten. Fehlbildungen werden nicht selten auch durch Krankheitserreger verursacht, mit denen sich die Schwangere in der frühen Schwangerschaft infizieren.
  • Aus demselben Grund kann auch noch keine Aussage über ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten getroffen werden
  • Bis auf ganz wenige noch unklare Fälle ist weiterhin davon auszugehen, dass ein Risiko einer vertikalen Übertragung von der Mutter auf das Kind im Mutterleib sehr gering ist, bzw. nicht besteht.

Experten empfehlen eine systematische Untersuchung jedes Verdachts auf eine Ansteckung während der Schwangerschaft. Wird eine Infektion mit dem neuen Coronavirus während der Schwangerschaft bestätigt, sollten Mütter und ihre Ungeborenen engmaschig überwacht werden.

Um sich vor einer Infektion zu schützen, gilt für Schwangere das Gleiche wie für die gesamte Bevölkerung. Schwangere sollten sich allerdings gegen die Influenza impfen lassen, damit sie nicht zeitgleich an beiden Infektionen erkranken können, empfiehlt der Berufsverband der Frauenärzte.

Mögliche Veränderungen in der Organisation der Schwangerenvorsorge

Erkundigen Sie sich bei Ihrer Frauenarztpraxis telefonisch nach zeitlichen oder organisatorischen Veränderungen in der Organisation der Schwangerenvorsorge.

Wie läuft die Schwangerenvorsorge ab, wenn ich positiv getestet wurde oder ein Infektionsverdacht besteht?

Informieren Sie Ihre Frauenärztin/Ihren Frauenarzt telefonisch, per Mail oder per Fax über Ihren Zustand. Diese werden Ihnen mitteilen, wie weiter verfahren wird. Dasselbe gilt für die Klinik, die Sie für die Geburt ausgewählt haben.

Wahl der Geburtsklinik – Erhöhte Nachfrage nach außerklinischen Geburten?

Kümmern Sie sich rechtzeitig um die Wahl der passenden Geburtsklinik, denn viele Kreißsäle sind schon jetzt stark ausgelastet. Vielfach wird in den letzten Tagen auch von einer erhöhten Nachfrage nach außerklinischen Geburten in Geburtshäusern und Hausgeburten berichtet. Gründe sind die Angst vor einer Infektion im Krankenhaus, aber auch die vorgenommenen, deutlich eingeschränkten Besuchsregelungen in den Geburtskliniken. „Bevor Sie sich für eine außerklinische Geburt entscheiden, sollten Sie sich allerdings mit einigen Argumenten, die dagegensprechen, auseinandersetzen. Diese kann folgende Nachteile haben:

  • Begrenzte Möglichkeiten einer medikamentösen Schmerzlinderung
  • Zeitverlust bei akuten Komplikationen durch lange Transportwege ins Krankenaus (zum Beispiel bei vorzeitiger Lösung des Mutterkuchens, Abfall der Herzfrequenz des Kindes)
  • Begrenzte technisch-diagnostische Maßnahmen zur Geburtsüberwachung und zur Untersuchung des Kindes
  • Probleme nach der Geburt, wenn etwas »schiefgegangen« ist“

(Quelle: Handbuch BabyCare, 2019)

Können Beschäftigungsverbote wegen Corona ausgesprochen werden?

Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, die betrieblichen Arbeitsbedingungen in Bezug auf mögliche Gefährdungen für eine schwangere oder stillende Frau zu überprüfen. Wenn Sie Ihrem Arbeitgeber die Schwangerschaft gemeldet haben, muss der Arbeitgeber Sie über die erforderlichen Schutzmaßnahmen informieren und Ihnen etwaige Anpassungen der Arbeitsbedingungen anbieten.

Nach dem Mutterschutzgesetz gelten ggf. generelle oder individuelle Beschäftigungsverbote für Schwangere oder stillende Mütter. Diese sind auch in der derzeitigen Epidemie zu berücksichtigen. Weitere Informationen unter: https://www.mags.nrw/sites/default/files/asset/document/20-03-25_arbeitsmedizinische_einschaetzung_coronavirus_nrw.pdf

Können infizierte Mütter stillen?

