Schwangerschaftsyoga in der Position Indische Brücke. Porträt einer jungen Schwangeren vor einer weißen Steinwand auf Yogamatte

Indische Brücke: Das Baby bei Beckenendlage zum Drehen bewegen

Schwangerschaftsyoga in der Position Indische Brücke. Porträt einer jungen Schwangeren vor einer weißen Steinwand auf Yogamatte
Lieber mit Kissen als frei schwebend: Die Indische Brücke als Alternative zur äußeren Wendung bei Beckenendlage.

Setu Bandha Sarvangasana oder Sethu Bandhasana heißt die Übung im Hatha-Yoga. Setu steht für Brücke, Bandha heißt Bindung, Sarvangasana ist der Schulterstand, bekannt auch als Kerze. Für die Übung liegen Sie auf dem Rücken und heben dann das Becken und den gesamten Körper hoch an. Nur noch die Schultern liegen auf dem Boden und halten Sie die Spannung. Man kann auch die Füße so weit unter die Knie ziehen, dass man die Knöchel mit den Händen umfassen kann.

Die Indische Brücke – kann sie es oder nicht?

Diese Übung soll die Körpervorderseite öffnen, Rückenschmerzen lindern und den Nacken trotzdem entspannen. Das Blut soll zum Herzen fließen, die Dehnung der Körpervorderseite die Bauchorgane stärken und die Verdauung verbessern. Kinder können das aus dem Stand. Die meisten Erwachsenen nicht mehr so gut, jedenfalls nicht, ohne dass es in der Wirbelsäule knackst. Viel besser bekannt ist die kleine Schwester dieser Übung, bekannt als „Indische Brücke“, in der Geburtsvorbereitung. Sie braucht keine Yoga-Erfahrung, keinen durch und durch Yoga-gedehnten und geübten Körper, sondern nur ein bisschen Entspannung und Zeit. Es gilt auch nicht, den Körper durch Willens- und Muskelkraft frei in der Schwebe zu halten. Unterstützen Sie das Becken durch Kissen, Decken und andere bequeme Utensilien.

Der Begriff aus der indischen Tradition wird gern verwendet, mit Yoga hat das aber nichts zu tun. Die Übung soll Abhilfe schaffen, wenn das Baby noch im achten Monat mit dem Popo zuunterst in der Gebärmutter kauert, statt sich ordnungsgemäß in den Kopfstand zu begeben. Vielleicht weil das ein bisschen den Eindruck erweckt, das Baby würde sich durch fernöstliche Weisheit zur Einsicht bringen lassen. Aber es ist nicht die Yoga-Übung, nicht das Mantra, das Fließen der Energien von hier nach da, das den Effekt dieser Übung ausmacht, wenn sie denn funktioniert. Sondern reine Anatomie. Aber jetzt von Anfang an.

Kopf ist rund und groß, Po ist hart und kleiner

Die natürliche Geburt funktioniert am besten, wenn das Baby mit dem Kopf nach unten liegt und mit seinem Rücken zur Bauchdecke der Mutter hin. Der Kopf sollte sich dann noch ein bisschen einwölben, als wollte das Baby auf seine Füße gucken. Dann ist der Hinterkopf der unterste Teil des Babys, deshalb wird diese Lage „Vordere Hinterhauptlage“ genannt. Ideal für unkomplizierte Geburten. Die Geburt kann natürlich auch funktionieren, wenn das Baby zum Nabel der Mutter guckt. Oder auch, wenn die Halswirbelsäule sich nicht beugt. Dann sind Können und Erfahrung der Hebammen und der ärztlichen Geburtshelferinnen und Geburtshelfer gefragt, damit es trotzdem eine Geburt wird, die glatt verläuft und bei der weder das Baby noch die Mama einen Schaden nehmen.

Deutlich schwieriger wird das, wenn das Baby mit dem Popo nach unten sitzt. Denn Po und Becken sind nicht die größte Stelle des Babys, sondern der Kopf. Man kann das durch die Bauchdecke gut tasten in den Zeiten, in denen das Baby noch im Bauch rumtoben kann. Ist das, was man da fühlt, groß und rund, dann ist es der Kopf. Ist es etwas kleiner und härter, dann ist es das Gesäß.

