Blutdruckmessgerät mit Händen auf weißem Hintergrund

Hilfe mein Blutdruck steigt – was jetzt wichtig ist

Es gibt zwei ganz unterschiedliche Gründe, warum der Blutdruck in der Schwangerschaft zu hoch sein kann. Und je nachdem, um welche Ursache es sich handelt, ist die Behandlung ganz unterschiedlich. Manche Maßnahmen sind dann sogar gegensätzlich. Deshalb ist es erstens wichtig, den Blutdruck bei jedem Vorsorgetermin zu messen. Und zweitens ist es wichtig zu unterscheiden, um welche Art von Bluthochdruck es sich handelt.

Blutdruck schon vor der Schwangerschaft hoch?

Die ungefährlichere Variante ist es, wenn der Blutdruck schon vor der Schwangerschaft erhöht war. Das klingt auf den ersten Blick unwahrscheinlich. Aber es stimmt. Es gibt für einen hohen Blutdruck – außerhalb der Schwangerschaft – viele unterschiedliche Gründe. Einerseits ist es die genetische Veranlagung. Aber andererseits erhöhen ein erhöhtes Körpergewicht, zu wenig Bewegung und Sport und Zigarettenrauchen das Risiko für Bluthochdruck. Bei einer Neigung zu erhöhten Blutfettwerten muss auch hierauf geachtet werden. Manchmal liegt auch eine Erkrankung der Nieren oder der Schilddrüse zu Grunde. Zuviel Stress ohne ausreichenden Ausgleich, zuviel Salz und zuviel Alkohol machen die Sache noch schlimmer. Unser Körper hat dabei übrigens andere Antennen als unser Kopf. Selbst wenn man selbst eigentlich denkt, man hätte alles prima im Griff, dann kann trotzdem das Stresssystem im Gehirn anspringen. Dauerhafter Druck auf der Arbeit, unterschiedliche Meinungen mit dem Lebenspartner oder der Lebenspartnerin, Sorgen mit dem Geld, anstehende Veränderungen und ungeliebte Entscheidungen und auch ständige Streitigkeiten in der Familie können den Spiegel der Stresshormone dauerhaft ansteigen lassen.

Frauen sind geschützt – aber nicht immer

Aber nicht alle Menschen, die sich mit ihren Mitmenschen nicht gut vertragen, haben einen Bluthochdruck, nicht einmal dann, wenn sie zu viel Gewicht auf die Waage bringen und sich kaum bewegen. Es kommt immer auch noch ein bißchen Veranlagung dazu, „die Gene“. Außerdem sind Frauen bis zu den Wechseljahren durch die weiblichen Hormone vor Bluthochdruck zumindest teilweise geschützt. Das Robert-Koch-Institut hat ausgerechnet, dass nur 4,2% aller Frauen im Alter von 18 bis 29 Jahren einen zu hohen Blutdruck haben, allerdings schon 9,0% in der Altersgruppe von 30 bis 44 Jahren. Mit einem Alter zwischen 45 und 64 Jahren stieg das Risiko auf 31,6%, und über 65jährige Frauen haben genauso häufig Bluthochdruck wie gleichaltrige Männer, nämlich zu 64%.

Ein hoher Blutdruck verursacht nicht immer Symptome. Trotzdem sollte er gesenkt werden, weil es eine große Belastung für das Herz ist, ständig im Powermodus arbeiten zu müssen. Die wichtigste Maßnahme ist es, sich mehr zu bewegen und Gewicht abzunehmen – wohlgemerkt, wir befinden uns im Moment nicht IN, sondern VOR der Schwangerschaft. Bei manchen – nicht bei allen – Menschen hilft es auch, die Salz- und auch die Kaffeemengen zu reduzieren.

