Schuppenflechte, im Fachausdruck Psoriasis genannt, - Darauf ist in der Schwangerschaft zu achten

Schuppenflechte und Schwangerschaft – 3 Tipps sind am wichtigsten

Die Schuppenflechte, im Fachausdruck Psoriasis genannt, gehört zu den häufigsten chronischen Hauterkrankungen. Sie gehört zu den Autoimmunkrankheiten, geht mit schuppigen Entzündungen der Haut einher und beginnt meist zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr. Es kann Zeiten geben, in denen die Entzündungen fast unsichtbar sind, und andere Perioden, in denen sie sehr stark werden, auch Gesicht und Hände befallen und größere Teile des Körpers bedecken.

Während der Schwangerschaft verschwinden bei etwa jeder fünften Frau die Symptome nahezu vollständig. Das bedeutet, dass dann häufig auch völlig auf eine Behandlung mit Arzneimitteln verzichtet werden kann. Bei etwas mehr als der Hälfte der Frauen, die mit Psoriasis in eine Schwangerschaft gehen, werden die Symptome schwächer. Das könnte daran liegen, dass zwei wichtige Entzündungsproteine durch das Schwangerschaftshormon Östrogen abgeschwächt werden. Aber bei den übrigen 25 bis 30 % kommt es in der Schwangerschaft zu einer Zunahme der Symptome.

Schuppenflechte und Schwangerschaft – Wichtige Fragen und Antworten

Welche Arzneimittel können innerlich wie äußerlich in der Schwangerschaft verwendet werden? Und welche sollten vielleicht sogar schon dann abgesetzt werden, wenn die Schwangerschaft nur geplant ist? Im September 2022 fand in Mailand der 31. internationale Kongress der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie statt, auf dem auch über die Frage gesprochen wurde, welche Behandlungsformen für Frauen mit Psoriasis vor und während der Schwangerschaft möglich sind.

Grundsätzlich sollten Schwangere mit Psoriasis wissen, dass sie ein erhöhtes Risiko für zahlreiche Schwangerschaftskomplikationen haben, wie Privatdozentin Dr. med. Julia-Tatjana Maul von der Universitätsklinik Zürich ausführte. Es kommt häufiger zu Bluthochdruck, zu Gestationsdiabetes, zu Blutungen vor und während der Geburt, auch zu Frühgeburten und niedrigem Geburtsgewicht des Babys. Das ist alles nicht lebensbedrohlich. Aber es sollten möglichst alle Vorsorgetermine in der frauenärztlichen Praxis wahrgenommen werden, um diese möglichen Risiken frühzeitig erkennen zu können. Dabei scheint es, so erläuterte die Hautärztin, dass es seltener zu Komplikationen in der Schwangerschaft kommt, wenn die Psoriasis schon vor der Schwangerschaft erfolgreich behandelt und die Entzündungen eingedämmt werden konnten.

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Psoriasis: Lokale Kortisoncremes schaden dem Baby nicht

Völlig unproblematisch, so Maul, seien die bei Psoriasis üblicherweise verwendeten Hautpflegemittel und die oft sehr erfolgreiche UV-Behandlung. Auch Cremes mit Kortison können in der Schwangerschaft verwendet werden: Das Cortison wird kaum oder gar nicht in den Kreislauf aufgenommen und gelangt nicht zum Baby. Es kann aber durch die Kortisoncremes die Neigung zu Schwangerschaftsstreifen deutlich zunehmen, weil durch das Kortison die Haut dünner und das Bindegewebe schwächer wird. Diese Arzneicremes sollten also nicht so reichlich wie möglich, sondern so sparsam wie möglich verwendet werden.

Manchmal reichen allerdings die lokalen Maßnahmen nicht aus, und die Schuppenflechte verläuft auch in der Schwangerschaft schwer. In diesem Fall sind dann auch in der Schwangerschaft weitere Arzneimittel, auch als Tabletten möglich: Gut verträglich ist in der Schwangerschaft Ciclosporin, das die Immunreaktionen des Körpers blockiert. Dieses Arzneimittel beeinflusst die Schwangerschaft nicht. Es gelangt auch nicht durch die Plazenta zum Baby und schädigt das Baby nicht. Es ist daher in der Schwangerschaft das Arzneimittel der 1. Wahl zusammen mit einer speziellen medizinischen Behandlung mit UV-Licht, wenn eine reine lokale Behandlung nicht mehr ausreicht.

