Jetzt ist es amtlich. Die Ständige Impfkommission STIKO am Robert-Koch-Institut empfiehlt die mRNA-Impfung gegen Covid-19 auch in der Schwangerschaft und Stillzeit.

Endlich – Corona-Impfung auch in der Schwangerschaft

Jetzt ist es amtlich. Die Ständige Impfkommission STIKO am Robert-Koch-Institut empfiehlt die mRNA-Impfung gegen Covid-19 auch in der Schwangerschaft und Stillzeit.[i] Es gibt bei dieser Empfehlung jetzt keine Einschränkungen mehr. Es gibt auch keine besonderen Auflagen für eine besondere Risiko-Aufklärung, die über ein normales Routinegespräch zur Impf-Aufklärung hinaus gehen würde. Es braucht für die Corona-Impfung in der Schwangerschaft kein Attest der Frauenärztin mehr für das Impfzentrum, dass ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Es braucht kein Herumtelefonieren mehr zwischen Hausarzt, Impfarzt, Betriebsarzt. Niemand wird mehr mit den Schultern zucken und sagen „Tja, dann müssen Sie sich eben schützen“. Das ist leicht gesagt, mit Kindern im Haushalt, mit Familie, mit Freunden und Kollegen, die sich nicht impfen lassen wollen, oder in einem Beruf mit vielen Kontakten. Falls Sie das Dokument des Robert Koch-Instituts im Original nachlesen wollen, Sie finden es HIER.

Die STIKO hat als Grundlage für ihre Entscheidung eine ausführliche Ausarbeitung vorgelegt, die ebenfalls in dem Dokument zu finden ist. Darin werden alle Studien, alle Publikationen, alle veröffentlichten und viele bisher unveröffentlichte Daten rund um Covid-19 und Schwangerschaft, Stillzeit und Neugeborenenzeit ausgewertet und alle Daten, die bisher über die Impfung in der Schwangerschaft vorliegen.

192 Studien ausgewertet – über 100.000 schwangere Frauen mit Covid-19

Zunächst einmal war für die Kommission die Frage wichtig, ob Covid-19 in der Schwangerschaft leichter oder schwerer verläuft als ohne Schwangerschaft, und ob schädliche Folgen für das Baby beobachtet wurden. Neben Daten aus Deutschland wurde vor allem eine maßgebliche Veröffentlichung von Dr. John Allotey aus Birminham, Großbritannien ausgewertet. Allotey untersuchte 192 Studien, die sich mit der Frage der Corona-Erkrankung in der Schwangerschaft befassten. Fast 2000 weitere Studien zu diesem Thema wurden von ihm vorher schon aussortiert, weil sie nicht sorgfältig genug durchgeführt worden waren. Insgesamt flossen in diese Auswertung die Daten von fast 65.000 schwangeren Frauen mit einer Corona-Infektion ein und zum Vergleich die Daten von fast 570.000 nicht-schwangeren Frauen mit einer Corona-Infektion. Aus Deutschland wurden die Schwangerschaften von knapp 3000 Corona-positiv getesteten Frauen erfasst, hier vor allem aus dem CRONOS-Register. Es kamen die Daten einer weiteren Studie hinzu, die in Großbritannien, in den USA und Schweden durchgeführt wurde, mit etwa 1,7 Millionen Frauen, davon 55.000 schwanger.

Die Auswertungen ergaben, dass Covid-19 in der Schwangerschaft häufiger ganz ohne Symptome oder nur mit ganz leichten Symptomen verläuft. Aber wenn die Krankheit ausbricht, dann wendet sich das Bild. Dann kommt es häufiger zu einem schweren Verlauf und zu einer Lungenentzündung. Häufiger muss die Schwangere ins Krankenhaus, braucht Sauerstoff und in seltenen Fällen auch eine künstliche Beatmung. Das Klinikum Dortmund hat vor wenigen Wochen bekannt gegeben, dass dort erstmals eine Schwangere an Covid-19 verstorben ist. Die Frau war weder übergewichtig, noch hatte sie Bluthochdruck oder einen Diabetes. Sie war vorher gesund gewesen.

Häufiger ins Krankenhaus, mehr Totgeburten

Bei Schwangeren mit Covid-19 kommt es auch etwas häufiger zu Totgeburten. Dass Frühgeburten bei dieser Erkrankung fast doppelt so häufig auftreten wie sonst, das liegt aber wahrscheinlich nicht vorrangig am Virus selbst: SARS-CoV2 löst als Virus keine Wehen aus. Aber wenn eine Krankheit, eine Infektion schwer verläuft, dann ist es für den Körper zu anstrengend, gleichzeitig für die Gesundheit der Mutter und für das Überleben des Babys zu sorgen. Der Körper entscheidet sich im Ernstfall immer für die Mutter. Und wenn eine Beatmung notwendig wird, passiert im Prinzip dasselbe: Eine Beatmung kann die Mutter über die kritische Zeit retten. Aber der Kreislauf der Frau, die ja dann in einem künstlichen Koma liegt, schafft es nicht, auch noch für die Schwangerschaft zu sorgen.

Kaiserschnitt kann das Leben von Kind und Mutter retten

Um diese Situation zu lösen, wird hier häufig ein Kaiserschnitt durchgeführt. So kann das Baby auf der Geburtsstation, eventuell auch auf der Frühgeborenen-Intensivstation, bestens versorgt werden, und die Mutter kann sich erholen. Das ist der Grund, warum man bei Frauen, die eine schwere Corona-Erkrankung hatten, häufiger eine Frühgeburt registriert.

