Diabetes: Was sollten Sie tun, wenn dieser schon vor der Schwangerschaft besteht?

Diabetes und Kinderwunsch – das kann gut gehen

Heute geht es nicht um den Schwangerschaftsdiabetes, der erst während der Schwangerschaft auftritt. Sondern heute geht es um die Frage, was am besten zu tun ist, wenn der Diabetes schon vor der Schwangerschaft besteht. Um es ganz kurz zu machen, es gibt zwei ganz entgegengesetzte Risiken für die Mama und für das Baby.

Risiko Nummer Eins – zu hoher Blutzucker

Risiko Nummer eins ist ein zu hoher Zuckergehalt im Blut. Zu viel Zucker im Blut, ein typisches Symptom bei der Diabetes-Erkrankung, führt zuerst einmal dazu, dass Zucker über die Nieren ausgeschieden wird und dabei eine ganze Menge Wasser mitnimmt: Das erste Symptom für einen Diabetes ist es deshalb, dass jemand sehr viel zur Toilette muss und sehr, sehr viel Durst hat.

Der hohe Zuckergehalt im Blut führt während der Schwangerschaft zu einer permanenten Überversorgung des Babys mit Kalorien. Das Baby wächst und wächst, und sein Gehirn wird von der Embryozeit an falsch programmiert. Überernährung ist für das Ernährungszentrum im Gehirn dieser Kinder der Normalzustand, was oft von Kindheit an zu einem lebenslangen Übergewicht führt. Ebenso wichtig ist aber auch, dass die Entwicklung der Organe mit dem schnellen Wachstum des Körpers nicht Schritt halten kann. Babys von Müttern, die während der Schwangerschaft eine schlecht eingestellte Zuckerkrankheit und einen ständig zu hohen Blutzucker haben, sind nicht nur von Anfang an viel zu groß. Es entwickeln sich häufiger auch Fehlbildungen des Herzens, der Wirbelsäule, Lippen-Kiefer-Gaumen-Fehlbildungen der Bauchdecke, der inneren Organe, der Harnwege.

Ist dagegen der Blutzucker bereits vor der Schwangerschaft gut und niedrig eingestellt, durch Insulin, Arzneimittel und eine Umstellung der Lebensweise, dann ist das Risiko für derartige Fehlbildungen nur genauso niedrig wie bei gesunden Frauen.

Hoher Blutzucker erhöht das Risiko für Fehlbildungen

Wenn ein Kinderwunsch besteht und gleichzeitig eine Diabetes-Erkrankung bekannt ist, dann reicht es also nicht, erst mal abzuwarten, ob es mit der Schwangerschaft überhaupt klappt. Wenn Sie den längst überfälligen Termin beim Hausarzt oder Diabetologen erst nach Beginn der Schwangerschaft nachholen, dann ist dies zu spät. Das Risiko für die Entwicklung von Fehlbildungen lässt sich bei Schwangeren mit Diabetes-Erkrankung auf eine normal niedrige Stufe herunterschrauben. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Einstellung des Diabetes schon vom ersten Tag der Schwangerschaft an optimal und sorgfältig ist. Wir erklären jetzt erst einmal, was gegen den zu hohen Blutzucker unternommen werden kann, bevor wir zu Risiko Nummer zwei kommen.

Typ-1-Diabetes – ein Mangel an Insulin

Es gibt zwei Arten von Zuckerkrankheit, Diabetes mellitus. Der Typ-1-Diabetes entsteht meist schon in der Kindheit auf dem Boden einer Autoimmunkrankheit. Antikörper gegen einen bestimmten Zelltyp in der Bauchspeicheldrüse verhindern, dass diese genug Insulin produzieren und ausschütten. Insulin ist das Hormon, das nach einer Mahlzeit gewissermaßen Löcher in die Außenwände der Körperzellen bohrt, damit die Zuckermoleküle in die Zellen hineingelangen können. Dort werden sie als Energielieferant für sehr viele Prozesse des Stoffwechsels gebraucht. Fehlt Insulin, so gelangt nach einer Mahlzeit kein Zuckermolekül mehr in die Zellen.

Der Körper hungert also, ganz egal, wie viel man isst. Der Blutzucker steigt dabei immer höher, weil der Zucker nur noch aus dem Körper verschwindet, indem die Nieren undicht werden und den Zucker zusammen mit dem Urin heraus schwemmen. Wenn nichts gegen den hoffnungslos überhöhten Blutzucker unternommen wird, drohen lebensgefährliche Komplikationen wie Koma, Herzinfarkt und Schlaganfall. Ohne eine Behandlung führt diese Krankheit immer zum Tod, und zwar meist schon im Kindes- oder Jugendalter. Hier die gute Nachricht: Den Typ-1-Diabetes können Sie außerordentlich effektiv mit Insulin oder seinen modernen Nachfahren behandeln. Dazu später mehr.

