Dieses Paar hat es rechtzeitig ins Krankenhaus geschafft. Das Neugeborene erholt sich von der Geburt.

Rechtzeitig ins Krankenhaus – wie entscheidet man das?

Geburt auf einer Tankstelle, Geburt in einer Autobahn-Raststätte, Geburt auf einem Parkplatz – so etwas passiert auch in Deutschland immer wieder. Manchmal handelt es sich um eine Sturzgeburt. Das ist eine Geburt, bei der es vom Beginn der Wehen an bis zu den Presswehen nur ganz kurze Zeit dauert. In den meisten Fällen haben die Schwangere und die Menschen, die sie begleiten, die Situation falsch eingeschätzt und sind nicht rechtzeitig ins Krankenhaus gekommen.

Aus dem Jahr 2017 stammt diese Begebenheit: Eine Schwangere und ihr Ehemann wohnen 20 Kilometer südlich von Köln. Der Mann arbeitet in Leverkusen, ein Stück nördlich von Köln. Vom Wohnort bis nach Leverkusen ist es eine halbe Stunde Fahrzeit, aber nur dann, wenn es keinen Stau gibt. Also zum Beispiel nachts um eins. Obwohl in direkter Nähe zum Wohnort eine Geburtsklinik liegt, soll das Baby unbedingt in einer Klinik in Bonn zur Welt kommen. Wahrscheinlich muss ich hier gar nichts mehr weiter ausführen – Sie ahnen, was passiert.

Erst im Stau, dann Geburt auf einer Tankstelle

Am Vormittag bekommt die werdende Mama zu Hause Wehen, zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Aber sie nimmt das nicht so ernst, ein wenig Vorwehen werden das wahrscheinlich sein… Erst als sie ganz sicher ist, dass das kein blinder Alarm ist, weil die Wehen stärker werden und in kürzeren Abständen kommen, ruft sie ihren Mann an, der – siehe oben – in Leverkusen arbeitet. Es ist vereinbart, dass er nach Hause kommen und sie im Auto nach Bonn fahren soll. Aber zuerst einmal steckt der werdende Papa auf der Strecke von Leverkusen um Köln herum im Stau. Und dann kommt, was kommen muss: Auf dem Weg in die Klinik platzt bei der werdenden Mama im Auto die Fruchtblase. Keine Chance, noch rechtzeitig das Krankenhaus zu erreichen. Fünfeinhalb Stunden, nachdem die Wehen begonnen haben, kommt das Baby auf einer Tankstelle zur Welt, drei Minuten nachdem der Rettungswagen eingetroffen ist.

Fünfeinhalb Stunden vom Beginn der Wehen bis zur Geburt, das ist nichts Ungewöhnliches. Nur wann genau sind es noch Vorwehen, Übungseinheiten der Gebärmutter, und wann geht die Geburt wirklich los? Wie erkennt man das vorwiegend dann rechtzeitig, wenn die Geburt deutlich vor dem Geburtstermin losgeht und eigentlich noch niemand damit rechnet? Ende November fuhr eine schwangere Neuseeländerin mit dem Fahrrad zur Geburt. Auch hier war das anders geplant, aber das Lastenfahrrad war kaputt, mit dem ihr Mann sie eigentlich kutschieren wollte. Unterwegs kamen die Wehen dann im Zwei-Minuten-Abstand. Sie hatte Glück, sie erreichte das Krankenhaus noch rechtzeitig. Aber gut geplant war auch das nicht.

Harter Bauch – das kennen alle Schwangeren

Dass immer mal wieder der Bauch hart wird, das kennen alle Schwangeren über viele Monate lang. Muss ich mir Sorgen machen? Geht es schon los? Oder ist alles noch völlig normal und entspannt? Der wichtigste Termin, um diese Frage zu beantworten, ist zunächst einmal die regelmäßige Schwangerenvorsorge bei der Frauenärztin, dem Frauenarzt oder der Hebamme. Ab der 32. Woche bis zur Geburt sollte sie alle zwei Wochen stattfinden, rund um den Geburtstermin auch häufiger.

