Schwangere, die gegen Influenza geimpft wird

Wann wenn nicht jetzt – Grippe-Impfung für jede Schwangere

Schwangere, die gegen Influenza geimpft wird

Die Frage ist nicht, ob sich Schwangere gegen Influenza impfen lassen sollten, sondern wann.

Die Impfung gegen die „echte“ Grippe, auch Influenza genannt, ist für Schwangere so wesentlich, dass die Kosten dafür von allen Krankenkassen übernommen werden. Aber fangen wir zunächst – mal wieder – mit Corona an. Covid-19 ist in der Schwangerschaft nicht so ungefährlich wie alle es am Anfang dachten. Es gibt Fehlgeburten, Frühgeburten, sehr schwere Verläufe der Mütter, so dass die Kinder viel zu früh per Kaiserschnitt geholt werden müssen, damit beide eine Chance haben, zu überleben.

Covid-19 und Influenza – was hat das miteinander zu tun?

Eine schwere Influenza kann in der Schwangerschaft dieselben schweren Symptome verursachen wie ein akutes Covid-19; seit langem ist bekannt, dass eine Influenza in der Schwangerschaft häufiger zu einer schweren Bronchitis und zu Lungenentzündungen mit heftiger Atemnot führt, dass Schwangere mit Influenza häufiger auf eine Intensivstation aufgenommen und auch beatmet werden müssen als gleichaltrige, nicht schwangere Frauen. Außerdem kann jede schwere, fieberhafte Erkrankung – also auch Influenza – zu Wehen und einer Frühgeburt führen. Sehr aktuelle Auswertungen haben einen deutlichen Zusammenhang gefunden zwischen schweren Grippewellen und einer Zunahme der Frühgeburtlichkeit und auch von Totgeburten.

Leider führt eine durchgemachte Corona-Infektion nicht dazu, dass man gegen die Grippe immun wäre, sondern nur gegen diese eine Corona-Variante. Und eine Grippe-Infektion führt nur zu einer Immunität gegen den einen Influenza-Stamm, mit dem man gerade infiziert war. Im Winter 2017/2018 kam es deshalb in Deutschland zu zwei Grippewellen, und die zweite Welle wurde durch einen anderen Stamm ausgelöst als die erste. Das Problem damals war: Der Grippe-Impfstoff, der im Herbst herausgekommen war und mit dem sich viele hatten impfen lassen, enthielt keine Antigene des neuen Erregerstammes. Der konnte sich also ungehemmt ausbreiten sogar unter denjenigen, die bereits geimpft waren. Viele sehr schwere Verläufe und 69% der Grippe-Todesfälle in dieser Saison wurden durch diesen Virusstamm verursacht.

Seitdem enthalten die Impfstoffe nicht mehr die Antigene der drei, sondern der vier wahrscheinlichsten Influenza-Erreger des kommenden Winters, und seitdem ist es auch nicht mehr zu einem Influenza-Ausbruch mit einem Erregertyp gekommen, gegen den es keinen Impfstoff gab.

20.000 neue Viren aus einer einzigen infizierten Zelle

Es ist also im kommenden Winter möglich, dass man sich – in beliebiger Reihenfolge – mit SARS-CoV2 ansteckt UND danach mit einem Influenza-Erreger und vielleicht später noch mit einem weiteren Influenzakeim – zusätzlich natürlich mit den üblichen Schnupfen- und Hustenviren. Während Covid-19 oft leicht verlaufen kann, ist das bei einer Influenza, also einer echten Grippe, nicht der Fall. Influenza-Viren gehören zu den aggressivsten Viren, die wir kennen. Sie dringen in ihre Wirtszellen – meist die Oberflächenzellen der Atemwege – ein und zwingen jede einzelne infizierte Zelle, innerhalb von 18 Stunden bis zu 20.000 neue Viren zu produzieren. Die befallene Zelle wird dabei vernichtet. Nach anderthalb Tagen sind so rein rechnerisch aus einem einzigen Virus in zweiter Generation 40 Millionen Viren geworden.

