Intersexualität – Leben zwischen den Geschlechtern

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Intersexualität – Leben zwischen den Geschlechtern

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Statistisch gesehen kennt jeder von uns eine Person, bei der die Zuordnung des Geschlechts nicht eindeutig ist. Man schätzt die Zahl dieser besonderen Menschen deutschlandweit auf 80.000, das heißt eines von 500 Babys wird in ein „drittes“ Geschlecht geboren. Dabei bestimmt die Chromosomenkombination XX die feminine Hormon- und Merkmalsausprägung sowie die XY-Chromosomenkombination die maskuline Entwicklung.

Es gibt diverse Ursachen, die aus medizinischer Sicht die verschiedenen „Syndrome“ der Intersexualität darstellen. Die Betroffenen allerdings sehen sich nicht als Kranke oder gehandicapt. Sie sind in erster Linie Menschen und darum soll es in diesem Beitrag auch gehen. Da auch Sie unerwartet in die Situation kommen können, ein Baby zu haben, das sich nicht in diese gesellschaftlichen Schubladen pressen lässt. Bis Ende der 80er Jahre war es üblich, die Eltern dazu zu drängen eine schnelle Entscheidung über das Geschlecht des Kindes zu fällen. Heutzutage hat sich allerdings, auch in der Medizin, weitest gehend die Meinung durchgesetzt, dass nicht nur sichtbare Geschlechtsmerkmale, sondern vielmehr die Erfahrungen und das Aufwachsen zur Formung und Reifung eines Menschen beiträgt. Glücklicherweise werden Geschlechtsangleichungen und Hormontherapien in der Regel nur noch mit der Zustimmung des Betroffenen durchgeführt, es sei denn es ist dringend erforderlich (wie beispielsweise beim Adrenogenitale Syndrom (AGS), bei dem die Tätigkeit der Nebennierenrinde gestört ist, was zu einem lebensgefährlichen Salzverlust führen kann).

Vor allem ist es für die Betroffenen wichtig Lebenszufriedenheit zu erlangen und durch solide und vertrauensvolle Eltern-Kind-Bindungen die charakterliche Festigkeit vor allem junger Intersexueller zu gewährleisten. Denn schon im Kleinen beginnt die Einengung. So unterliegen Ämter und Behörden der bipolaren Gesellschaft und zwingen sie sich zu bekennen – kein Raum für das Besondere? Häufig erfahren Eltern erst kurz nach der Geburt, dass ihr Baby weder eindeutig männliche oder weibliche Geschlechtsmerkmale hat. Manchmal wird es auch erst im Laufe der Pubertät oder im Zuge von Hormon- oder Genuntersuchungen offensichtlich. Innere Geschlechtsorgane können im Zweifel auch leicht mit einem Ultraschall sichtbar werden. Aber allem voran, Ihrem Baby bedingungslose Liebe zu schenken ist das Wichtigste, um ihm die Möglichkeit zu geben seine Persönlichkeit zu entfalten und sich, wenn notwendig, im Laufe seines Lebens für ein Geschlecht zu entscheiden.

Operative Eingriffe sollten nur von erfahrenen Ärzten durchgeführt werden, d.h. der Operateur sollte pro Jahr mindestens drei bis vier Behandlungen vollzogen haben.
Wenn Ihr Baby eine besondere Geschlechtsentwicklung aufweist, haben Sie das Recht auf ein interdisziplinäres Behandlungsteam mit Vertretern unterschiedlicher medizinischer Fachrichtungen und beziehen Sie auch Experten außerhalb der Medizin ein. Es gibt zahlreiche positive Beispiele für Eltern, die gezeigt haben wie leicht es sein kann ein Baby groß zu ziehen ohne ihm zu diktieren wozu es gehören muss oder sollte. Der offene Umgang mit der vorurteilsbehafteten Thematik baut bei allen Beteiligten maßgeblich Hemmschwellen und psychischen Druck ab. U.a. folgende Beratungsstellen helfen Ihnen Ihren individuellen Weg zu finden (weitere im Internet):

Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.
VIVA TS Selbsthilfe München e.V.
https://www.baby-care.de//www.intersexuelle-menschen.net/