Visualisierung des Coronavirus, das COVID-19 verursacht

Corona, Kinderwunsch & Schwangerschaft – der aktuelle Stand

Sie sind frisch schwanger, und auf einmal bekommen alle Fragen rund um Covid-19 eine ganz neue Dimension? Wir sagen Ihnen, was – Stand Anfang März 2022 – der heutige Stand des Wissens und der Empfehlungen ist. Allerdings beruhen die meisten Untersuchungen und Erkenntnisse auf den Erkrankungswellen von 2020 und 2021, bis hin zur Delta-Variante.

Ergebnisse aus klinischen Studien über Schwangerschaften und Infektionen mit der Omikron-Variante liegen derzeit noch nicht vor. Und niemand kann sagen, ob nicht morgen eine neue Variante alles wieder verändert, die mehr oder weniger ansteckend ist als bisher, schwerere oder leichtere Krankheitsverläufe und verursacht, oder vor der die bisherigen Impfstoffe vielleicht nicht mehr gut schützen.

Ich bin noch nicht geimpft. Kann ich mich während der Schwangerschaft oder Stillzeit impfen lassen?

Ja, das sollten Sie tun, und zwar ab der 14. Woche. Dass die Corona-Impfung nicht in den ersten Wochen empfohlen wird, das liegt daran, dass in dieser Zeit bis zu 40 % aller Schwangerschaften aus natürlichen Gründen verloren gehen. Und keine Schwangere und auch keine impfende Ärztin sollte fürchten, dass eine solche frühe Fehlgeburt durch eine Impfung ausgelöst wurde.

Kann ich mich während der Schwangerschaft oder Stillzeit boostern lassen?

Ja, das ist sinnvoll, wenn ein entsprechender Abstand zu den vorigen Impfungen besteht. Mit der vollständigen Impfung schützen Sie sich selbst und Ihr Baby optimal vor allen Komplikationen. Lesen Sie sich einfach die folgenden Fragen und Antworten durch, dann wissen Sie, worum es geht.

Sind Covid-19-Ansteckungen in der Schwangerschaft häufiger als ohne Schwangerschaft?

Nein, das ist nicht der Fall. Schwangere stecken sich genauso häufig oder selten mit der Virus-Erkrankung an wie nicht schwangere Frauen.

Ist Covid-19 in der Schwangerschaft gefährlicher als ohne Schwangerschaft?

Ja, das ist der Fall. Während der Schwangerschaft reagiert das Immunsystem weniger intensiv auf fremde Strukturen. Das hat einen einfachen Grund. Das Baby, das in der Gebärmutter heranwächst, besteht nämlich nur zur Hälfte aus den genetischen Eigenschaften der Mutter. Zur anderen Hälfte erbt es die genetische Ausstattung des Vaters. Deswegen würde das Immunsystem der Mutter normalerweise die Proteine des Babys als fremd erkennen und das Baby samt Plazenta und Fruchthöhle als Fremdkörper abstoßen.

Damit das nicht passiert und stattdessen der mütterliche Organismus das Baby neun Monate lang aufs Beste ernährt und wachsen lässt, verändern sich in der Schwangerschaft die Reaktionen des Immunsystems. Dadurch kommt es zwar bei Virus-Erkrankungen wie bei Covid-19 oder auch der Influenza zwar einerseits zu weniger starken Symptomen. Auf der anderen Seite können sich aber in den Fällen, in denen die Immunreaktion nicht stark genug ist, die Krankheitserreger stärker vermehren. Das kann zu schwereren Krankheitsverläufen führen, sowohl bei der Influenza als auch bei Covid-19.

Das bedeutet, dass nicht bei allen, aber bei einigen Frauen zu Lungenentzündungen kommen kann, mit schwerer Atemnot. Sowohl bei der Influenza als auch bei Covid-19 kann das bis zum Lungenversagen führen. Auch eine Beatmung funktioniert dann nicht mehr, sodass ein externer Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid mithilfe der künstlichen Lunge notwendig wird.

Wie viele Schwangere erkranken schwer an Covid-19?