Der Körper aktiviert dagegen das Maximum an Abwehrkraft, und wie bei Corona geht eine großer Anteil des schweren Krankheitsgefühls nicht so sehr auf das fortpflanzungsfreudige Virus, sondern auf die Kosten einer schlagartig ausufernden Immunreaktion. Wie bei Covid-19 kann nach einigen Tagen alles überstanden sein, aber das lässt sich nicht vorhersagen. Die zerstörten und hochgradig entzündeten Oberflächen der Atemwege bieten bei beiden Erkrankungen die allerbeste Brutstätte für andere, hoch gefährliche Keime, häufig Bakterien, die schwere Lungenentzündungen auslösen und nur durch den Einsatz von Antibiotika zurückgedrängt werden können. Wenn die Krankheit schwer verläuft, wird eine Sauerstoffgabe und im Einzelfall auch eine Beatmung notwendig.

Fünf Regeln für die Influenza-Impfung

Eigentlich stellt sich nach diesen Ausführungen nicht mehr die Frage, OB sich eine Schwangere gegen Influenza impfen lassen sollte, sondern nur noch WANN dafür der beste Zeitpunkt ist.

Dafür gibt es fünf gute Regeln.

  1. Wenn ein Kinderwunsch besteht, eine Schwangerschaft also bald erwartet und erwünscht ist, dann kann und sollte die Impfung noch vor dem Eintritt der Schwangerschaft stattfinden.
  2. Bis zu 30% aller Schwangerschaften gehen in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft verloren, ohne dass man hierzu einen Grund finden könnte. Deshalb sollte in dieser Zeit wenn möglich keine Impfung durchgeführt werden, auch wenn Impfungen nichts mit solchen frühen Fehlgeburten zu tun haben. Aber es sollte einfach der Trugschluss vermieden werden, dass die Schwangerschaft WEGEN der Impfung verloren gegangen ist.
  3. Schwangere, die durch eine Influenza besonders gefährdet wären, zum Beispiel weil sie eine Krankheit des Herzens, der Atemwege, des Immunsystems haben oder weil sie Immun-unterdrückende Arzneimittel einnehmen müssen, sollten sich zu ihrem eigenen Schutz trotzdem auch schon in den ersten Wochen der Schwangerschaft impfen lassen, sobald der Impfstoff der neuen Impf-Saison erhältlich ist.
  4. Alle anderen Schwangeren können und sollten sich ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel gegen Influenza impfen lassen, bei ihrer Frauenärztin/ihrem Frauenarzt oder bei ihrer Hausärztin/ihrem Hausarzt.
  5. Alle Erwachsenen, die mit der Schwangeren im gleichen Haushalt leben, sollten sich ebenfalls gegen Influenza impfen lassen. Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie hat kürzlich empfohlen, in diesem Jahr auch alle Kinder gegen Influenza zu impfen. Indirekt hat aber Gesundheitsminister Jens Spahn bereits darauf reagiert und betont, dass kaum genug Impfstoff vorhanden ist, um alle Risikogruppen zu impfen, zu denen auch Schwangere gehören. Deshalb sei nicht geplant, die gesamte Bevölkerung gegen Influenza zu impfen, weil dann der Impfstoff zu schnell verbraucht wäre.

Fünf kritische Fragen

Einige Bedenken, die immer wieder gegen die Grippe-Impfung geäußert werden, seien an dieser Stelle aufgegriffen:

