Glückliches Paar umarmt sich mit positivem Schwangerschaftstest in der Hand

Schwangerschaft verkünden: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

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Die Regelblutung ist noch kaum einen Tag verspätet, der Schwangerschaftstest positiv. Was für ein Glück. Alle sollten das wissen, ich will meine Schwangerschaft verkünden. Aber wirklich allen und wirklich sofort? Wie oft passiert das, dass der Test zwar positiv war, aber die Frauenärztin kann bei der ersten Untersuchung im Ultraschall schon gar keine Anzeichen für eine Schwangerschaft mehr erkennen. Oder alles läuft gut für einige Wochen, und dann setzen leichte Blutungen ein: Irgendetwas ganz Grundsätzliches hat nicht gestimmt mit der gewünschten Schwangerschaft. Der millimetergroße Embryo kann sich nicht weiter entwickeln und die Schwangerschaft beendet sich sozusagen selbst.

Fast jede zweite Schwangerschaft geht in den ersten Wochen verloren. Irgendetwas mit der Einnistung des Eis, mit den ersten Zellteilungen, mit den Chromosomen hat nicht gestimmt, und sofort stoppt der Körper die weitere Entwicklung. Frauenärztinnen und -ärzte kennen das gut, dass Frauen zu ihnen kommen nach ein oder zwei positiven Schwangerschaftstests, aber in der Gebärmutter ist nichts zu sehen, die gynäkologische Untersuchung ergibt keine eindeutigen Hinweise auf eine Schwangerschaft, und es sind in der Laboruntersuchung keine typischen Schwangerschaftshormone nachweisbar.

Das bedeutet nicht, dass die Schwangerschaft nur eingebildet war. Sie war wirklich da. Aber sie ist wieder zu Ende, weil sie nicht überlebensfähig war. Das ist kein Problem, das passiert sehr vielen Frauen irgendwann in ihrem Leben. Wie vielen und wie oft genau, das weiß man nicht. Die Frauenärztin wird empfehlen, ein paar Wochen oder Monate zu warten, und dann kann man es erneut versuchen.

Es ist normal, dass es nicht gut geht

Dass so etwas einmal passiert, das ist normal. Dass es zweimal nacheinander passiert, ist immer noch fast normal. Auf eine spezielle Suche nach den Ursachen muss man erst gehen, wenn dreimal nacheinander eine gewünschte Schwangerschaft missglückt ist und keine direkte Ursache dafür gefunden werden kann.

Vor diesem Hintergrund bekommt die Frage „Wann ist der beste Zeitpunkt, um meine Schwangerschaft zu verkünden“ eine besondere Bedeutung. Je früher wir die Schwangerschaft verkünden, umso größer ist die Gefahr, dass dieselben Menschen nur wenig später vielleicht davon erfahren werden, dass es eine Fehlgeburt gegeben hat.

Es gibt einige Faktoren, die dieses Risiko erhöhen: Ein Alter über 30 Jahre zum Beispiel. Danach steigt mit jedem Jahr die Gefahr an, dass eine Schwangerschaft vorzeitig beendet ist und nicht in eine Geburt mündet. Mit 45 Jahren liegt die Gefahr bei über 80 %. Das heißt, dass bei weniger als 20 % aller Frauen, die in diesem Alter schwanger werden, die Schwangerschaft bis zur Geburt eines lebensfähigen Kindes „durchhält“. Daran kann übrigens auch die moderne Kinderwunschmedizin nichts ändern. Auch in den großen Statistiken der Kinderwunschmedizin zeigt sich, dass mit 45 Jahren zwar noch viele Frauen mit Kinderwunsch schwanger werden, aber nur noch sehr wenige Mütter.

Auch starkes Übergewicht erhöht das Risiko, dass es zu einer Fehlgeburt kommt, genauso wie Untergewicht. Eine Diabetes-Erkrankung kann die Gefahr erhöhen, hauptsächlich dann, wenn der Blutzucker nicht einwandfrei eingestellt ist. Ein Bluthochdruck, Nierenkrankheiten und vieles andere mehr.

Den engsten Kreis nach drei Monaten einweihen…

Normalerweise sagt die „Faustregel“, dass die ersten drei Monate überstanden sein sollten, bevor man Freunde, Bekannte, Verwandte informiert. Aber je älter die Schwangere ist, und je mehr gesundheitliche Risiken sie mitbringt, umso später sollte die Umgebung von der Schwangerschaft wissen.

Und außerdem ist es ratsam abzuwägen: Lebenspartner erfahren meist sehr früh von der Schwangerschaft, dann auch Eltern, Geschwister, sehr enge Freunde. Aber je größer der Kreis, umso später sollte er informiert werden. Und in die sozialen Medien mit dutzenden oder auch hunderten, tausenden Followern gehört eine Schwangerschaft vielleicht überhaupt nicht. Denn wenn dann tatsächlich irgendetwas unglücklich verläuft, dann haben Sie ein kaum noch überschaubares virtuelles Publikum für Ihren Verlust und Ihre Trauer. Sie bekommen Mitleid, ungebetene Vorwürfe, Ratschläge, Likes und Dislikes von Menschen, die Sie gar nicht interessieren.

Bestes aktuelles Beispiel ist Britney Spears, 41 Jahre alt. Mitte Mai hat sie öffentlich ihre Schwangerschaft verkündet und in diesem Fall wusste das dann auch sofort die ganze Welt. Und kurz darauf danach vermeldete sie ebenso öffentlich, dass sie ihre Schwangerschaft wieder verloren hatte und merkte an, dass sie vielleicht nicht so früh hätte darüber reden sollen. Dabei war sie gar nicht so früh dran, glaubt man ihrer eigenen Beschreibung. Sie hatte nämlich nicht mit einer Schwangerschaft gerechnet und ihren Test erst gemacht, als der Bauch schon runder wurde. Und das passiert nicht innerhalb der ersten acht Wochen, sondern frühestens nach 12 Wochen oder auch noch später.

… und alle anderen erst nach der Geburt

Überlegen Sie sich also ganz genau: Jede Person, der Sie schon sehr früh Ihre Schwangerschaft mitteilen, würde dann auch zwingend von einer Fehlgeburt erfahren. Sie könnten das nicht vermeiden und verheimlichen, wenn vorher Ihre Schwangerschaft bekannt war, weil jeder, der von der Schwangerschaft auch nur von Weitem weiß, dann irgendwann ganz natürlich mit dem Baby rechnet. Jeder würde wissen und Ihnen erzählen, was man falsch gemacht hat und beim nächsten Mal auf jeden Fall nicht wieder tun und lassen darf. Andere würden Ihnen ungebeten ihre Trauerbegleitung aufdrängen, ohne dass Sie danach gefragt haben.

Auch Ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen sollten eigentlich so spät wie irgend möglich Bescheid wissen, auch wenn Ihre Arbeitgeberin oder Ihr Arbeitgeber natürlich entsprechend den gesetzlichen Regelungen informiert werden muss.

Was die sozialen Medien angeht, so ist es nicht verkehrt, überhaupt bis nach der Geburt zu warten. Egal, ob Mädchen oder Junge. Das Baby ist da, fertig, aus. Mehr muss die große, weite Welt nicht wissen.

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz
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