Etwa 10 % der Schwangeren, die mit Covid-19 infiziert sind, müssen in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Diese Zahl ist höher als bei Infektionen von gleichaltrigen, nicht schwangeren Frauen. Nach großen Auswertungen in den USA muss fast jede zweite Frau, die in ein Krankenhaus eingewiesen wurde, dann auch auf der Intensivstation betreut werden. Diese Zahlen stammen aus den ersten zwei Jahren der Pandemie. Ob sie bei einer Infektion mit der Omikron-Variante noch Bestand haben, ist derzeit nicht klar. Eventuell ist das Risiko für sehr schwere Verläufe, bei denen eine Beatmung notwendig wird, bei Omikron-Infektionen geringer.

Gibt es besondere Risiken, schwer an Corona zu erkranken?

Ja, die gibt es. Ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Erkrankungen haben Schwangere mit

  • einem Alter von 35 Jahren und darüber,
  • einem BMI von 30 und darüber,
  • erhöhtem Blutdruck,
  • Diabetes und Schwangerschaftsdiabetes,
  • einer Präeklampsie und
  • allgemein bei Risikoschwangerschaften.

Kann eine Covid-19-Infektion zu Komplikationen in der Schwangerschaft führen?

Ja, eine Covid-19-Infektion kann genau wie eine Grippe zu Komplikationen in der Schwangerschaft führen, einerseits durch das Fieber selbst, andererseits durch eine Infektion der Plazenta bei schweren Erkrankungen und zum Dritten durch ärztliche Maßnahmen, um das Leben der Schwangeren zu retten. Zu den möglichen Komplikationen gehören ein erhöhtes Risko für

  • Thrombosen und Thromboembolien, so wie es generell bei schweren Infektionskrankheiten beobachtet wird,
  • Fehl- und Totgeburten während und nach einer Covid-19-Infektion,
  • Präeklampsien, wenn die Plazenta durch die Infektion einen Schaden genommen hat,
  • Frühgeburten einerseits durch hohes Fieber, andererseits aber auch dann, wenn die Erkrankung so schwer verläuft, dass die Ärztinnen und Ärzte das Leben der Mutter nur retten können, wenn die Schwangerschaft beendet wird. Es wird dann als Geburtsmethode meist ein Kaiserschnitt durchgeführt, weil eine natürliche Geburt bei einer schweren Lungenentzündung lebensgefährlich wäre.

Kann das Risiko für Thrombosen und Lungenembolien vermindert werden?

Ja, durch die Verwendung von Mitteln, die die Blutgerinnung hemmen. Solche Arzneimittel werden bei Klinikaufenthalten und Bettlägerigkeit immer empfohlen und ganz besonders dann, wenn durch eine fieberhafte Infektion das Risiko für Blutgerinnsel zusätzlich erhöht ist.

Welche Nachkontrollen sollen während der Schwangerschaft nach einer Covid-19-Infektion stattfinden?

Es wird derzeit bei SARS-CoV-2-positiven Schwangeren bzw. nach durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion in 2- bis 4-wöchigem Abstand Verlaufskontrollen per Ultraschall empfohlen, um das Wachstum des Kindes, die Durchblutung in der Nabelschnur und die Fruchtwassermenge zu überprüfen, und zusätzlich eine Kontrolle des Blutdrucks, um die Entwicklung einer Gestose oder Präeklampsie frühzeitig zu entdecken.

Welche Maßnahmen werden ergriffen, wenn eine Frühgeburt absehbar ist?

Wenn ein Baby um viele Wochen zu früh geboren wird, ist oft seine Lunge noch nicht fertig ausgereift. Es bekommt dann sehr schlecht Luft, und in der Lunge wird zu wenig Sauerstoff ins Blut aufgenommen. Deshalb bekommt die Mutter kurz vor einer erwarteten Frühgeburt ein Arzneimittel, das durch die Plazenta zum Baby gelangt und dort die Reifung der Lunge anschiebt. Es handelt sich dabei um die einmalige Gabe von Betamethason, ein Kortikoid. Es richtet in dieser Dosis weder bei der Mutter noch beim Baby Schaden an, sondern ist dann eine lebensrettende Maßnahme.

