Wissenswertes rund um die Schwangerschaft

Jede Frau ist im Laufe ihrer Schwangerschaft immer wieder mit neuen Fragen konfrontiert, auf die sie gerne umgehend eine Auskunft haben möchte. Das Team von BabyCare sammelt alle Fragen der Frauen, die am BabyCare-Programm teilnehmen. Die Antworten finden Sie im folgenden Themenkatalog.

Gestose

Bei der Gestose wird zwischen einer Früh- und einer Spätgestose unterschieden. Eine Frühgestose tritt in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten auf, klingt nach ca. 3 Monaten aber wieder ab. Merkmale einer Frühgestose sind ein hoher Blutdruck mit Werten über 140/90 mm Hg, vermehrtes Erbrechen und starke Kopfschmerzen. Die Ursache ist, wie auch bei einer Spätgestose, ungeklärt. Die Spätgestose ist eine Form der Gestose, die im letzten Drittel der Schwangerschaft auftreten kann.

EPH-Gestose (E edema = Ödeme, P proteinurie = erhöhtes Eiweiß im Urin, H = Hypertonie = Bluthochdruck)

Eine Art der Spätgestose ist die EPH-Gestose bzw. Präeklampsie, die auch „Schwangerschaftsvergiftung“ genannt wird und von der ungefähr 5–10 Prozent aller Schwangeren betroffen sind. Für diese Erkrankung gibt es keine einzelnen Ursachen. Anders als andere Erkrankungen sind hier Bakterien oder Viren nicht der Auslöser. Vieles weist aber darauf hin, dass die klassische Gestose zusammen mit Ödemen (Wassereinlagerungen in den Beinen und Händen), erhöhtem Blutdruck und Eiweiß im Urin durch akuten Nährstoffmangel einhergeht. Deswegen wird sie auch zunehmend „Stoffwechselstörung der Spätschwangerschaft“ genannt. Eine EPH-Gestose kann schwerwiegende Auswirkungen haben, denn sie ist für bis zu 50 Prozent der Frühgeburten verantwortlich. Eine zu frühe Entbindung zu verhindern ist somit oberste Priorität bei einer Gestose-Erkrankung. Ist jedoch das Wohl von Mutter und Kind in Gefahr, ist eine Geburt vor dem Termin oftmals nicht zu verhindern.

Symptome:

  • Plötzlicher Blutdruckanstieg ab dem 7. Schwangerschaftsmonat, Wassereinlagerungen (= Ödeme) zunächst in den Beinen und Händen, dann im Gesicht, trotz Bettruhe.
  • Bei der EPH-Gestose kommt es zur Verengung der Blutgefäße, und so zu einem enormen Blutdruckanstieg.
  • Da durch die Verengung der Blutgefäße die Plazenta minderdurchblutet wird, ist die sekundäre Sectio (ungeplanter (Not)Kaiserschnitt) oft die einzige Möglichkeit, der Gestose ein Ende zu setzen. In schweren Fällen der Gestose kann die Mutter lebensbedrohlich erkranken, sodass es auch hier zu einer sofortigen Sectio kommen muss.
  • Treten in einer Spätgestose zusätzlich noch Krampfanfälle der Mutter auf, so handelt es sich um eine Eklampsie, die für Mutter und Kind lebensbedrohlich sein kann. Auch hier wird die Schwangerschaft in der Regel sofort durch einen Kaiserschnitt beendet.


Jede Gestose stellt ein hohes Risiko für eine Frühgeburt dar. Zwar wird versucht, die Schwangerschaft so lange wie möglich zu erhalten, bis das Kind allein lebensfähig ist, bei einer starken Gestoseform muss jedoch abgewägt werden und die Gesundheit der Mutter primär betrachtet werden.

 

HELLP-Syndrom (H=Hämolyse, EL=elevated liver enzymes, LP=low platelet count = niedrige Thrombozytenzahl)

Das HELLP Syndrom ist eine äußerst schwere Form der Gestose. Es macht sich bei der Schwangeren mit starken Oberbauchbeschwerden, Erbrechen und starker Hypertonie bemerkbar. Die Blutgerinnungswerte verschlechtern sich drastisch und bestimmte Leberwerte steigen an. Meist tritt das HELLP-Syndrom im dritten Trimenon auf. Da diese Erkrankung für Mutter und Kind lebensgefährlich ist, ist eine schnellstmögliche Entbindung (Notkaiserschnitt) notwendig.

Die Ursache des HELLP-Syndroms ist weitgehend unbekannt. Es kommt bei Mehrfachgebärenden häufiger vor, als bei Erstgebärenden. Auf 300 Geburten kommt ca. 1 Krankheitsfall (Angabe Klinikleitfaden Gynäkologie / Geburtshilfe). Das Wiederholungsrisiko für ein HELLP-Syndrom ist mit 2,5 Prozent relativ gering.

Vorbeugemaßnahmen:

Leider gibt es nicht viel, was Sie tun können, da die Ursachen des HELLP-Syndroms noch weitestgehend ungeklärt sind. Erfahrungen haben gezeigt, dass eine gute, ausgewogene Ernährung mit einer eiweißreichen und salzreichen Kost einen positiven Einfluss auf den Verlauf der Schwangerschaft hat und das Gestoserisiko vermindert.

Autoren:
Dr. Renate Kirschner (Doktor der Erziehungswissenschaften; seit mehr als 25 Jahren in der sozialwissenschaftlichen Forschung und Beratung tätig)
Dr. Wolf Kirschner (Doktor der Philosophie; seit 1997 in den Bereichen Epidemiologie, Evaluations- und Interventionsforschung, Gesundheitsförderung und Prävention tätig)
Priv. Doz. Dr. med. Dr. rer. nat. Axel Schäfer (Doktor der Medizin, Doktor der Naturwissenschaften, Frauenarzt)
Geprüft durch das wissenschaftliche Beratungskomitee von BabyCare.
Beitrag erstellt am: 19.06.17 11:06
Beitrag zuletzt aktualisiert am: 19.06.17 11:06
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