Alle einschlägigen Fachorganisationen raten infizierten Müttern nicht vom Stillen ab.

Die ACADEMY OF BREASTFEEDING MEDICINE äußert sich wie folgt (Deutsche Übersetzung):„In begrenzten Studien an Frauen mit COVID-19 und einer anderen Coronavirus-Infektion, dem schweren akuten respiratorischen Syndrom (SARS-CoV), wurde das Virus in der Muttermilch nicht nachgewiesen. Wir wissen jedoch nicht, ob Mütter mit COVID-19 das Virus über die Muttermilch übertragen können. Muttermilch schützt vor vielen Krankheiten. Es gibt seltene Ausnahmen, in denen das Stillen oder Füttern von Muttermilch nicht empfohlen wird. Das CDC (Center for Disease Control) hat keine spezifischen Richtlinien für das Stillen während einer Infektion mit ähnlichen Viren wie SARS-CoV oder dem Middle Eastern Respiratory Syndrome (MERS-CoV) sowie beiden Corona-Viren. In einer ähnlichen Situation wie COVID-19 empfiehlt das CDC, dass eine Mutter mit Grippe ihr Kind weiterhin stillt oder mit Muttermilch füttert, während sie Vorsichtsmaßnahmen trifft, um eine Ausbreitung des Virus auf ihr Kind zu vermeiden. Angesichts der geringen Übertragungsraten von Atemwegsviren durch die Muttermilch gibt die Weltgesundheitsorganisation an, dass Mütter mit COVID-19 stillen können.“

Die Muttermilch kann auch abgepumpt werden und dem Neugeborenen durch eine gesunde Person gegeben werden. Bei Abpumpen ist auf Handhygiene zu achten, Gefäße und Pump-Sets sollten nach Gebrauch sterilisiert werden.

Fiebersenkende Mittel in der Schwangerschaft

Nach Daten des RKI weisen Patienten mit einer Corona Infektion am häufigsten:

  • Husten               56%
  • Fieber                39%
  • Schnupfen        32%

auf.

Leichtes und zeitlich begrenztes Fieber, ist für die Schwangerschaft und das Ungeborene in den meisten Fällen unproblematisch. Hohes und andauerndes Fieber (über 39 Grad und 24 Stunden) kann zu einer Überhitzung des Körpers führen und kann für das Ungeborene gefährlich werden und zu Fehlbildungen sowie vorzeitigen Wehen führen. In diesem Fall müssen fiebersenkende Mittel verwendet werden. Dabei sollten die Empfehlungen von Embryotox berücksichtigt werden: „Medikamentös kann dies mit Paracetamol oder (bis Schwangerschaftswoche 28) auch mit Ibuprofen geschehen.“ Von der Verwendung von Acetylsalicylsäure wird abgeraten.

Diese altbewährten Hausmittel können Ihnen helfen, gegen Husten und Schnupfen vorzugehen:

  • heiße Hühnerbrühe
  • Viel trinken!
  • Zwiebelsaft mit braunem Kandis (muss einige Stunden ziehen) – in kleinen Schlucken eingenommen oder als Dampfbad, mit heißem Wasser übergossen, hilft gegen Husten.
  • Inhalation von heißen Dampfbädern verschafft Linderung bei Schnupfen sowie einer verstopften Nase – Versuchen Sie Kochsalzlösung, Kamillenblüten oder ätherische Öle.
  • Nasenspülungen mit Kochsalz oder Meerwasserspray können ebenfalls helfen.
  • Mit Salzwasser gurgeln empfiehlt sich bei Racheninfektionen.
  • Warmer Kartoffelwickel oder kalte Quarkwickel helfen bei Fieber.
  • Bei Kopfschmerzen können Sie Pfefferminz- oder Teebaumöl auf die Schläfen streichen oder ein Taschentuch damit tränken und daran riechen.
  • Ohrenschmerzen können Sie mit einfacher Watte lindern.
  • Die beste Medizin ist aber immer noch viel Schlaf. Tragen Sie dabei am besten warme Kleidung und dicke Socken, damit Sie viel schwitzen. Machen Sie vor dem Zubettgehen einen Spaziergang an der frischen Luft und ein abendliches Fußbad. Lüften Sie vor dem Schlafengehen nochmals das Schlafzimmer gut durch.

