Immer wieder Fehlgeburten – was kann dagegen unternommen werden?

Drei Fehlgeburten nacheinander – da sollte nach den Ursachen gefahndet werden. Häufig klappt’s dann beim nächsten Mal.

Holzsteg auf Sylt im Herbst mit Strandblick, blauem Himmel und Schleierwolken

Welche Ursachen haben wiederholte Fehlgeburten?

Eine Schwangerschaft zu verlieren, das passiert relativ häufig, vor allem in den ersten zwölf Wochen. Es wird geschätzt, dass bis zu 40% aller begonnenen Schwangerschaften sich nur kurze Zeit entwickeln und dass die weitere Entwicklung dann vom Körper gestoppt wird, weil irgendetwas ganz Grundlegendes bei den frühen Zellteilungen und der Einnistung in die Gebärmutter nicht gestimmt hat. Von den Schwangerschaften, die das erste Quartal überstehen, enden dann nur noch etwa 5 Prozent vor der 24. Woche in einer Fehlgeburt. Und noch viel weniger Frauen erleben eine Fehlgeburt zwei- oder dreimal nacheinander.

Von einem „wiederholten Spontanabort“ sprechen die WHO und die in Deutschland gültige Leitlinie nach drei und mehr Fehlgeburten, die Europäische Fachgesellschaft für Kinderwunschmedizin und Embryologie[1] schon nach zwei Fehlgeburten. Klar ist: Je jünger eine Frau ist, umso seltener sind Fehlgeburten. Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe im Oktober 2020 in München berichtete Prof. Dr. med. Nina Rogenhofer aus München, welche Ursachen wiederholte Fehlgeburten haben können, welche Methoden helfen können, diese Ursachen zu erkennen, und welche Möglichkeiten es gibt, letztlich doch zu einer stabilen Schwangerschaft und zu einem gesunden Kind zu kommen.

Auch wenn es langweilig wird, kommt es in diesem Blogbeitrag mal wieder an erster Stelle: Rauchen, sehr viel Kaffee, Stress, Über- und Untergewicht sind die Hauptverdächtigen für wiederholte Fehlgeburten. Frauen, die bereits eine oder zwei Schwangerschaften verloren haben, sollten unbedingt schon vor dem Eintritt der nächsten Schwangerschaft entgiften, das Körpergewicht korrigieren und wenigstens einige der Stress-Quellen beseitigen.

Als wichtiges Problem kommt ein Alter über 35 Jahre hinzu. Über eine Million Schwangerschaften und Geburten aus dem dänischen Bevölkerungsregister wurden vor einigen Jahren ausgewertet, und es wurde untersucht, in welchem Alter Frauen waren, die bereits eine, zwei, drei oder mehr Fehlgeburten hatten. Dabei stellte sich heraus, dass Frauen bis zum 34. Lebensjahr, die bereits einen Abort erlebt hatten, mit einer Wahrscheinlichkeit von 15-18% einen zweiten Abort erleben würden. Waren die Frauen über 40 Jahre, stieg diese Wahrscheinlichkeit auf 40%. Bei Frauen, die in diesem Alter schon drei Fehlgeburten nacheinander erlebt hatten, würde mit einer Wahrscheinlichkeit von 60-65% auch die nächste Schwangerschaft in einem Abort enden.

Tabelle: Risiko für eine wiederholte Fehlgeburt. (Quelle: Leitlinie der DGGG „Wiederholter Spontanabort“, Stand Dez. 2018)

 

Die Hauptursache für frühe Fehlgeburten bei höherem Alter sind Störungen in den Chromosomen von Eizelle und Spermium und in der frühen Zellteilung des entstehenden Embryos, aber auch die Tatsache, dass die Schleimhaut der Gebärmutter in diesem Alter oft nicht mehr schnell genug optimale Bedingungen herstellen kann, damit sich das befruchtete Ei erfolgreich einnisten kann. Bei Fehlgeburten in den späteren Schwangerschaftsmonaten liegen andere Mechanismen zu Grunde – siehe oben.

Rauchen als Ursache für Fehlgeburten wird allgemein unterschätzt. Eine Studie in Kalifornien fand kürzlich heraus, dass die Gefahr für eine Fehlgeburt mit jeder Zigarette, die täglich geraucht wird, um 1 Prozent steigt. Liegt also das normale Fehlgeburtenrisiko für eine Frau mit 25 Jahren bei etwa 2%, so steigt es durch das Rauchen von 10 Zigaretten täglich auf 12%, also auf das Sechsfache[2].

Sind Rauchen, höheres Alter, Stress, Über- und Untergewicht als Ursachen für die Fehlgeburt ausgeschlossen, gibt es eine Reihe weiterer Möglichkeiten:

  1. Eine Störung des hormonellen Systems
  2. Eine Störung der Schilddrüsen-Funktion
  3. Eine Störung und Aktivierung der Blutgerinnung
  4. Eine Störung im Immunsystem,
  5. Einen Mangel an Spurenelementen, vor allem an Jod und Fluorid,
  6. Gehäufte Infektionen von Vagina und Gebärmutter,
  7. Fehlbildungen der Gebärmutter.

