CBD-Öl-Flasche vor Cannabis-Pflanze

Entspannt mit CBD-Öl – das braucht der Embryo nicht

CBD-Öl-Flasche vor Cannabis-Pflanze
CBD-Öl sollte in der Schwangerschaft nicht verwendet werden

CBD-Öl bekommt man in fast jedem Drogeriemarkt, in vielen Apotheken und natürlich online. CBD-Öl soll entspannen, ein paar Tropfen unter die Zunge sollen beim Einschlafen helfen, das Wohlgefühl steigern. CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol. Gewonnen wird es aus der Hanfpflanze, dem Cannabis. CBD wird als das harmlose Geschwister von THC gelabelt, dem Tetrahydrocannabinol. Von THC ist klar, dass es derjenige Bestandteil des Hanf ist, der am stärksten für den typischen Cannabis-Rausch verantwortlich ist. THC wird deshalb als „psychotrop“ oder „psychoaktiv“ bezeichnet. Es kann als Arzneimittel verschrieben werden und fällt dann unter das Betäubungsmittelgesetz, mit dem sehr streng reguliert und protokolliert wird, wer wem aus welchem Grund, in welcher Dosis und wie häufig welches Betäubungsmittel verordnet oder in der Apotheke aushändigt. Auch CBD gibt es Arzneimittel gegen schwerste Formen von Epilepsie-Erkrankungen, um ein Hundertfaches höher dosiert als es die Tropfen aus dem Drogeriemarkt sind.

Um ein Haar illegal

Die Hersteller von CBD-Ölen im Wellness-Bereich kämpfen seit Jahren auf vielen Ebenen dafür, dass CBD nicht psychoaktiv sei, nicht psychotrop, dass es lediglich nice sei für das Wohlbefinden. Ein bisschen mehr Entspannung tagsüber, ein bisschen besser einschlafen, ein bisschen schönere Gefühle, gut gegen Übelkeit und vielleicht auch gegen Menstruationsschmerzen, ein bisschen der Aufreger, mit etwas erlaubterweise herumzuspielen, was um ein Haar illegal sein könnte. CBD soll nicht abhängig machen, es verändert die Wahrnehmung nicht, es macht nicht high. Wie gesagt, die kleine Schwester der vollen Dröhnung, und erfreulicherweise macht es auch keinen unstillbaren Schokoladenhunger, wenn der Rausch abklingt.

CBD wirkt im Gehirn – aber das dürfte es nicht

Sicher ist, Cannabidiol setzt an vielen Rezeptoren des Gehirns und im Körper an. Manche Rezeptoren regt es an, andere blockt es. Bei weitem nicht alles ist erforscht. Die gesetzliche Regulierung ist ziemlich unübersichtlich und chaotisch. Die einen sagen, CBD-Öl gehöre eigentlich verboten, und ohnehin sei in CBD-Produkten meist auch THC enthalten. Andere halten CBD-Öle und -Tropfen für Nahrungsmittel, die keiner Zulassung bedürfen. Ziemlich deutlich wird dieses Durcheinander beim Wikipedia-Eintrag zu Cannabidiol.

Was allerdings CBD-Öl in der Schwangerschaft angeht, da sind sich alle Behörden und auch die deutschsprachigen Portale der CBD-Hersteller einig: CBD ist ebenso wie THC plazentagängig. Das bedeutet, dass es die Schranke zum Baby ungehindert durchschreitet und auf den Embryo einwirken kann. CBD-Öl sollte in der Schwangerschaft nicht verwendet werden. Und das ist keine der üblichen Bevormundungen von Leuten, die Schwangeren gern sowieso alles verbieten wollen. Der Embryo hat Hilfsmittel für seine Wellness, zum Einschlafen und Entspannen nicht nötig, und erst recht nicht, wenn sie in der Lage sind, sich auf der Oberfläche seiner Gehirnzellen anzulagern und die Aktivitäten und die Entwicklung dieser Gehirnzellen zu verändern, zu verstärken oder zu hemmen.