Bei diesem Termin wird regelmäßig untersucht, ob der Muttermund noch fest verschlossen ist, oder ob er langsam schon nachgibt und aufgeht. Die Hebamme kann das nur mithilfe einer Tast-Untersuchung feststellen. Bei der frauenärztlichen Untersuchung kann ein Ultraschallgerät verwendet werden. Das hat den großen Vorteil, dass dabei auch gemessen werden kann, wie lang der Muttermund noch ist.

Wie lang ist der Muttermund?

Wie bitte, was bedeutet denn „lang“? Wieso ist der Muttermund lang? Was hat das mit der Geburt zu tun?

Schließen Sie bitte einmal eine Hand zur Faust. Dann öffnen Sie nur den Daumen, den vierten und fünften Finger. Übrig bleibt eine halbe Faust mit geschlossenem Zeige- und Mittelfinger. Wenn Sie diesen Zeige- und Mittelfinger ganz festzumachen und sich einen geschlossenen Kreis vorstellen, bekommen Sie einen Eindruck davon, wie stark die Muskulatur ist, die den Muttermund bildet: Der Muttermund ist ein kräftiger, ringförmiger Muskel, am oberen Ende geht er in die Gebärmutter über. Am unteren Ende wölbt er sich in die Vagina hinein.

Der Muttermund, auch Portio genannt, ist während der ganzen Schwangerschaft normalerweise bombenfest verschlossen, auch wenn sie joggen oder tanzen. Außerdem sitzt in ihm noch ein fester Schleimklumpen. Dieser Pfropfen verhindert, dass Bakterien, Viren und Pilze aus der Vagina durch den Muttermund hindurchwandern. Denn wenn solche Keime in die Gebärmutter gelangen, ist das eine gefährliche Situation. Davon ein andermal mehr.

Bei Wehen gibt es nur ein Ziel …

Wenn der Bauch nur einfach hart wird, weil die Muskulatur schon mal ein wenig trainieren will, dann verändert das den Muttermund überhaupt nicht. „Sitzt alles fest und sicher“ heißt es dann bei der Ultraschall-Untersuchung.

Wenn es sich allerdings um Wehen handelt, dann sieht die Sache anders aus. Leichte Wehen können sich zwar anfangs fast identisch anfühlen wie der „harte Bauch“. Aber bei Wehen sind auch die Muskelfasern beteiligt, die bis in den Muttermund hineinziehen. Denn dann gibt es einen Plan: Dann soll über kurz oder lang das Baby seine warme Höhle verlassen.

… das Baby soll raus

Die erste Veränderung, die Frauenärztin oder Hebamme dann feststellen, ist, dass sich der Muttermund von seiner Oberseite aus, also von der Gebärmutter aus, zu öffnen beginnt. Das kann man bei der Ultraschall-Untersuchung oder auch bei der Tastuntersuchung feststellen, weil sich dann die Portio nicht mehr so fest anfühlt wie vorher. Sie „verkürzt sich“, heißt es im Fachjargon, sie wird weicher. Und wenn der Prozess weiter fortschreitet und die Muskelwulst gar nicht mehr tastbar ist, spricht man davon, dass die Portio „verstreicht“.

Solange bei der Vorsorge-Untersuchung der Muttermund noch fest verschlossen ist und länger als 2,5 Zentimeter, hat das Baby es noch nicht eilig. Man kann dann davon ausgehen, dass der „harte Bauch“, der immer wieder auftritt, wirklich nur ein Training für die Gebärmutter ist und noch nicht bedeutet, dass die Geburt bevorsteht.

Wird der Muttermund kürzer und öffnet er sich leicht, dann kann es jederzeit Ernst werden. „Na, so langsam will das Baby raus“, heißt es dann bei der Vorsorge. Wenn das ab dem Ende der 37. Woche passiert, wird man nicht mehr viel gegen die beginnende Geburt unternehmen. Denn dann ist das Baby reif und vollständig entwickelt. Wenn ihm am Ende ein paar Tage bis zu den 40 Wochen fehlen sollten, ist es nicht mehr schlimm.

Wehen alle 30, 15, 10 Minuten?

Wenn der „harte Bauch“ jetzt allmählich häufiger wird, dann bedeutet das, aufzupassen. Denn dann gehen diese Trainingseinheiten irgendwann in echte Wehen über. Das wird Ihnen auffallen. Fangen Sie dann an, auf die Uhr zu sehen. Wie oft kommen die Wehen wieder? Alle 30 Minuten? Alle 15 Minuten? Alle 10 Minuten?

