Im Krankenhaus unterzieht sich eine Patientin einem Mammographie-Screening-Verfahren zur Brustkrebs-Prävention.

Schwanger und dann noch Krebs – früh behandeln ist die beste Lösung

Im Krankenhaus unterzieht sich eine Patientin einem Mammographie-Screening-Verfahren zur Brustkrebs-Prävention.

Brustkrebs kann ohne Schaden für das Baby diagnostiziert werden.

Krebskrankheiten werden in der Schwangerschaft oftmals erst in einem späten Stadium entdeckt. Der Knoten in der Brust, die übergroße Müdigkeit, der merkwürdig wachsende Muttermal, auch in der Schwangerschaft gilt es, das sofort abklären zu lassen. Denn die gute Nachricht ist: Krebsoperationen sind auch während der Schwangerschaft möglich; viele moderne Chemotherapien schaden dem Baby nicht, vor allem dann, wenn sie erst ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel durchgeführt werden. Und wenn der Krebs frühzeitig entfernt wird, ist auch die Gefahr kleiner, dass es schon zu Metastasen, zu Ablagerungen von Krebszellen in Lymphknoten und in anderen Organen gekommen ist.

Während der Schwangerschaft an Krebs zu erkranken, das ist nicht so selten. Man schätzt, dass etwa 3% aller Brustkrebserkrankungen in Deutschland während der Schwangerschaft auftreten. Neben Brustkrebs sind Hautkrebs, Krebs der Blutzellen und Krebs am Gebärmutterhals die häufigsten Krebsarten. Bleibt die Krankheit unbehandelt, so wird gerade in der Schwangerschaft häufiger beobachtet, dass sie schnell und bösartig fortschreitet. Deswegen ist es immer die richtige Entscheidung, sich mit ungewöhnlichen Veränderungen, die vielleicht Sorge bereiten, gleich bei der Frauenärztin und auch bei anderen Fachärzten vorzustellen.

Röntgendiagnostik ist möglich

Bei vielen Tumorarten wie etwa beim Brustkrebs gehören in die Routine der Diagnostik Röntgenaufnahmen. Wenn der Bauch sorgfältig abgeschirmt wird, sind solche Untersuchungen – zum Beispiel die Mammographie bei der Diagnostik des Brustkrebs – ohne Schaden für das Baby möglich. Wenn möglich, werden allerdings Methoden verwendet, die ganz ohne ionisierende Strahlung auskommen, wie etwa ein Ultraschall.

Operationen – nur Mut

Einen Brustkrebs oder Hautkrebs mit einer Operation zu entfernen, das ist während der Schwangerschaft praktisch immer möglich. Es gibt heute vielfältige Erfahrungen auch mit größeren Operationen und langen Narkosen in der Schwangerschaft, bei denen weder die Mutter noch das Kind irgendeinen Schaden nehmen. Ein Krebs des Gebärmuttermundes muss häufig eigentlich auch mit einer Operation entfernt werden; aber eine Operation an der Gebärmutter ist während der Schwangerschaft nicht möglich. Diese Erkrankung wächst aber meistens sehr langsam, so dass abgewartet werden kann, bis das Baby reif genug ist.

Chemotherapie – und trotzdem ein gesundes Kind

Die Zellen in einem Krebs teilen sich besonders schnell und breiten sich besonders hemmungslos durch das gesunde Nachbargewebe aus. Das macht sie so bösartig. Eine klassische Chemotherapie wirkt deshalb, indem sie Gewebe angreift, das sich schnell teilt. Das trifft aber auch auf das ungeborene Baby zu. Deshalb sind einige Krebs-Arzneimittel ganz ungeeignet in der Schwangerschaft. Andere dagegen sind problemlos, und zwar deshalb, weil sie nicht durch die Plazenta gelangen und deshalb das Kind gar nicht erreichen können. Viele moderne medikamentöse Behandlungsformen richten sich auch ganz gezielt gegen bestimmte Eigenschaften der Krebszellen und greifen andere Gewebe nicht an. Andere Arzneimittel, die bei Krebs sehr bewährt sind, verlangsamen die Zellteilung, schädigen aber das Baby nicht. Auf solche Arzneimittel wird in aller Regel zurückgegriffen, wenn ein Krebs bei einer schwangeren Frau mit Medikamenten behandelt werden muss.

Wird der Krebs in den ersten Schwangerschaftswochen entdeckt, dann steht die Entscheidung an, ob man vielleicht mit den Arzneimitteln abwarten kann, bis das erste Drittel der Schwangerschaft vorüber ist. Denn dann sind alle Sinnesorgane und alle Organe des Babys so weit fertig angelegt, dass viele Chemotherapeutika keine grundlegenden Schäden mehr anrichten können. Dass sie das Zellwachstum trotzdem hemmen können, das erkennt man daran, dass Babys aus diesen Schwangerschaften manchmal etwas kleiner sind als andere Babys. Aber sie sind völlig gesund, und es sind auch keine Spätschäden zu befürchten.