In den USA eine absolut starke Warnung

In 15 Bundesstaaten der USA ist Cannabis inzwischen für Personen über 21 Jahre legal und deshalb als Droge viel verbreiteter als in Deutschland, und das gilt auch für die Verwendung von CBD. Die amerikanische Behörde zur Arzneimittel- und Lebensmittel-Überwachung, die mächtige Food and Drug Administration (FDA), warnt jedoch absolut strikt davor, in der Schwangerschaft Cannabis in irgendeiner Form zu verwenden, und sie warnt ebenso vor CBD: „Derzeit gibt es keinen umfassenden Forschungsstand zu den Effekten von CBD auf den sich entwickelnden Fetus, die schwangere Mutter oder das gestillte Babys. Die FDA sichtet permanent die Datenlage zu den möglichen schädlichen Einflüssen von CBD in Schwangerschaft und Stillzeit. Auf der Basis des jetzigen Wissens gibt es jedenfalls ernsthaften Grund zu Besorgnis.“

Wellness-Produkt unter Betäubungsmittelgesetz

In Deutschland gibt es keine so eindeutigen Warnungen. Hier wurde zwar vor drei Jahren am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte die „Cannabisagentur“ installiert, die sich um die Regulierung von Cannabis-Produkten zu medizinischen Zwecken kümmert. CBD-Öl kommt aber bewusst nicht als Arzneimittel daher, sondern als Kosmetikum oder Nahrungsergänzungsmittel oder gar als Lebensmittel und fliegt damit weitgehend unter dem Radar. Allerdings wurden in Proben der Lebensmittelüberwachung bei der Hälfte der geprüften CBD-Produkte überhöhte Werte von THC gefunden, und eigentlich würde es sich damit um Arzneimittel handeln, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Eigentlich. Sie sind weiter erhältlich, bisher völlig unzureichend reguliert. Und wenn sie tatsächlich gegen Angstzustände, Depressivität, Schlafstörungen, Schmerzen und Migräne wirken, dann handelt es sich nicht um Wellnessprodukte, sondern um nicht zugelassene, ungeprüfte Arzneimittel.

Völlig unkontrollierte Wirkung aufs ungeborene Baby

Eigentlich sollte die Lage also klar sein. Finger weg. Die Hersteller von Cannabis-haltigen Arzneimitteln und von CBD-Produkten sind deshalb auch sehr sehr zurückhaltend mit ihren Werbeaussagen. Sie lassen lieber Journalistinnen, Bloggerinnen, Influencerinnen aufregende Erlebnisberichte schreiben. Das große Eltern-Portal Parents in den USA überschreibt einen Bericht CBD Oil for Pregnancy – how Moms Are Using it – „CBD-Öl in der Schwangerschaft – wie es Mütter verwenden“. Ja wenn andere Schwangere das machen, dann kann das ja nicht falsch sein? Und auch wenn man in Deutschland von den „offiziellen“ Portalen weggeht und Google einfach mal fragt „Schwanger CBD Erfahrungen“, dann kommt man zu Portalen wie „traumtropfen.me“, und dort wird dann auch gleich in eine geschlossene Facebook-Gruppe zum Austausch mit Gleichgesinnten eingeladen.

Definitiv Finger weg. Entweder CBD-Öl ist ein Nahrungsmittel. Dann darf es satt machen, aber sonst nichts. Oder es wirkt aufs Gehirn, auf die Stimmung, den Schlaf, auf Übelkeit und Schmerzen. Dann ist es ein Arzneimittel, und dann wirkt es auch aufs Baby. Völlig unkontrolliert. Wer sein Obst wäscht, um seinem Baby keine unnötigen Schadstoffe zuzuführen, der sollte das CBD-Öl in den Restmüll werfen. Denn bis Schwangerschaft und Stillzeit vorbei sind, ist die Haltbarkeit längst abgelaufen.

Autorin: Dr. Susanna Kramarz

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