Wissenswertes rund um die Schwangerschaft

Jede Frau ist im Laufe ihrer Schwangerschaft immer wieder mit neuen Fragen konfrontiert, auf die sie gerne umgehend eine Auskunft haben möchte. Das Team von BabyCare sammelt alle Fragen der Frauen, die am BabyCare-Programm teilnehmen. Die Antworten finden Sie im folgenden Themenkatalog.

Vaginalinfektionen

In der Schwangerschaft sollte auf die Vermeidung von Vaginalinfektionen verstärkt geachtet werden. Dies insbesondere, weil man in der Schwangerschaft für Infektionen der Geschlechtsorgane mit Bakterien und Pilzen anfälliger ist. Bakterien und Pilze sind natürlicherweise in der Vaginalschleimhaut angesiedelt und sorgen für einen leicht sauren pH-Wert in der Scheide. Es kann jedoch zum Beispiel durch ein geschwächtes Immunsystem zu einer Verschiebung der Bakterien-Pilz-Scheidenflora kommen. Diese kann dann von einer bestimmten Hefepilzart, des Candidapilzes, besiedelt werden. Durch das feuchtwarme Milieu in der Scheide kann es zudem zu einer schnellen Verbreitung des Pilzes (auch Scheidenpilz, Vaginalpilz) kommen.

Die Scheidenentzündung geht mit Beschwerden wie Rötung und Schwellung der Schamlippen, leichtem Ausfluss, weißen Belägen und starkem Juckreiz einher. Oft wird der Partner auch angesteckt und bekommt eine Eichel- und Vorhautentzündung mit ähnlichen Symptomen. Weiterhin kann sich der Hefepilz von der Scheide aus noch weiter verbreiten und z. B. auch die Darmflora befallen.

Dabei gibt es bestimmte Ursachen, die eine Ausbreitung der Pilze noch begünstigen können.

- So kann z. B. allein die Veränderung des Hormonspiegels dazu führen, dass sich der Pilz besser verbreiten kann. Dies ist dann gerade in der Schwangerschaft ein Grund dafür, warum man anfälliger für diese Infektionen ist.
- Weiterhin kann aber auch die Einnahme von Antibiotika oder das Waschen des Intimbereichs mit Intimwaschlotionen sowie eine übertriebene Hygiene, wie sehr häufiges Duschen zu einer solchen Infektion führen.
- Auch das Tragen von zu enger oder synthetischer Unterwäsche oder eines nassen Badeanzugs kann die Ausbreitung begünstigen.
- Weitere Ursachen können ein hoher Zuckerkonsum (Hefepilze "ernähren" sich von Zucker) sein oder auch eine Diabeteserkrankung.

Stellen Sie dennoch eine Pilzinfektion fest, so sollten Sie eine Anwendung mit speziellen Mitteln, die gegen Scheidenpilz helfen, durchführen. Diese sind in Form von Salben, Zäpfchen oder Vaginaltabletten erhältlich. Die Mittel sollten mindestens 5 Tage verwendet werden, wobei eine Mitbehandlung des Partners meist sehr sinnvoll ist. Zusätzlich sollten Sie beim Auftreten dieser Symptome in der Schwangerschaft aber auf jeden Fall Ihren Arzt aufsuchen. Dieser kann dann die Infektion genau diagnostizieren und von anderen abgrenzen und Sie dann im Bezug auf die Behandlung noch einmal genauer beraten und Ihnen Tipps geben, wie Sie solche Infektionen in Zukunft besser vermeiden können.

Sie können aber auch schon vorbeugend einiges tun, damit es erst gar nicht zu einer Scheidenpilzinfektion kommt. So sollten Sie im Allgemeinen darauf achten, dass Sie Unterwäsche aus Naturfasern tragen und diese mindestens täglich wechseln. Auch sollten Sie keine übertriebene Intimhygiene durchführen und nach dem Baden nasse Kleidung wechseln. Auch das Essen von zu viel Zucker sollte eingeschränkt werden, bei der Ernährung also besser darauf achten, dass Sie ballaststoffreiche Nahrung zu sich nehmen. Wichtig ist es auch, nach dem Toilettengang von vorne nach hinten zu wischen. Beim Geschlechtsverkehr helfen Kondome, Pilzinfektionen vorzubeugen.
In der Schwangerschaft treten vaginale Infektionen besonders häufig auf und sind oft die Ursache für eine Frühgeburt. Die Infektionen können sich bis in die Gebärmutter ausbreiten und zu Veränderungen des Muttermundes, zu vorzeitigen Wehen, zu einem vorzeitigen Blasensprung und schließlich zur Frühgeburt führen. Je früher eine solche Infektion bemerkt wird, umso leichter kann sie behandelt werden.

Besonders Frauen, die in ihrem Leben übermäßig viele Vaginalinfektionen bzw. eine Infektion im letzten Jahr vor der Schwangerschaft hatten oder schon eine Frühgeburt erleiden mussten, empfehlen wir, regelmäßig den pH-Scheidenwert zu Hause selbst zu messen.

Viele Krankenkassen, die eine Kooperation mit dem BabyCare-Vorsorgeprogramm haben, unterstützen die regelmäßige Überprüfung des pH-Wertes für Risikogruppen in der Schwangerschaft. Teilnehmerinnen, die bei diesen Kassen versichert sind und die durch die Auswertung des Fragebogens der Risikogruppe (z. B. aufgrund häufiger Vaginalinfektionen im gesamten Leben oder vorausgegangener Früh- oder Fehlgeburten) zugeordnet werden, erhalten ph-Teststäbchen zur Selbstvorsorge zusammen mit dem BabyCare-Auswertungsschreiben gratis von ihrer Krankenkasse.

Autoren:
Dr. Renate Kirschner (Doktor der Erziehungswissenschaften; seit mehr als 25 Jahren in der sozialwissenschaftlichen Forschung und Beratung tätig)
Dr. Wolf Kirschner (Doktor der Philosophie; seit 1997 in den Bereichen Epidemiologie, Evaluations- und Interventionsforschung, Gesundheitsförderung und Prävention tätig)
Priv. Doz. Dr. med. Dr. rer. nat. Axel Schäfer (Doktor der Medizin, Doktor der Naturwissenschaften, Frauenarzt)
Geprüft durch das wissenschaftliche Beratungskomitee von BabyCare.
Beitrag erstellt am: 09.09.16 13:08
Beitrag zuletzt aktualisiert am: 09.09.16 13:08
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