Es gibt ein ziemlich sicheres Zeichen, um Vorwehen und Wehen zu unterscheiden. Legen Sie sich zum Entspannen in eine warme Badewanne. Wenn die Vorwehen oder die Wellen an „hartem“ Bauch davon weggehen, haben Sie noch Zeit. Verschwinden sie in der Badewanne nicht oder werden sogar stärker, dann sind es Wehen. Dann noch rechtzeitig ins Krankenhaus, und natürlich auch dann, wenn Sie einen Blasensprung haben oder blutigen Ausfluss.

Halt, wir gehen aber noch mal einen Schritt zurück. Sie sollten unbedingt schon einige Tage vorher die Klinik-Tasche gepackt haben. Kinder und Haustiere müssen versorgt sein. Sie benötigen für alles einen Plan, der sofort anspringt, wenn Sie nur mit den Fingern schnipsen. Wer weiß, vielleicht kommen Sie nicht wie gewünscht schon am gleichen Abend oder am nächsten Morgen nach der Geburt wieder.

Mit guter Planung rechtzeitig ins Krankenhaus

Wie lang ist Ihr Weg zur Klinik? Eine Viertelstunde? Lassen Sie sich von einem Taxi direkt vor die Aufnahme bringen? Oder müssen Sie eine Stunde Weg einplanen, und muss vielleicht Ihr Chauffeurdienst überhaupt erst bei Ihnen zu Hause ankommen – siehe unsere Geschichte zwischen Leverkusen, Köln und Bonn? Müssen Sie an der Klinik vielleicht sogar noch eine Parkplatzsuche einplanen und einen Laufweg, um rechtzeitig ins Krankenhaus zu kommen? Müssen Sie vielleicht auch noch die Beleg-Hebamme benachrichtigen, die Ihre Geburt in der Klinik begleiten soll?

Überlegen Sie sich frühzeitig, wie lange Sie im wahrscheinlich bis zur Klinik benötigen – einschließlich der ganzen Organisation, die dazu gehört. Auch ein gerufenes Taxi steht ja nicht nach zwei Minuten vor der Tür. Planen Sie die Wege ihres „Fahrdienstes“ zu Ihnen ein. Vielleicht muss man noch mit berechnen, dass man nicht immer auf der Arbeit alles in einer Sekunde stehen- und liegenlassen kann. Sorgen Sie dafür, dass da nicht noch ein leerer Tank oder vereiste Scheiben oder eine blinkende Ölstands-Leuchte Sie aufhalten.

Alle Pannen einkalkulieren!

Es kommt also darauf an, wie lange Sie brauchen, um alles zu organisieren und rechtzeitig ins Krankenhaus zu kommen. Wenn Sie sich ganz sicher sind, dass Sie nur Ihre Kliniktasche schnappen und ein Taxi rufen müssen und dass Ihre Geburtsklinik zehn Autominuten von zu Hause entfernt ist, dann können Sie abwarten, bis die Wehen im Zehn-Minuten-Abstand kommen. Wenn Sie aber von der Erkenntnis „Es ist so weit, das sind Wehen“ bis zum Eintreffen in der Klinik vier Stunden brauchen, weil erst noch Ihr Partner zu Hause ankommen, die Kinder zur Oma gefahren, der Hund zu den Nachbarn gebracht werden müssen, dann sollten Sie schon in die Startlöcher kommen, wenn die regelmäßigen Wehen im 30- oder 20-Minuten-Abstand kommen. Unbedingt.

Vielleicht kommt es aus zum Worst Case und die Klinik hat gerade gar kein Bett mehr für Sie frei. Dann müssen Sie sogar noch versuchen, in eine andere Klinik zu kommen.

Rechtzeitig im Krankenhaus? Lieber ein paar Stunden zu früh in der Klinik

Lieber kommen Sie im Krankenhaus ein paar Stunden früher an und ruhen sich noch mal aus, bevor die Geburt richtig losgeht. Starke Wehen alle drei Minuten, und das unterwegs und im Auto, das braucht kein Mensch. Und das Baby auf der Fußmatte zu bekommen erst recht nicht….

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz

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