Muttergefühle – Programmierbare Liebe?

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Muttergefühle – Programmierbare Liebe?

Die Geburt des eigenen Kindes gehört zweifellos zu einem der schönsten Erlebnisse im Leben einer Frau. Da ist es nicht zu akzeptieren, dass Frauen auch negative Gefühle zum Ausdruck bringen? So zumindest wird es von der Gesellschaft und den Medien suggeriert. Aber, die immer lächelnde, verständnisvolle, liebende Mutter, die ihre Kinder in allen Lebenslagen ohne Einschränkung versorgt und unterstützt, gibt es in Wirklichkeit nicht. Frauen, bei denen die Muttergefühle auf sich warten lassen, fühlen sich oft als Rabenmütter und versuchen ihre Probleme zu verstecken. Dabei ist es auch normal, sich vorerst hilflos und nicht glückselig zu fühlen. Auch Mutterliebe kann reifen, sie muss nicht bedingungslos und von Anfang an da sein. Manche frisch gebackenen Mütter berichten eher von einem Gefühl der Gleichgültigkeit, als sie ihr Kind das erste Mal im Arm hielten. Jede Frau empfindet das Muttersein anders und es gibt kein Richtig oder Falsch. Die ersten Stunden nach der Geburt sind bei der Bindung zwischen Eltern und Kind besonders wichtig, deshalb ist nicht günstig, wenn Mutter und Kind direkt nach der Geburt getrennt werden. Wann genau sich allerdings die Bindung festigt, darauf hat die Forschung bis heute aber keine genauen Erkenntnisse gewinnen können.

Negative Gefühle gegenüber dem Baby sind oft ein Zeichen von Überforderung. Die neue Situation als Familie, die Rückbildung des Körpers, die Hormonumstellung, der Druck, allen Erwartungen von innen und außen gerecht werden zu müssen, zu wenig Schlaf, das Stillen. All diese Faktoren wirken auf den Gemütszustand und das Befinden der Mutter ein. Um dem Aufkommen negativer Gefühle entgegenzusteuern, hilft es oft schon den Partner als Unterstützung zu mobilisieren und nach und nach eine Gemeinschaft zu bilden. Sie müssen lernen ohne Scham über Probleme zu sprechen und die eigenen Grenzen und Schwächen anzunehmen. Auch das Kind profitiert von einer Erziehung, in der es die Schwächen der Eltern kennt und einzuschätzen weiß. Nach der Geburt des eigenen Kindes wird einem einmal mehr bewusst, wie wichtig die Beziehung zur eigenen Mutter war und ist. Längst vergessene oder verdrängte Ängste und Konflikte kommen an die Oberfläche. Dies zu überwinden gelingt nur, wenn man dies offensiv aufarbeitet. So scheint die Geburt auch eine Chance zu sein, Beziehungen und Dinge zu klären, die einem aus der eigenen Vergangenheit nachhängen – so lange man bereit ist, sich dem zu stellen und sich darauf einzulassen. Es heißt nicht umsonst, aus Fehlern lernt man.

Sollten die negativen Gefühle gegenüber dem Kind über lange Zeiträume nicht nachlassen, kann das aber ein Hinweis auf eine schwerwiegendere Depression sein. Dann sollte unbedingt professionelle Hilfe bei einem Therapeuten aufgesucht werden.