Manche Bestrahlungen sind auch in der Schwangerschaft möglich

Die klassische Regel gilt nach wie vor: Behandlungen mit ionisierenden Strahlen sollten in der Schwangerschaft in aller Regel vermieden werden, auch dann, wenn sie lokal beschränkt sind. Denn selbst dann, wenn das Baby dabei durch dicke Bleiplatten abgeschirmt wird, besteht ein Risiko, dass es Fehlbildungen und genetische Schäden davonträgt. Allerdings gibt es Ausnahmen: Wenn zum Beispiel sehr früh in der Schwangerschaft eigentlich eine Bestrahlung bei einem Brustkrebs sinnvoll wäre, dann kann das ungeborene Baby weitgehend vor den Strahlen geschützt werden. Je mehr das Baby wächst, umso schlechter kann es vor den Auswirkungen der Bestrahlung geschützt werden. Deshalb wird man heute mit einer Bestrahlung bis nach der Geburt warten.

Aber es gibt heute auch andere Formen von Bestrahlungen, die ohne Risiken für das Baby angewendet werden können, je nachdem, ob der jeweilige Tumor dafür geeignet ist. Dazu gehört der hochfokussierte Ultraschall, der ganz gezielt im Tumorgewebe Hitze erzeugt und dabei hilft, den Tumor zu verkleinern. Dazu gehören auch Licht- oder UV-Behandlung bei Hautkrebs in spezialisierten Hautkliniken. Eine UV-Bestrahlung des Blutes, die manchmal von Heilpraktikern angeboten wird, um angeblich die Abwehrkraft des Körpers zu stärken, fällt auf jeden Fall nicht unter die sinnvollen Krebstherapien.

Ein Kaiserschnitt – so spät wie möglich, so früh wie nötig

Sehr häufig kann die Krebserkrankung nur einigermaßen in Schach gehalten werden, solange das Baby noch im Bauch der Schwangeren wächst. Erst wirkungsvolle medikamentöse Therapien und Bestrahlungen bringen die Wende. Deshalb muss in solchen Fällen mit Geduld abgewartet werden, bis das Baby reif genug ist, um als Frühgeborenes eine gute Lebenschance zu haben. Die Grenze wird gemeinsam mit der Mutter häufig um die 32. Bis 33. Schwangerschaftswoche herum gezogen. Dann wird das Baby mit einem Kaiserschnitt geboren und die Mutter geht nach einer entsprechenden Erholungszeit in die geplante Krebsbehandlung.

Abbruch der Schwangerschaft – nur ganz selten notwendig

In den allermeisten Fällen kann eine Krebserkrankung während der Schwangerschaft gut behandelt, das Fortschreiten hinausgezögert werden, ohne dass das Baby geschädigt wird und ohne dass die Schwangerschaft abgebrochen werden muss. Wenn Ärzte eine solche Entscheidung nahelegen, sollte immer auch eine zweite Meinung erfragt werden. Häufig erfolgt die Behandlung am besten in einer großen Klinik, in der alle notwendigen Abteilungen für die Krebsbehandlung und die Geburtsmedizin an einem Ort unter einem Dach vorhanden sind und sich die Ärztinnen und Ärzte untereinander besprechen und zusammen mit der schwangeren Frau und ihrer Familie den besten gemeinsamen Weg festlegen können.

Miteinander reden und Unterstützung holen

Schwanger und dann noch krebskrank, das ist immer eine schreckliche Nachricht. Für die Schwangere selbst, für ihren Partner, aber auch für die Kinder, die bereits in der Familie vorhanden sind. Schock, Angst, Ohnmacht, Verletzung, Enttäuschung, Ratlosigkeit und die sehr große Unsicherheit darüber, was die Zukunft bringen wird, das alles bringt den Alltag und das ganze Leben aus dem Tritt. Es ist unheimlich anstrengend, krebskrank zu sein, erst recht schwanger und krebskrank zu sein. Es ist aber auch anstrengend und zermürbend, Lebenspartner einer krebskranken Schwangeren zu sein, und es kann ein Kind in bodenlose schwarze Nacht stürzen, wenn die schwangere Mama krebskrank ist.

Es ist wichtig, darüber miteinander zu sprechen, auch wenn die Worte zu fehlen scheinen. Kraft können in dieser Situation helfende und unterstützende Freunde und Familienangehörige geben. Außerdem gibt es vielfältige psychosoziale Hilfsangebote für Krebskranke und ihre Familien. Nach solchen Angeboten, auch Selbsthilfegruppen, sollten die betreuenden Ärztinnen und Ärzte gefragt werden.

Für bereits vorhandene Kinder in der Familie ist es wichtig, sich weiterhin bei einer liebenden Bezugsperson geborgen zu fühlen. Wenn die schwangere und kranke Mama das für einige Zeit nicht sein kann, weil die Krankheit ihre ganze Kraft braucht, dann sollte diese Aufgabe umso mehr der Papa, aber auch die Großeltern oder jemand anderes übernehmen, der dem Kind Zuverlässigkeit, Fürsorge und Geborgenheit bieten kann.

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz

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Selbsthilfe bei und nach Krebs

Hier eine übergeordnete Zusammenstellung des Deutschen Krebsforschungszentrums:

https://www.krebsinformationsdienst.de/service/adressen/selbsthilfe.php