Moderne Blutdrucksenker – vor der Schwangerschaft umstellen

Moderne Blutdrucksenker greifen direkt an den Rezeptoren der Zellen an, die für den Blutdruck verantwortlich sind. Sie sind sehr wirkungsvoll und haben nur wenige Nebeneffekte. Sie können aber direkt auf den Embryo schädigend einwirken. Deshalb ist es besser, schützende Weichen schon vor der Schwangerschaft zu stellen. Denn es gibt ältere Arzneimittel gegen Bluthochdruck, die den Embryo nicht erreichen und auch keinen Schaden anrichten. Am besten spricht man den Kinderwunsch bei der Ärztin oder dem Arzt an, bei dem die Behandlung des Bluthochdrucks stattfindet. Wenn das nicht passiert ist, dann sollte der Termin so bald wie möglich nachgeholt werden, sobald die Schwangerschaft festgestellt wurde. Salzarm essen und viel bewegen – das sollte unbedingt auch in der Schwangerschaft dazugehören. Wenig zu trinken gehört nicht zu den sinnvollen Maßnahmen. Im Gegenteil: Zuwenig trinken kann Kreislaufprobleme und Kopfschmerzen verursachen. Mit der Trinkmenge aufpassen, das müssen nur Menschen, die nierenkrank sind. Aber davon soll hier nicht die Rede sein.

Blutdruck steigt erst während der Schwangerschaft?

Kommen wir zur zweiten Variante – normaler Bluthochdruck am Anfang der Schwangerschaft, der dann nach und nach ansteigt. Das passiert etwa bei jeder zehnten Schwangerschaft. Lange Zeit hat die Medizin auch hier ganz automatisch angenommen, dass Blutdrucksenker und salzarmes Essen das richtige Mittel seien. Aber das ist falsch. Den Babys, deren Mütter in diesen Fällen frühzeitig und energisch mit Blutdrucksenkern behandelt wurden, ging es häufig schlechter als vorher. Das Wachstum und ihre Entwicklung verzögerten sich, sie bekamen Sauerstoffmangel, es kam zu Komplikationen. Warum das?

Dann liegt es an der Plazenta

Es liegt daran, warum überhaupt der Körper den Blutdruck erhöht. Das kommt nämlich in diesem Fall nicht vom Herzen, nicht von den Stresshormonen oder der Niere. Es kommt von der Plazenta, dem Mutterkuchen. Das Blut, das von der Mama zum Baby geht, wird ja nicht einfach wie beim Doppelstecker eines Gartenschlauchs vom Kreislauf der Mutter zum Kreislauf des Babys weitergeleitet. Sondern es fließt zunächst in der Gebärmutter durch das sehr feine Filtersystem der Plazenta, in der sich die Blutgefäße zunächst sehr fein verästeln. Dann fließt das Blut in tausende winzig kleiner, verzweigter Blutseen. Von der anderen Seite lagern sich Kapillaren aus dem Kreislaufsystem des Babys an diese Mikro-Blutseen an. Dazwischen liegt eine Membran, die nur wenige Zellschichten dick ist. An dieser hauchdünnen Membran – der sogenannten Plazentaschranke – werden die weißen und roten Blutkörperchen der Mutter festgehalten, die allermeisten Krankheitserreger und viele Giftstoffe. Hindurchgelassen werden Sauerstoff, Vitamine und Nährstoffe – alles das, was das Baby zum Wachsen braucht.

Das Baby bildet sein eigenes Blut

Das Baby bildet sein eigenes Blut, seine eigenen roten Blutkörperchen und seinen eigenen Blutfarbstoff. Durch die Blutgefäße der Nabelschnur gelangt das Blut des Babys in die Gebärmutter, nimmt dort Sauerstoff und Nährstoffe auf und bringt sie zum Baby zurück. In der Placenta wird außerdem auch der Druck aus dem mütterlichen Kreislauf abgesenkt.

Eine gesunde, gut funktionierende Plazenta ist die Grundlage dafür, dass das über neun Monate so reibungslos klappt. Die Placenta wächst mit dem Baby mit und wiegt selbst am Ende der Schwangerschaft 500 Gramm oder auch mehr. Dafür müssen in der Plazenta ständige feine, neue Blutgefäße und „Blutseen“ gebildet werden; die Filtermembranen müssen wachsen und ebenso auch die Kapillaren des Babys.