Warum die Beckenendlage so problematisch ist

Der kleinere Po schiebt sich durch die Wehen zunächst einfacher durch den Muttermund als der Kopf. Aber genau das ist das Problem. Kommt der Kopf als Erstes, dann dehnt er den Muttermund so aus, dass alles andere, unterstützt durch die Hebamme, danach leicht nachfolgen kann. Kommt das Baby mit dem Po oder den Füßen zuerst, dann besteht die Gefahr, dass es beim Durchtritt des breiteren Schultergürtels mit den Armen zu einer schwierigen Situation kommt oder dass der Muttermund sich nicht ausreichend öffnet, um auch den Kopf durchzulassen.

Es braucht eine große Erfahrung bei natürlichen Geburten aus Beckenendlage, bei der Hebamme und bei den ärztlichen Geburtshelferinnen und -helfern, damit es nicht zu Komplikationen kommt. In Geburtskrankenhäusern, in denen niemand eine solche große Erfahrung hat, wird deshalb die Geburt per Kaiserschnitt bevorzugt. Das ist für Mutter und Kind allemal die bessere Entscheidung, als dass das Baby nach einer fehlgeschlagenen natürlichen Geburt aus Beckenendlage mit einem Nerven-Abriss an der Schulter oder mit anderen dauerhaften Folgen leben muss.

Nicht zu früh, nicht zu spät

Statt sich nun darauf zu verlassen, dass das mit der natürlichen Geburt aus Beckenendlage schon irgendwie gut gehen wird, können Sie rechtzeitig vor der Geburt einiges versuchen, um das Baby zu drehen. Dabei ist der Zeitpunkt wichtig: Bis etwa zur 32. Bis 34. Woche ist das Baby noch klein genug, um sich selbst immer wieder zu drehen und zu wenden. Irgendwann werden diese Wechsel seltener. Da das in einer Phase der Schwangerschaft passiert, in der die Mutterschaftsvorsorge ohnehin schon in zweiwöchigem Abstand passiert, kann man das gut beobachten und kontrollieren.

Etwa ab der 36. Woche ist das Baby dann so groß, dass es keinen Platz mehr hat, um kreuz und quer durch die Gebärmutter zu toben. Es bleibt dann bis zur Geburt in der Position, die es bis dahin eingenommen hat. Etwa in der 37. Woche wird deshalb manchmal eine äußere Wendung durchgeführt. Das ist eine Maßnahme, die nur in der Klinik vorgenommen werden darf. Denn wenn dabei etwas schiefläuft, sollte die Möglichkeit bestehen, sofort einen Kaiserschnitt durchzuführen.

Zwei Stunden und vier Hände für die äußere Wendung

Für die äußere Wendung wird zunächst die Muskulatur der Gebärmutter durch Wehenhemmer erschlafft. Danach versuchen zwei einfühlsame Personen, das Baby im Bauch mit vier Händen von außen nach und nach ganz vorsichtig zu drehen. Hat es sich ein Stückweit bewegt, dann wird mit der Hand an dieser Stelle gegengehalten, damit es nicht wieder zurückrutschen kann. Es kann bis zu zwei Stunden oder auch länger dauern, bis das geschafft ist. Die Universitätsfrauenklinik Hamburg-Eppendorf hat ihre Statistiken zu den äußeren Wendungen ausgewertet: In fast 60% war die Maßnahme erfolgreich, das Baby konnte gedreht werden und kam dann mit einer normalen Geburt zu Welt. Wird mit dem Versuch der Drehung zu lange gewartet, dann klappt das meistens nicht mehr. Und wenn man die Wendung zu früh versucht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich das Baby wieder vom Kopfstand zurückstrampelt, bis es den Kopf wieder oben hat und Po und Füße unten.

