„In-Getränk“ Muttermilch

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„In-Getränk“ Muttermilch

In China gibt es bereits seit längerem Agenturen, die sich auf die Vermittlung von Ammen und den Verkauf abgepumpter Muttermilch spezialisiert haben. In China stillen überhaupt nur sehr wenige Mütter und selbst wenn, dann nur für kurze Zeit. UNICEF sieht die Ursache dafür in dem kurzen Mutterschutzzeitraum und der aggressiven Werbung für Ersatzmilch. Auch Kranke, denen die Milch helfen soll (so sagt man zumindest in einigen Teilen Chinas), können sie über diese Agenturen beziehen. In Anbetracht dieser Tatsache erscheint das Angebot der Agenturen also zunächst als eine gute und sinnvolle Geschäftsidee.

Erwachsene an der Milchbar

Jetzt sind aber auch die Erwachsenen auf den Geschmack der Muttermilch gekommen – in der chinesischen High Society erfreut sie sich als DAS neue Modegetränk großer Beliebtheit. Dabei kann gewählt werden, ob man die Muttermilch wie Champagner aus dem Glas schlürfen oder direkt  aus der Quelle, also der Brust, trinken möchte.

Der Chef der auf den Handel mit Muttermilch spezialisierten Agentur Xinxinyuv, Lin Jung, erklärt dieses Konzept: „Unsere erwachsenen Kunden können die Milch direkt aus der Brust erhalten oder sie abpumpen lassen, sollten sie sich zu sehr genieren.“

Ein Dienst, der sich lohnt

Die Folgen dieser Trendwelle sind, wie so oft, rasante Preisanstiege des Produkts Muttermilch. So verdienen die Ammen mit ihrer Milch im Monat um die 2000 €, was dem Vierfachen des chinesischen Durchschnittsleinkommens entspricht. Gesunde und hübsche Ammen können sogar noch mehr verlangen. Das bringt natürlich jene, die eigentlich auf die Muttermilch angewiesen sind (wie Eltern der Babys und in Teilen auch die oben genannten Kranken), in eine finanzielle Bredouille. Gleichzeitig besteht die Vermutung, dass viele Ammen weniger aufgrund eigener Überzeugung, als vielmehr wegen des lockenden Geldes ihre Dienste anbieten oder womöglich sogar dazu gezwungen werden.

Prostitution und Pornografie?

Diese Kritik äußern auch Medien und Internet, indem sie den Agenturen Prostitution und verdeckte Pornografie vorwerfen. So schrieb der Blogger und Schriftsteller Cao Baoyin, dass das Angebot der Agentur für Erwachsene, ebenfalls Muttermilch (abgepumpt oder sogar direkt von der Brust) erwerben zu können, einmal mehr den moralischen Verfall der Reichen in China zeige. Des Weiteren unterstreiche es das gesellschaftliche Problem, Frauen wie Konsumgüter zu behandeln.

Nun teilten die Kontrollbehörden der Stadt Shenzen, wo die Agentur Xinxinyuv ihren Sitz hat, mit, dass dieser die Lizenz entzogen worden sei. Begründet wurde dies jedoch nicht durch das Angebot der Ammen-Dienste für Erwachsene, sondern vielmehr mit verschiedenen Lizenz-Verletzungen durch die Agentur.