Erst Brustkrebs und dann schwanger – das kann sehr gut gehen

Erst Brustkrebs und dann schwanger – das kann sehr gut gehen

Manchmal ist es nicht verkehrt, auch mal über den Tellerrand hinauszugucken. Heute sehen wir uns einmal einige neue und wichtige Botschaften aus der Bestrahlungsmedizin an, der Radiologie. Um es kurz zu machen, hier das Wichtigste zuerst. Nach einer Behandlung einer Brustkrebserkrankung kommt es genauso selten zu genetischen Veränderungen beim Baby wie bei gesunden Frauen. Die Krebsbehandlung mit Operation, Medikamenten und Bestrahlung verschlechtert die Situation nicht. Es ist also gut möglich, schwanger zu werden und ein gesundes Baby zu bekommen, auch nach einer vollständigen Behandlung einer Brustkrebserkrankung.

Radiologinnen und Radiologen haben früher vor allem Röntgenaufnahmen gemacht. Inzwischen sind modernere Verfahren dazugekommen. Sie sind aber auch diejenigen, die die Bestrahlung bei Krebserkrankungen planen und durchführen. Denn neben Operationen, um den Krebs zu entfernen, und Arzneimitteln, um sein Wachstum zu stoppen, werden auch Röntgenstrahlen eingesetzt, um Krebsherde zu zerstören. Besonders bei jungen Frauen, die an Krebs erkranken, ist aber immer die Furcht besonders groß, dass die Bestrahlung die Eierstöcke und die noch ruhenden Eizellen beschädigen könnte. Das könnte dann zu genetischen Veränderungen und Erkrankungen bei späteren Schwangerschaften führen.

Schäden durch Bestrahlung bei Brustkrebs vermieden

Deshalb wird bei solchen Bestrahlungen alles unternommen, um derartige Schäden zu vermeiden. Dass es sogar möglich ist, vor dem Beginn der Behandlung gesunde Eizellen oder gesundes Gewebe der Eierstöcke zu entnehmen und zu retten, darüber werden wir hier ein anderes Mal berichten.

Die Radiologinnen und Radiologen machen sich jedenfalls schon seit Jahrzehnten sehr große Sorgen darum, dass bei einer Bestrahlung – abgesehen von der Bekämpfung des bösartigen Gewebes – möglichst keinerlei gesundheitliche Schäden auftreten. Vor wenigen Wochen erschien nun in einer deutschsprachigen Fachzeitschrift für Radiologie (1) ein Fachartikel mit einer außerordentlich guten Botschaft. Viele Forscherteams weltweit (2) haben die Daten und Statistiken von über 8 Millionen Frauen vor den Wechseljahren zusammengetragen. Von denen sind mehr als 100.000 an Brustkrebs erkrankt und von denen dann 7.500 später schwanger geworden. Es wurde untersucht, ob es bei den Frauen, die eine Krebsbehandlung hinter sich hatten, häufiger zu Komplikationen gekommen ist. Also zu Frühgeburten, zu Komplikationen bei Geburt und Schwangerschaft oder zu Schädigungen des Babys.

Brustkrebsbehandlung: Keinerlei genetische Schäden

Und das Resultat: Wenn Frauen an einem Brustkrebs erkrankt sind, eine Chemotherapie und eine Bestrahlung hinter sich haben und dann schwanger werden, dann geht das in aller Regel sehr gut. Es wurden keinerlei genetische Schäden bei den Babys festgestellt, die durch die Krebsmedikamente oder die Bestrahlung ausgelöst worden wären. Das bedeutet nicht, dass Krebstherapien grundsätzlich unschädlich wären. Aber es bedeutet, dass es in der modernen Krebsmedizin offensichtlich sehr gut möglich ist, Krebs erfolgreich zu bekämpfen und dabei trotzdem sehr vorsichtig vorzugehen. Dadurch können offensichtlich die Eierstöcke mit den noch unreifen Eizellen vor solchen genetischen Schäden sehr sicher und wirkungsvoll geschützt werden.