Höherer Druck – bessere Versorgung des Babys

Manchmal macht das Probleme. Wenn die Plazenta aber nicht mehr genug wächst, kommen nicht mehr genug Sauerstoff und Nährstoffe zum Baby. Das kann auch passieren, wenn die Membranen zwischen dem Blut der Mama und den Blutgefäßen des Babys nur einen Mikrometer zu dick sind, zum Beispiel durch eine Entzündung. Das ungeborene Baby hungert dann. Aber es kann mit diesem Mangel eine Zeitlang umgehen: Es wächst dann nicht mehr so schnell. Man spricht von einer intra-uterinen Wachstums-Verzögerung. Die Plazenta hat ihrerseits dann noch einen Trumpf im Ärmel: Sie schüttet Botenstoffe aus, die den Blutdruck im Kreislauf der Mutter erhöhen. Denn durch den höheren Druck in der Plazenta kann es gelingen, dass das Baby dann doch noch ausreichend versorgt wird.

Blutdrucksenker nur bei Gefahr für die Mama

Sie verstehen jetzt, warum es in dieser Situation keine gute Idee ist, den Blutdruck sofort mit Arzneimitteln zu senken. Denn dann bekäme das Baby noch weniger Sauerstoff, noch weniger Nährstoffe. Eine Blutdrucksenkung mit Medikamenten würde erst dann vorgenommen, wenn die Gesundheit der Mama gefährdet ist. Die aktuelle Leitlinie der wissenschaftlichen Fachgesellschaft sagt, dass das etwa ab einem Blutdruck von 150/100 der Fall ist. Natürlich würden hier nur solche Arzneimittel verwendet, die für die Schwangerschaft gut geeignet sind.

Mit dem erhöhten Blutdruck können weitere Symptome einhergehen – Ödeme, Verlust von Eiweiß durch die Nieren und natürlich das verzögerte Wachstum des Babys. Der ganze Komplex wird medizinisch unter dem Fachwort „Gestose“ zusammengefasst. Übersetzt heißt das einfach „Schwangerschaftskrankheit“.

Viel trinken, viel Salz, viel Eiweiß!

Keinesfalls sollen Frauen mit einer Gestose auf Salz verzichten. Viel, viel trinken und ausreichend Salz, das sind hier ganz wichtige Botschaften. Auch sollte reichlich genug Eiweiß gegessen werden, weil der Bluthochdruck die Niere schädigen kann, und weil es dadurch zu einem ständigen Eiweißverlust kommt. Auch das kann dem Kind schaden!

Die Verzögerungen des Wachstums können mit dem Ultraschall gut kontrolliert werden. Mit dem CTG kann man zusätzlich immer wieder überprüfen, ob das Kind noch gut mit Sauerstoff versorgt wird oder schon einen Sauerstoffmangel hat – denn dann verändern sich die Herztöne.

Zum Ende der Schwangerschaft hin kann die Situation kritisch werden: Das Baby braucht dann sehr viel Sauerstoff. In der kranken Plazenta kann aber nicht genug Sauerstoff durch die Membranen hindurchgelangen. Das Baby bekommt zunehmenden Sauerstoffmangel. Die Plazenta versucht dann, den Blutdruck immer weiter zu steigern. Der Blutdruck der Schwangeren kann sich in kurzer Zeit sehr stark erhöhen (mehr in unserem Präeklampsie-Beitrag). Nur und einzig die Geburt ist dann ein sinnvoller Ausweg. Danach sinkt der Blutdruck sofort. Das Baby kann selbst atmen und bekommt dann endlich so viel Sauerstoff wie es braucht. Wenn die Wehen von allein einsetzen, umso besser. Manchmal kann aber ein Kaiserschnitt die Gesundheit von Baby und Mama besser schützen. Aber lieber sind beide nach einem Kaiserschnitt lebendig und gesund, als dass es Komplikationen gibt, an die man lieber gar nicht denken möchte.

Zum Abschluss zwei wichtige Links:

www.embryotox.de Auf diesem Portal können die Schwangere und die behandelnden Ärztinnen und Ärzte nachlesen, welche Arzneimittel in der Schwangerschaft bedenklich und welche unbedenklich sind.

www.gestose-betroffene.de Ein wichtiges Portal für alle Frauen, die in ihrer Schwangerschaft von Bluthochdruck betroffen sind und den vielen Folgen, die sich daraus für ihre eigene Gesundheit und die des ungeborenen Babys ergeben.

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz

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