Mindestens 30 Zentimeter Höhenunterschied

Kommen wir jetzt zu dem, was Setu Bandha Sarvangasana, die Indische Brücke, mit dieser Situation zu tun hat. Wie schon oben beschrieben, sollten Sie bei dieser Übung in der Schwangerschaft das Becken nicht freischwebend in die Luft heben, bis die Muskulatur der Oberschenkel versagt, sondern das Becken so hoch lagern, dass es gerade noch erträglich für Sie ist Sie ein bisschen im Hohlkreuz liegen und erst mit dem Schultergürtel auf dem Boden aufliegt. Natürlich kann auch hier eine Decke untergelegt werden. Aber es reicht auch nicht, einfach zwei Sofakissen übereinanderzulegen. Das ist ein zu geringer Höhenunterschied: 30 Zentimeter dürfen es durchaus sein, gern auch noch etwas mehr. Je höher Sie liegen, umso weiter werden Sie die Kissen nach unten Richtung Steißbein schieben. Vielleicht passt das niedrige Sofa, das Bett, mehrere feste Sesselpolster. Trotzdem soll das Ganze noch irgendwie bequem sein, denn wir brauchen Zeit.

Die Indische Brücke muss eine Chance haben zu wirken

Es gibt zwei Theorien, warum sich das Baby nach der Indischen Brücke von der Beckenendlage auf die Schädellage dreht. Die eine sagt, wenn die Frau nach dieser Übung schnell aufsteht, würde das Baby durch den schnellen Richtungswechsel angeregt, einen Purzelbaum zu schlagen. Die andere sagt, dass das Baby die liebgewonnene Position aufgibt, weil diese Position ihm in der Fast-Kopfüber-Lage der Indischen Brücke unbequem wird. Das scheint mir, Ihrer Blogautorin, die wahrscheinlichere Erklärung. Das bedeutet aber auch, dass es nicht ausreicht, das Becken ein- oder zweimal am Tag für 10-15 Minuten hochzulagern.

Das Baby sollte ja dafür wach sein, es sollte die Chance haben, sich unbequem zu fühlen und Versuche zu unternehmen, das zu ändern. Dafür sind 15 Minuten zu kurz. Viele Hebammen sagen, dass die Indische Brücke sowieso nichts bringt. Sagen wir mal so: Wenn Sie das wirklich versuchen wollen, dann müssen Sie dieser Übung auch erlauben zu wirken. Wenn ihr Kreislauf es zulässt, wenn Ihnen weder übel noch schwindelig wird, Sie keine Schmerzen im Kopf, Nacken oder Rücken bekommen, Sie kein Kribbeln in den Beinen bekommen und es Ihnen auch sonst gut geht, bleiben Sie ruhig eine Stunde liegen, und zwar an mehreren Tagen nacheinander und vielleicht auch nochmal, wenn Ihr Baby sich schon gedreht hat.

Wann für diesen Versuch der richtige Zeitpunkt ist, das hängt davon ab, wie groß ihr Baby ist. Sehr große Babys können sich schon in der 35. Woche nicht mehr gut drehen. Da sollte es vielleicht die 34. Woche sein. Eher kleine Babys dagegen sind noch in der 37. Woche beweglich. Und was groß und klein hier bedeutet, das lesen Sie bitte nicht nur auf der Wachstumstabelle im Mutterpass nach, sondern das beziehen Sie auch auf Ihre eigene Körpergröße. Die Frage ist immer, ob das Baby in Ihrem Bauch – und nicht Bauch einer mittelgroßen, fiktiven Standardschwangeren – noch seine Lage ändern kann oder nicht.

Keine Erfahrung – keine natürliche Geburt

Und wie gesagt, das ist nur ein Versuch. Wenn er fehlschlägt, kommt noch die äußere Wendung infrage. Wenn das Baby trotz allem definitiv in der Beckenendlage bleiben will, dann müssen Sie sich entscheiden, am besten zusammen mit der Geburtsklinik. Ist dort wirklich genug Erfahrung vorhanden, damit Sie ihr Baby ohne Risiko und ohne Komplikationen auf natürlichem Weg bekommen können? Und sind diejenigen, die diese große Erfahrung haben, dann auch rund um die Uhr erreichbar und stehen sicher für Ihre Geburt zur Verfügung? Wenn Sie das Gefühl haben, dass das nicht so ist, und wenn Ihr Baby in Beckenendlage vielleicht auch ziemlich groß ist, dann sollten Sie für die Gesundheit und Sicherheit Ihres Babys auf die natürliche Geburt verzichten und sich für einen Kaiserschnitt entscheiden.

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz

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