Typ-2-Diabetes – Insulin vorhanden, aber wirkungslos

Der Typ-2-Diabetes hat ganz andere Ursachen. Er entsteht in aller Regel nach jahrelanger zu reichlicher Ernährung, oft gepaart mit zu wenig Bewegung. Eine genetische Komponente scheint zusätzlich eine Rolle zu spielen. Denn sonst hätten alle übergewichtigen Couch Potatoes einen Typ-2-Diabetes, und das ist nicht der Fall.

„Reichliche Ernährung“ im Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes bedeutet, dass die Bauchspeicheldrüse immer viel Insulin ausschüttet, um den Überschuss an Zucker aus dem Blut in die Körperzellen einzuschleusen. Bei manchen Menschen hören die Zellen dann auf, auf das Insulin zu reagieren. Es gibt dann also im Blut sehr viel Zucker als Folge einer dauerhaft zu kalorienreichen Ernährung und ebenso sehr viel Insulin, das aber nicht mehr wirkt.

Der erste Schritt, um hier Ordnung in den Stoffwechsel zu bringen, ist es, sich viel mehr zu bewegen als vorher. Denn viel Bewegung macht die Zellen des Körpers, vorwiegend die Muskelzellen, wieder empfindlich für Insulin. So kann der Überschuss an Zucker wieder sinnvoll verbrannt werden. Der zweite Schritt wäre, die Ernährung umzustellen. Weniger oder gar keine Süßigkeiten, Fruchtsäfte und Alkohol und nicht so viel Obst. Dafür mehr Gemüse, mehr Vollkorn, mehr – nun ja – gesundes Essen. Das sollte eine Ernährung sein, die man lange Zeit durchhalten kann, also keine kurzfristige Diät und keine Hungerzeit. Oft müssen Sie die Kalorienzahl gar nicht so sehr reduzieren. Das Wesentliche ist, dass Sie hochwertige Kohlenhydrate aufnehmen. Diese werden nicht innerhalb kürzester Zeit im Darm zu Glukose umgewandelt und durch die Darmwand ins Blut aufgenommen.

Auch Medikamente können beim Typ-2-Diabetes die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin wieder herstellen. Auf jeden Fall sollte auch dann, wenn ein Typ-2-Diabetes besteht, vor einer Schwangerschaft dauerhaft ein normal-niedriger Blutzucker erreicht sein.

Risiko Nummer 2 – zu niedriger Blutzucker

Kommen wir zum Risiko Nummer 2. Das Risiko Nummer 2 bei der Diabetes-Erkrankung ist nicht ein zu hoher Blutzucker, sondern das Gegenteil, ein zu niedriger Blutzucker. Beziehungsweise noch präziser ein akuter Mangel an Energie in den Zellen. Zu niedriger Blutzucker in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Fehlgeburten und für eine Mangelentwicklung des Babys.

Abgesehen von diesen Risiken ist bei zu niedrigem Blutdruck besonders das Gehirn gefährdet. Denn anders als alle anderen Zellen im Organismus können die Nervenzellen im Gehirn ausschließlich Glukose verwenden, um ihren Stoffwechsel aufrechtzuerhalten. Ein zu niedriger Blutzucker führt deshalb zunächst zu dem Gefühl, gleich umkippen zu müssen. Und wenn dann nicht sofort ein Stück Traubenzucker, ein Glas Obstsaft oder Ähnliches zur Hand ist, dann wird man ohnmächtig. Solche Unterzuckerungen kommen bei einer Diabetes-Erkrankung vor, wenn Insulin verwendet wird, um den Zuckerspiegel im Blut zu senken und wenn dadurch zu viel Zucker aus dem Blut in die Zellen geschleust wurde und weiterer Nachschub fehlt.

Blutzucker dauerhaft stabil halten – eine Herausforderung

Unbedingt wichtig ist es deshalb, bei einer Diabetes-Erkrankung schon vor der Schwangerschaft den Blutzucker sehr genau einzustellen. Dabei wird heute nicht nur bei Typ-1-Diabetes, sondern zunehmend auch bei Typ-2-Diabetes das Hormon Insulin verwendet. Für die Steuerung der Insulingabe werden heute halb- oder auch vollautomatische Systeme verwendet. Sie bestehen aus zwei Einheiten. Die eine Einheit besteht aus einem Pad, das Sie sich auf die Haut kleben. So misst das Gerät dann permanent den Zuckergehalt im Gewebe. Daraus wird die Menge und Art des Insulins, die als Arzneimittel gespritzt werden muss, sehr genau errechnet. Immer häufiger wird dann auch gleich noch ein zweites System mit einer automatischen Insulinpumpe verwendet, das mit der ständigen Glucose-Messung gekoppelt wird. Damit wird das nötige Insulin dann weitgehend automatisiert injiziert.

Solche modernen Systeme mit ständiger Blutzuckermessung und Koppelung an eine Insulinpumpe erleichtern eine perfekte Einstellung des Blutzuckers und des Stoffwechsels vor und während der Schwangerschaft. Damit können Fehlbildungen und Übergewicht des Babys einerseits und Fehlgeburten und Mangelentwicklung andererseits, die auf einer Störung des Blutzuckerspiegels beruhen, vermieden werden.

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz

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