Durch das geschwächte Immunsystem in der Schwangerschaft sollte zudem darauf geachtet werden, dass den Infekten vorzeitig entgegengewirkt wird. Achten Sie auf eine gesunde Ernährung, viel Flüssigkeit und eine gute Versorgung mit Vitaminen und Nährstoffen.


Coronavirus – was ist das?

SARS-CoV-2 ist ein im Jahr 2019 neu entdecktes Coronavirus, das zur Gruppe der Betacoronaviren gehört und die Coronavirus-Erkrankung COVID-19 (Corona Virus Disease) auslöst. Das Virus trat Ende 2019 zuerst in Wuhan (China) auf und verbreitete sich in den Folgewochen rasch im asiatischen Raum und nach dem Jahreswechsel auch außerhalb Asiens. Das Robert-Koch-Institut (RKI) stellt aktuelle Informationen zur Ausbreitung bereit.

Übertragungswege

Das Sars-CoV-2-Virus ist nach den bisherigen Erfahrungen hoch ansteckend und wird wie folgt übertragen:

  • Kontaktinfektion [enger körperlicher Kontakt mit Erkrankten]: sicher
  • Tröpfcheninfektion [durch Niesen oder Husten verbreitet]: sicher
  • Schmierinfektion [Berührung kontaminierter Gegenstände]: sicher
  • Aerogene Infektion [z. B. über zirkulierende Luft in Klimaanlagen]: vermutet
  • Fäkal-oraler Übertragungsweg: möglich
  • Vertikale Virusübertragung [von der Mutter auf das ungeborene Kind]: bisher keine Hinweise

Inkubationszeit

Der Zeitraum zwischen der Infektion bis zum Eintreten der ersten Symptome beträgt zwischen zwei und 14 Tagen.

Symptome und Krankheitsverlauf

Unspezifische grippeähnliche Allgemeinsymptome:

  • Fieber
  • trockener Husten und Auswurf
  • Rachenentzündung
  • Nasenentzündung, Nasenlaufen
  • Muskel- und Gliederschmerzen
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Brechreiz, Durchfall)

Bei der Mehrzahl der Fälle (ca. 80 %) sind die Symptome moderat und nehmen nach einigen Tagen wieder ab. Bei älteren Patienten kommt es hingegen nicht selten zu schweren Krankheitsverläufen, die auch tödlich enden können. Derzeit wird von einer Letalität (Sterblichkeit) von 2 % ausgegangen.

Schwere Krankheitsbilder

  • Lungenentzündung
  • Atemnot, Kurzatmigkeit
  • gesteigerte Atemfrequenz
  • Brustschmerzen
  • akute Lungenschädigung

Diagnostik

Der Erreger wird in der Regel mit einem molekularbiologischen PCR-Test nachgewiesen.

Therapie

Eine kausale Therapie existiert nicht. Patienten werden mit fiebersenkenden Mitteln, der antibiotischen Therapie vorliegender bakterieller Zusatzinfektionen und auch ggf. mechanischer Beatmung behandelt. Im Rahmen klinischer Studien werden auch eingesetzt:

Coronavirus: Individueller Schutz vor Ansteckung

  • Gute Händehygiene
  • Husten- und Nies-Etikette
  • Händeschütteln und Umarmungen vermeiden
  • Nicht mit den Händen ins Gesicht fassen
  • Fahrstuhlknöpfe, Türklinken, Toilettenspülungstasten etc. möglichst nicht mit der Hand, sondern mit Arm / Ellbogen oder mit einem Papiertaschentuch berühren
  • Menschenansammlungen soweit wie möglich meiden
  • Abstandhalten zu Erkrankten
  • Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung als textile Barriere in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum
  • Eine Impfmöglichkeit wird erst in 2021/22 erwartet

Bevölkerungsbezogene Schutzmaßnahmen

Diese sollen die Ausbreitung der Krankheit möglichst verringern oder verlangsamen. Gesetzliche Grundlage für derartige Maßnahmen ist das Infektionsschutzgesetz (IFSG).

Stand: 24.06.2020

Autor: Dr. Wolf Kirschner

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