Ist eine abnehmende Kaiserschnittrate in Deutschland als positiv zu bewerten?

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Ist eine abnehmende Kaiserschnittrate in Deutschland als positiv zu bewerten?

Dieser Artikel bezieht sich auf eine aktuelle Pressemitteilung des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V., in welcher vor allem der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Herr Dr. med. Christian Albring hinterfragt, ob der in 2013 feststellbare Trend einer sinkenden Kaiserschnittrate mögliche Aussagen über die Kaiserschnittrate als Beurteilungskriterium für eine qualitative Einordnung der Geburtsmedizin in Deutschland zulässt.

Laut Statistischem Bundesamt ist die Kaiserschnittrate zwischen 2011 und 2012 von 32,1% auf 31,7% gesunken, was einem Minus von 0,4% entspricht und deshalb wohl kaum als Zeichen einer Trendwende gesehen werden kann. Außerdem führt Dr. Albring an, dass vor allem die Anzahl durchgeführter sekundärer Kaiserschnitte stetig zunähme, was de facto ein „erheblicher Nachteil für Mutter und Kind“ ist.

Wie verteilen sich durchgeführte Kaiserschnitte innerhalb Deutschlands?

Die Entwicklung der Kaiserschnittrate kann man in Deutschland durchaus als sehr gegensätzlich beschreiben, da die Kaiserschnitthäufigkeit (seit 2011) zwar in Bundesländern, die bisher mit einer relativ niedrigen Kaiserschnittrate aufwarten konnten, z.B. in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin, kontinuierlich zu steigen scheinen in Bundesländern, wie z.B. Bayern, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, die im nationalen Vergleich eher am oberen Rand der Kaiserschnitthäufigkeitsskala angesiedelt waren, ist der Trend hingegen als rückläufig zu bewerten. Für detaillierte Aussagen lassen sich Daten aus einer bayerischen Perinatalerhebung aus 2012 heranziehen, die auch eine Trendauswertung für das laufende Jahr 2013 erlauben.

Wie bereits erwähnt hat die Kaiserschnittrate in Bayern in den letzten drei Jahren kontinuierlich abgenommen (von 33,6%( 2011) auf vorläufig 33,0% (Trendanalyse 2013)). Dabei ist allerdings eine schwerwiegende Problematik zu erkennen, die sich in der Unterscheidung von primärer und sekundärer Sectio caesarea erkennen lässt. Hier lässt sich feststellen, dass die Anzahl sekundärer Sectiones unter den Kaiserschnitten insgesamt kontinuierlich zunimmt, die Zahl geplanter, also primärer Sectiones immer weiter abnimmt (dieses Verhältnis war bis 2010 genau umgedreht). Da die Entscheidung für eine sekundäre Sectio erst während der Geburt fällt besteht entsprechend ein deutlich höheres Gesundheitsrisiko für die Mutter und das bis dahin noch ungeborene Baby, sollte dieses Vorgehen an sich dringend vermieden werden.

Aus der bayerischen Perinatalerhebung geht außerdem hervor, dass die Zahl wiederholter Kaiserschnitte von 2011 bis 2013 um 1,9% zugenommen hat (6,6% (2011) zu 8,5% (2013)). Dies betrifft Entbindungen per Kaiserschnitt bei Müttern, bei denen bei einer vorhergehenden Geburt ebenfalls ein Kaiserschnitt durchgeführt wurde.

Wie bewertet man nun die insgesamt sinkende Kaiserschnittrate?

Wie man letztlich die Bewertung der hier dargestellten Problematik auf die zu Beginn gestellte Frage vornimmt ist nicht eindeutig, da viele Interpretationsspielräume bleiben. Man könnte die Zahlen so deuten, dass in Bundesländern mit vergleichsweise hoher Kaiserschnittrate (siehe Bayern) versucht wird diese zu senken, man also möglichst auf eine primäre Sectio verzichtet, so aber eventuell notwendige Kaiserschnitte auslässt, die sich dann bei der Geburt als sekundäre Sectio doch noch als nötig erweisen. So könnte man die, parallel zur sinkenden Anzahl primärer Sectiones, steigende Zahl sekundärer Sectiones erklären.

Um also zu entscheiden, ob man bei einer Schwangeren eine primäre Sectio plant oder eine möglicherweise mit einem gewissen Restrisiko verbundene spontan vaginale Geburt abwartet, sollte sich immer am Wohle des Kindes und der Mutter orientieren. So möchte ich diesen Beitrag mit einer von Dr. Albring zitierten Aussage beschließen; „Wichtig ist es, dass es Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt gut geht, und dass beide keine dauerhaften gesundheitlichen Schäden aus der Geburt davontragen“.

(Quelle: https://www.baby-care.de//www.bvf.de/presse_info.php?r=2&m=0&s=0&artid=445)