Schwangere mit Maske als Schutz vor Covid-19

Covid-19 und Schwangerschaft – auf jeden Fall besser mit Maske und Abstand

Schwangere mit Maske als Schutz vor Covid-19

Schwangere besser mit Vorsicht: Maske tragen, Abstand halten & Hände waschen.

Um das Wichtigste voran zu stellen: Unbedingt sollten Frauen, die ein Baby erwarten, auch weiterhin alles tun, um sich nicht mit SARS-CoV-2 zu infizieren – Abstand halten, Mund-Nase-Bedeckung tragen, Hände waschen. Es ist ein bisschen wie mit dem Alkohol. Lieber jetzt auf Nummer Sicher gehen und einmal mehr nein sagen und dafür später gesund bleiben. Nur dass es dieses Mal weniger um das Baby geht, sondern mehr um die Schwangere selbst. Denn die Infektion scheint in der Schwangerschaft doch nicht immer so harmlos zu verlaufen, wie man in den ersten Monaten seit der Beobachtung des Infektionsgeschehens gedacht hat.

Anfangs hieß es, dass Schwangere, die sich mit dem neuen Coronavirus infizieren, kein erhöhtes Risiko haben, schwer zu erkranken, dass sie sich überhaupt vielleicht seltener anstecken würden. Die ersten Publikationen aus China über infizierte Schwangere ließen eine solche Vermutung zu. Man dachte dann, dass das Immunsystem, das in der Schwangerschaft oft schwächer auf Krankheitserreger reagiert, auch die neue Corona-Infektion sanfter verlaufen lässt. Das war vermutlich ein Irrtum. Diese Einschätzung scheint sich zu ändern. Aus den USA, in denen inzwischen über 12.000 Corona-infizierte Schwangere medizinisch betreut wurden, gab es vor einigen Tagen ganz andere Zahlen.

Neue Zahlen aus den USA

Erstmals Ende Juni veröffentlichten die „Centers for Disease Control and Prevention“, das Gegenstück zum deutschen Robert-Koch-Institut, Auswertungen zu Schwangerschaft und Covid-19. Darin berichtet das Institut: „Vom 22. Januar bis zum 7. Juni erhielten die CDC Berichte von 326.335 Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren mit positiven Testergebnissen für SARS-CoV-2. Bei 91.412 (28%) wurde mitgeteilt, ob sie schwanger waren oder nicht. 9% dieser Frauen, also 8207 Frauen waren schwanger. Schwangere und nichtschwangere Frauen hatten mit gleicher Häufigkeit Husten (über 50%) und Kurzatmigkeit (30%). Schwangere Frauen berichteten seltener über Kopf- und Muskelschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Durchfall. Zusätzliche Erkrankungen wie chronische Lungenkrankheiten, Diabetes und Herzkrankheiten waren bei den schwangeren Frauen häufiger als bei den nicht schwangeren. Von den schwangeren Frauen mussten 31,5%, also fast jede dritte Frau, in die Klinik eingewiesen werden, aber nur 5,8%, also jede 20. unter den Frauen ohne Schwangerschaft.“ 120 Schwangere – 1,5% – mussten auf die Intensivstation verlegt werden, 42 mussten künstlich beatmet werden. Das ist um 70% häufiger als bei nicht-schwangeren Frauen. Todesfälle waren aber in beiden Gruppen sehr selten, hier waren Schwangere nicht stärker gefährdet als nicht schwangere Frauen.

Aber was bedeutet „sehr selten“? Die Studie führt aus: Unter den 8207 schwangeren Frauen verstarben 16, unter den 83.205 infizierten Frauen ohne Schwangerschaft im Alter von 15 bis 44 Jahren verstarben 208. In beiden Fällen sind das 0,2%, also eine von 500 infizierten Frauen. Einerseits ist das „sehr selten“, vom statistischen Standpunkt aus. Andererseits ist das sehr viel. Alle diese Frauen wären wohl ohne die Infektion noch am Leben.

Kaiserschnitt ist manchmal besser für Mutter und Kind

Wenn die Mutter stark erkrank ist, von schwerem Sauerstoffmangel bedroht ist und auf die Intensivstation aufgenommen werden muss, entscheiden sich die Geburtshelferinnen und -helfer oft, die Schwangerschaft per Kaiserschnitt zu beenden. Denn die Schwangerschaft stellt für den Organismus der Mutter eine sehr große Belastung dar. Es ist dann häufig, dass der Körper sich gegen die Schwangerschaft entscheidet, dass Wehen beginnen und die Geburt einsetzt. Das könnte bei einer Frau, die bereits wegen ihrer schweren Lungenentzündung beatmet wird, eine lebensgefährliche Anstrengung werden.

Es ist dann besser, das Kind als ein gesundes Frühgeborenes mit einem Kaiserschnitt zu holen und auf der Frühchenstation mit allem zu versorgen, was es braucht. Und die Mutter kann ohne die Schwangerschaft alle Kraft für ihre eigene Genesung einsetzen.

Die Plazenta macht dicht

Bis zur Geburt macht die Plazenta übrigens dicht für das Virus. In zigtausend Schwangerschaften von Corona-infizierten Frauen weltweit wurde bisher ein einziges Mal das Virus in der Plazenta nachgewiesen, bei einer Schwangeren, die außerordentlich schwer erkrankt war. Es wurde auch trotz sehr vieler Untersuchungen auch bisher nur in einem einzigen Fall festgestellt, dass sich ein Neugeborenes ganz offensichtlich schon während der Schwangerschaft angesteckt hatte. Etwas häufiger wurden Infektionen bei Neugeborenen wenige Tage nach der Geburt festgestellt; man nimmt in diesen Fällen an, dass die Ansteckung durch die Mutter, den Vater oder irgendjemanden im Kreißsaal während oder kurz nach der Geburt passiert ist.

In den allermeisten Fällen ging es den Babys von Anfang an sehr gut, und sie konnten die Klinik bald verlassen. Ein einziger Bericht aus den USA wurde vor kurzem bekannt, in dem ein Neugeborenes an dieser Infektion verstorben ist. Gefährlich für das Baby ist also vermutlich nicht so sehr die Infektion nach der Geburt, sondern vor allem eine schwere Erkrankung der Mama während der Schwangerschaft, die zu einer Frühgeburt führt beziehungsweise dazu, dass die Schwangerschaft viel zu früh mit einem Kaiserschnitt beendet werden muss.

Aus all diesen Gründen gilt in der Schwangerschaft weiterhin maximale Vorsicht: Maske tragen, Abstand, Hände waschen. Sich mit Freunden, Bekannten und Verwandten am besten nur im Freien treffen UND mit Abstand, nach jedem Einkauf, jeder Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Hause sehr gründlich die Hände waschen, natürlich auch die Maske regelmäßig wechseln, damit sich darin nicht ganz andere Keime ansammeln wie etwa Schimmelpilze. Sportlich zu sein und kein Übergewicht zu haben verringert das Risiko, schwer zu erkranken. Das gilt natürlich auch für die Schwangerschaft.

Auch die Covid-19-App des Robert-Koch-Instituts sollte natürlich auf dem Handy installiert sein und Achtung, Bluetooth-Funktion einstellen, wenn man Gäste hat oder nach draußen geht und Kontakt zu anderen Menschen hat.

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz

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