Störung des hormonellen Systems

Bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten sollte untersucht werden, ob Zysten in den Eierstöcken vorliegen, eine Störung des Zuckerstoffwechsels oder zu viele männliche Hormone. Diese Veränderungen, die für ein PCOS[3] sprechen, können meistens medizinisch erfolgreich behandelt werden. Um eine Korrektur des Übergewichts gibt hier es allerdings keinen Umweg.

Störung der Schilddrüsen-Funktion

Unbedingt sollten die Schilddrüsenhormone bestimmt werden und auch Antikörper gegen die Schilddrüse. Sowohl eine Unter- oder Überfunktion wie auch eine Autoimmunkrankheit, die die Tätigkeit der Schilddrüse beeinträchtigt, können zu Fehlgeburten führen. Und umgekehrt kann die medizinische Behandlung die Ursachen für die Fehlgeburten beseitigen und die Chance auf eine geglückte Schwangerschaft ganz erheblich erhöhen.

Störung und Aktivierung der Blutgerinnung

Manchmal kommt es im Lauf der Schwangerschaft zu einer verstärkten Blutgerinnung. Eine solche Veränderung kann durch die Messung von Laborwerten nachgewiesen werden. Niedrig dosiertes ASS von Anfang an und die ganze Schwangerschaft hindurch hilft sehr, das Risiko für Fehlgeburten zu verringern, die durch diese Störung ausgelöst werden.

Störung im Immunsystem

Wie häufig eine überschießende Reaktion des Immunsystems die Ursache für wiederholte Fehlgeburten ist, das ist wissenschaftlich nicht geklärt. Nachgewiesen ist jedenfalls, dass es zu einer Autoimmunreaktion in der Plazenta kommen kann, und damit zu einer gestörten Ausbildung von Blutgefäßen in der Plazenta. Eine solche Autoimmun-Reaktion kann durch die Messung von Laborwerten nachgewiesen werden. Wichtig ist in diesen Fällen, mit ASS die Durchblutung in der Plazenta sicherzustellen und eine überschießende Blutgerinnung zu hemmen. Medikamente, die in die Autoimmunreaktion eingreifen oder das Immunsystem verändern, sollten nur innerhalb von wissenschaftlichen Studien angewendet werden.

Einen Mangel an Spurenelementen, vor allem an Jod und Folsäure

Jodmangel ist in Deutschland verbreitet. Und auch die Versorgung mit Folsäure durch die Ernährung ist oft nicht optimal. Beide Spurenelemente sind lebenswichtig für die Entwicklung des Embryos, und beide sind als Supplemente in der Apotheke erhältlich oder als Zusatz im Küchensalz enthalten. Wenn nicht schon vor der ersten Schwangerschaft alles getan war, um einen Mangel zu verhindern, dann sollte das spätestens nach der ersten Fehlgeburt überprüft werden.

Infektionen

Infektionen der Vagina sind eine häufige Ursache von Fehl- und Frühgeburten. Deshalb wird routinemäßig mehrfach in jeder Schwangerschaft nach Blaseninfektionen gefahndet, und es wird der Säuregehalt in der Vagina gemessen, der anzeigt, ob genügend „gesunde“ Bakterien in der Vagina vorhanden sind, die mögliche krankmachende Keime bekämpfen können. Nach wiederholten Fehlgeburten sollte unbedingt intensiv gesucht werden, ob sich eventuell Keime in der Gebärmutter befinden könnten, ob der Gebärmuttermund wirklich fest genug schließt, und die Suche nach Krankheitserregern während der Schwangerschaft sollte besonders sorgfältig durchgeführt werden. Das betrifft nicht nur den Intimbereich. Auch eine unbehandelte Parodontitis kann das Risiko für eine Fehlgeburt erhöhen.

Veränderungen in der Gebärmutter

In sehr seltenen Fällen liegt eine anatomische Veränderung in der Gebärmutter vor, die durch den normalen Ultraschall nicht entdeckt werden kann. Nach wiederholten Fehlgeburten wird deshalb häufig eine 3D-Ultraschall-Untersuchung der Gebärmutter durchgeführt, um solche Veränderungen zu entdecken.

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz

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Quellen:

[1] ESHRE = European Society of Human Reproduction and Embryology

[2] Am J Epidemiol. 2014 Apr 1; 179(7): 807–823.

Published online 2014 Feb 10. doi: 10.1093/aje/kwt334

Systematic Review and Meta-Analysis of Miscarriage and Maternal Exposure to Tobacco Smoke During Pregnancy

Beth L. Pineles, Edward Park, and Jonathan M. Samet*

[3] PCOS= Poly-Zystisches Ovarsyndrom