Kann während einer akuten Corona-Infektion eine natürliche Geburt stattfinden?

Im Prinzip spricht nichts dagegen, solange die Erkrankung nicht schwer ist. Denn bei einer schweren Infektion kann es passieren, dass die Kräfte und Ressourcen für den anstrengenden Prozess einer natürlichen Geburt nicht ausreichen. Natürlich müssen auch alle anderen Aspekte dabei berücksichtigt werden wie das Alter der Schwangeren, die Größe des Babys beziehungsweise sein Kopfdurchmesser, seine Lage und Position, eventuelle frühere Kaiserschnitte und anderes.

Noch immer unklar ist, ob eine Gebärende mit einer akuten Covid-19-Erkrankung Lachgas zur Schmerzbekämpfung verwenden darf. Denn es besteht dann die Gefahr, dass die Viren sich mit dem Lachgas-Aerosol im Kreißsaal verteilen. Eine Periduralanästhesie darf aber angewendet werden.

Kann das Virus in der Schwangerschaft oder bei der Geburt auf das Baby übergehen?

Während der Schwangerschaft ist der Übergang des Virus auf das Baby extrem unwahrscheinlich. Eigentlich stellt die Plazenta eine sehr zuverlässige Schranke für die Viren dar. In Einzelfällen wurde über solche Übertragungen auf das Baby berichtet, wobei meist nicht genau festgestellt werden kann, ob das in den letzten Tagen der Schwangerschaft oder während der Geburt passiert ist.

Können Corona-Viren das Baby infizieren?

Ja, neugeborene Babys können durch die Mutter, den Vater und alle anderen Personen in seinem Umfeld, die infiziert sind und sich nicht an die Hygieneregeln halten, infiziert werden. Manchmal kann das für einige Tage zu einer Erkrankung führen. Meistens bleiben die Symptome aber mild, oder die Infektion bleibt ganz symptomlos.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass statistisch gesehen Babys mit Corona-Infektionen häufiger in eine Neugeborenenstation aufgenommen werden müssen. Das könnte aber auch daran liegen, dass Babys häufiger als Frühgeborene zur Welt kommen, wenn ihre Mütter eine Coronainfektion haben.

Dürfen Sie Kontakt mit dem Baby haben, wenn Sie infiziert sind und dürfen Sie das Baby stillen?

Ja, beides ist erlaubt und erwünscht. Solange der Coronaabstrich positiv ist, sind Sie allerdings infektiös und sollten deshalb Ihr Baby nur in den Arm nehmen, wenn Sie sich die Hände gründlich gewaschen und desinfiziert haben und wenn Sie eine FFP2-Maske tragen.

Corona-Viren werden nicht durch die Muttermilch übertragen.

Alle anderen Kontaktpersonen, die Corona-positiv sind, sollten für die Dauer der Infektion den Kontakt mit dem Baby möglichst vermeiden.

Muss zur Geburt ein PCR-Test vorgelegt werden?

Aktuell (Anfang März 2022) gilt, dass die Mutter meist direkt im Kreißsaal mit einem PCR-Test abgestrichen wird. Dabei ist es egal, ob sie geimpft, genesen oder gar nichts davon ist. Hat die Mutter einen positiven Corona-Test, dann wird sich das Personal im Kreißsaal maximal vor einer Ansteckung schützen.

Für Begleitpersonen zur Geburt und Besucher auf der Wochenstation gilt in den meisten Kliniken derzeit die 2G+-Regelung. Es ist empfehlenswert, sich darüber jeweils aktuell auf dem Klinikportal zu informieren.

Autoren: Dr. Susanna Kramarz & Dr. Wolf Kirschner

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Aktuelle Empfehlungen Stand November 2021: https://www.dggg.de/fileadmin/data/Stellungnahmen/DGGG/2021/PM_Update_November_2021_finalV2.pdf

Robert Koch-Institut: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/38_21.html

Covid-19 und Fehlgeburten – eine systematische Literaturübersicht: COVID-19 and cause of pregnancy loss during the pandemic: A systematic review (plos.org)