Eine Übertragung des Virus von der Mutter auf das Baby während der Schwangerschaft oder auch nach der Geburt wurde nur sehr selten beobachtet. Und wenn, dann wurden die Neugeborenen so gut wie nie ernsthaft krank.

Gehen von der Impfung Risiken aus?

Aber die Frage der STIKO war zusätzlich, ob denn die Impfung vor der Infektion ausreichend schützen würde, und ob vielleicht von der Impfung irgendwelche Risiken ausgehen. Das bekannte Problem ist, dass in Studien in der Entwicklung von Arzneimitteln und Impfstoffen niemals Schwangere eingeschlossen werden. Viele dieser Studien werden zunächst auch nur an männlichen, freiwilligen Probanden durchgeführt. Deswegen gibt es zwar sehr umfangreiche Studien zu den Corona-Impfungen selbst. Aber was Schwangerschaften angeht, so gab es lange Zeit nur Daten von Frauen, die bei der Impfung (noch) nicht wussten, dass sie schwanger waren.

Und die zweite Frage war, ob Schwangere überhaupt nach einer Impfung eine ausreichende Immunität aufbauen. Denn das Immunsystem stellt sich ja in der Schwangerschaft um, damit das ungeborene Baby nicht als Fremdkörper erkannt wird. Denn das würde sonst eine Abstoßungs-Reaktion auslösen wie bei einer Organtransplantation.

Die STIKO hat sich um beide Fragen sehr sorgfältig gekümmert. So gab es bereits 2020 in den USA eine erste Untersuchung, bei der freiwillige Schwangere ausgewählt wurden. Teilweise meldeten sich auch Schwangere von selbst, weil sie unbedingt eine Impfung bekommen wollten. Sie wurden mit dem mRNA-Impfstoff geimpft, und im Anschluss wurden ihre Antikörper und viele andere Parameter des Immunsystems und der Schwangerschaft gemessen. Schon in dieser ersten Untersuchung zeigte sich, dass auch in der Schwangerschaft nach der Impfung Antikörper gegen SARS-CoV2 gebildet werden, und dass die Impfung die Schwangerschaft selbst nicht beeinflusst. Viele weitere Untersuchungen folgten. Insgesamt konnte die STIKO für ihre Bewertung auf Studienergebnisse und Daten von fast  40.000 geimpften Schwangeren in den USA, Großbritannien und Israel zurückgreifen.

40.000 geimpfte Schwangere – Nebenwirkungen waren seltener

Besonders die Nebenwirkungen, die in der Schwangerschaft auftraten, waren von großem Interesse. Dabei stellte sich überraschenderweise heraus, dass Schwangere viel seltener an Symptomen wie Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Einstichstelle leiden, viel seltener an Fieber und Schüttelfrost als nicht schwangere Frauen. Todesfälle der Mutter, Aborte, Tot- oder Frühgeburten, Thrombosen oder Lungenembolien, Präeklampsie und auch Fehlgeburten waren unter den geimpften Schwangeren nicht seltener, aber auch nicht häufiger als es üblicherweise der Fall ist. Weder in Tiermodellen noch in diesen Studien gab es irgendwelche Hinweise darauf, dass die Corona-Erkrankung oder auch die Impfung Fehlbildungen des ungeborenen Babys hervorrufen könnte.

Ganz klares Ergebnis – die Impfung ist auch in der Schwangerschaft sicher

In der Zusammenfassung kommt die Ständige Impfkommission, die als sehr zurückhaltend bekannt ist, zu einem klaren Schluss. Wenn die Impfung gegen SARS-CoV2 nicht bereits vor der Schwangerschaft durchgeführt wurde, dann kann und sollte sie unbedingt während der Schwangerschaft durchgeführt werden. Wie bei allen Impfungen auch üblich, sollte aber die Immunisierung erst im zweiten Trimenon, also nach der 14. Woche, erfolgen. Denn in den ersten Wochen gehen sehr viele Schwangerschaften verloren. Und es sollte keine Frau sich oder den impfenden Ärztinnen und Ärzten Vorwürfe machen, dass eine Impfung daran schuld sei – egal welche.

Überlegen Sie sich jetzt, wie die Reihenfolge sein sollte – erst die Impfung gegen Grippe und dann die gegen Corona oder umgekehrt? Die Grippe-Saison hat noch nicht begonnen. Deshalb kann jetzt erst einmal so schnell wie möglich die erste Corona-Impfung erfolgen. Zwei Wochen später kommt die gegen Grippe, und vier Wochen danach die zweite Corona-Impfung. Es gibt keinen Rundumschutz, der gegen alle Gefahren wappnet. Aber ein wenig sicherer sind Sie und Ihr Baby nach diesen beiden Impfungen dann schon.

Ob geimpft oder nicht: Maske und Abstand halten sind weiterhin sinnvoll. Und falls Sie sich das fragen: Ausnahmen für das Tragen von FFP2-Masken gibt es für Schwangere nicht.

Autorin: Dr. Susanna Kramarz
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Quelle:
[i]https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/PM_2021-09-10.html

Update vom 17.09.2021: Das wissenschaftliche Statement der Ständigen Impfkommission STIKO wurde veröffentlicht. Wir haben den Blogbeitrag entsprechend aktualisiert.