  1. Schadet die Grippe-Impfung dem Baby?
    Eindeutig nein. Der Impfstoff enthält nichts, das auch nur ansatzweise für ein ungeborenes Baby gefährlich werden könnte. Stattdessen baut die Mutter Antikörper auf, die in ihrem Blut kreisen, und die sie ihrem Baby sogar noch für die ersten Wochen nach der Geburt mit auf den Weg geben kann.
  2. Schützt die Impfung nur ein Jahr lang?
    Das ist richtig. Die Impfung würde auch länger schützen, aber immer nur vor den Grippe-Stämmen, gegen die die Impfung gerichtet war. Die Grippe-Viren sind aber extrem mutationsfreudig, und es ist bis heute nicht gelungen, eine Impfung zu entwickeln, die gegen die Influenza-Viren als ganze Großfamilie dauerhaft wirken würde. Deshalb werden während und nach jeder Grippe-Saison diejenigen Virenstämme isoliert und untersucht, die gerade kursiert sind, und es wird aus diesem Wissen errechnet, welche Stämme mit großer Wahrscheinlichkeit in der nächsten Grippewelle aktiv sein werden. Danach wird dann im Frühjahr entschieden, mit welchen Influenza-Stämmen die Grippe-Impfung für die nächste Saison vorbereitet wird.
  3. Kann man trotz Grippe-Impfung an Grippe erkranken?
    Das ist richtig. Denn in den Impfstoffen wird darauf verzichtet, Aluminiumverbindungen zuzufügen, die die Immunantwort verstärken würden. Hochgereinigte Impfstoffe erzeugen eine schwächere Immunität. Nur etwa jede zweite geimpfte Person baut nach der Grippe-Impfung eine Immunität auf, die ausreicht, um eine Influenza komplett abzuwehren. Bei allen anderen wird das Immunsystem zwar aktiviert, aber der Infektionsschutz ist im Ernstfall nicht stark genug. Immerhin ist das Immunsystem dann aber wenigstens ein Bisschen auf den Erreger vorbereitet, kann schneller und effektiver reagieren und die Gefahr, dass die Influenza sehr schwer verläuft, wird kleiner.
  4. Enthält der Impfstoff Hühnereiweiß?
    Impfstoffe werden aus Bruchstücken von echten Viren hergestellt. Dafür braucht es zunächst andere, lebende Zellen, damit sich die Viren darin vermehren können. Für die Herstellung des Grippe-Impfstoffs werden in industriellem Maßstab Hühnereiern verwendet, in denen die Viren angezüchtet werden. Das Virus-Material wird anschließend hochgereinigt. Trotzdem enthalten die Impfstoffe geringste Spuren von Hühnereiweiß. Für Personen mit einer Allergie gegen Hühnereiweiß bedeutet ein solcher Impfstoff ein Risiko. Deshalb ist in Deutschland inzwischen auch ein Impfstoff erhältlich, der auf andere Weise hergestellt wird. Die Industrie versucht aber auch aus ökonomischen Gründen, von der Anzüchtung in Hühnereiern wegzukommen. Denn aus einem einzigen Hühnerei können nur ein bis zwei Impfdosen gewonnen werden. Die Impfstoffproduktion braucht also viele Millionen Hühnereier und eine riesige Menge an Hühnern. Die Lösung könnte daraus bestehen, spezialisierte Zellkulturen zu verwenden.
  5. Ist der Impfstoff mit Formaldehyd verunreinigt?
    Formaldehyd darf bei der Impfstoff-Herstellung verwendet werden, um die angezüchteten Viren zu inaktivieren. Es wird später in Reinigungsprozessen so gut wie vollständig entfernt. Maximal 100 µg Formaldehyd, also ein Zehntel Milligramm oder ein 10.000-stel Gramm sind in einer Impfdosis enthalten. Zum Vergleich: Formaldehyd wird in normalen Stoffwechselprozessen zum Beispiel beim Umbau von Aminosäuren und von Fettsäuren in Pflanzen und Tieren und auch im Menschen gebildet und permanent und in wenigen Minuten wieder abgebaut. Auch schon beim ungeborenen Baby selbst laufen diese Prozesse ab. Ein 70 kg schwerer Mensch produziert weit über 50 Gramm Formaldehyd pro Tag und baut diese Menge auch innerhalb kürzester Zeit wieder ab. Das ist die 50.000-fache Menge dessen, was in einer Grippe-Impfung enthalten sein darf.

Die Hersteller der Grippe-Impfstoffe haben bereits begonnen, Apotheken und den Großhandel mit den ersten Chargen zu beliefern. Sie vermelden derzeit weltweit eine Rekordnachfrage. Je eher man sich also seine Impfung gesichert hat, umso besser……

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz

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