Es gibt auch noch eine Vielzahl anderer, moderner, erst in den letzten Jahren zugelassener Medikamenten, die ganz gezielt in die Entstehung der Entzündung im Körper eingreifen und sie blockieren und die deshalb unter dem Oberbegriff „Checkpoint-Inhibitoren“ oder „Biologika“ zusammengefasst werden. Unter diesen ist vor allem das Arzneimittel Certolizumab in der Schwangerschaft geeignet. Es gelangt nicht zum Neugeborenen und beeinflusst den Verlauf der Schwangerschaft nicht. Unter anderen Checkpoint-Inhibitoren wurden in einzelnen, seltenen Fällen bereits Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und eine schwere Stoffwechselstörung des Gehirns festgestellt. Außerdem erhöht die Anwendung von Immunblockern die Gefahr, dass sich das Immunsystem nicht angemessen gegen Infektionen wehren kann. Außer Certolizumab sollten deshalb alle „biologischen“ Checkpoint-Inhibitoren spätestens im 2. Trimester abgesetzt werden.

Schuppenflechte: Methotrexat schon Monate vor der geplanten Schwangerschaft absetzen

Auf gar keinen Fall, so Julia-Tatjana Maul, dürften während der Schwangerschaft Methotrexat und Acitretin verwendet werden. Beide können beim ungeborenen Baby schwere Fehlbildungen verursachen. Auch bei den Arzneimitteln Fumarat und Aprelimast, die bei schwerer Psoriasis-Erkrankung verwendet werden, kann nach derzeitigen Erkenntnissen nicht ausgeschlossen werden, dass das ungeborene Baby dadurch geschädigt werden kann. Alle diese vier Arzneimittel sollten möglichst schon bei einem Kinderwunsch abgesetzt und durch andere Arzneimittel ersetzt werden, also nicht erst dann, wenn eine Schwangerschaft eingetreten ist.

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Aber was soll eine werdende Mama machen, wenn die Schwangerschaft eigentlich gar nicht geplant war? Was ist, wenn die Schwangerschaft eingetreten ist, obwohl noch eines der vier oben genannten Arzneimittel eingenommen wurde? Der Rat der Expertinnen und Experten ist folgender: Diese Arzneimittel sollten abgesetzt und durch ungefährliche ersetzt werden. Aber die Schwangerschaft muss auf keinen Fall deswegen abgebrochen werden. Die Berichte über Fehlbildungen und Schäden betreffen vor allem Frauen, die wegen einer sehr schweren Erkrankung wie einer akuten rheumatoiden Arthritis oder einer Multiplen Sklerose darauf angewiesen waren, diese Arzneimittel über lange Zeit in der Schwangerschaft weiter einzunehmen.

Biologikum in der Schwangerschaft angewendet? Lebendimpfstoff erst nach 6 Monaten

Falls während der Schwangerschaft ein Biologikum angewendet wurde, also entweder Certolizumab oder ein anderes Arzneimittel aus dieser Gruppe, dann sollte das Baby bis zum Alter von 6 Monaten nicht mit einem Lebendimpfstoff geimpft werden. Dazu zählen die Impfungen gegen Masern, Windpocken, Mumps und Röteln. So lange braucht das Immunsystem des Babys, um seine volle Leistungsfähigkeit zu gewinnen, wenn Checkpoint-Inhibitoren in der Schwangerschaft verwendet wurden.

Männer mit Psoriasis und Kinderwunsch – zwei wichtige Regeln

Auch für Männer, die an Psoriasis erkrankt sind und Väter werden wollen, gibt es zwei wichtige Regeln: Spätestens drei Monate vor der geplanten Zeugung muss das Methotrexat abgesetzt werden. Denn dann haben die Spermien genügend Zeit, sich neu zu bilden. Damit wird die Gefahr umgangen, dass mit den Chromosomen aus dem Sperma eine schwere genetische Störung auf das Baby übergeht. Eine weitere Vorsichtsmaßnahme nannte Dr. Maul: Männer, die Acictretin verwenden, sollten Kondome zur Verhütung verwenden. Denn Acitrectin kann sich im Sperma anreichern und durch die Haut der Vagina aufgenommen werden.

Autorin: Dr. Susanna Kramarz
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