Es wurde außerdem verglichen, ob es Besonderheiten bei den Schwangerschaften und Geburten nach einer Brustkrebserkrankung gab, Unterschiede zu Schwangerschaften ohne vorherigen Krebs. Hier gibt es tatsächlich einige Unterschiede. So stieg die Wahrscheinlichkeit für einen Kaiserschnitt um 14 %. Es hatten also nicht 30 von 100 Frauen einen Kaiserschnitt, sondern 34 von 100. Warum das so ist, dazu können die Zahlen keine Antwort geben. Eventuell wird von der Frau selbst oder den Geburtshelfern eine natürliche Geburt häufiger für zu anstrengend gehalten. Oder die Frauen sind einfach älter bei der Geburt als Frauen ohne vorige Krebserkrankung. Schon allein das führt aus vielen Gründen häufiger zu einem Kaiserschnitt als bei jungen Frauen.

Kein Risiko für Fehl- oder Totgeburten bei vorherigem Brustkrebs

Die Gefahr für eine Frühgeburt oder für niedriges Geburtsgewicht stieg bei vorherigem Brustkrebs um 50 % gegenüber den normalen Schwangeren an. Es kam also statt bei 7 % der Schwangerschaften bei etwa 10 % zu einer Frühgeburt oder einem zu niedrigen Geburtsgewicht des Babys. Etwas häufiger waren Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht, wenn eine Chemotherapie vorausgegangen war. Es gab aber keine Zunahme von Fehl- oder Totgeburten oder von Komplikationen rund um die Geburt herum. Es wurden auch nicht häufiger Präeklampsien oder schwere Blutungen nach der Geburt beobachtet.

Seltener schwanger wegen eines Östrogen-hemmenden Arzneimittels

Insgesamt wurden Frauen nach einer Brustkrebserkrankung seltener schwanger als ohne eine solche einschneidende Veränderung. Einige Faktoren scheinen hierbei wichtig zu sein: So wird bei Brustkarzinomen, deren Wachstum durch das Hormon Östrogen angeregt wird, über fünf bis zu zehn Jahre ein Östrogen-hemmendes Arzneimittel verordnet. Dadurch kann die Rückkehr des Tumors sehr gut zurückgedrängt werden. Während einer solchen Therapie sind Schwangerschaften nicht möglich. Wenn eine Frau gern trotzdem ein Baby bekommen und nicht auf das Ende der Therapie warten möchte, dann kann eventuell in gemeinsamer Beratung mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten nach einigen Jahren eine Arzneimittel-Pause eingelegt werden. Aber auf jeden Fall verzögern diese Medikamente die Familienplanung um mehrere Jahre.

Insgesamt kann auch die Krankheit und die Behandlung so lange dauern, dass danach die Wechseljahre schon ziemlich nahe sind und eine Schwangerschaft nicht mehr möglich. Dieses Phänomen, dass Schwangerschaften im Durchschnitt erst später eintreten und nicht ganz so häufig sind, findet sich auch nach vielen anderen Krebserkrankungen.

Jedenfalls ziehen die Autorinnen und Autoren aus ihren großen Analysen den Schluss, dass eine Schwangerschaft nach Brustkrebs sehr gut möglich ist. Mutter und Baby haben gute Chancen auf einen wunderbaren gemeinsamen Start.

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz

Bild-Copyright © Angiola Harry / unsplash

Quellen:

  1. Souchon R, Schwangerschaft nach Brustkrebserkrankung: Ergebnisse eines systematischen Reviews mit Metaanalyse. Strahlentherapie und Onkologie (2022) pub 22. April 2022, https://doi.org/10.1007/s00066-022-01949-8
  2. Lambertini M et al. Pregnancy After Breast Cancer: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Clinical Oncology 39, no. 29 (October 10, 2021) 3293-3305. https://doi.org/10.1200/JCO.21.00535

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