Babybauch, Schwangere im Bikini faltet Hände in Herzform

Sonnencreme – ab in den Müll mit den Tuben aus dem letzten Jahr

Babybauch, Schwangere im Bikini faltet Hände in Herzform
Sommer, Sonne, Schwangerschaft: Nur neue Sonnencremes verwenden!

Ganz frisch aus der Wissenschaft kommt eine ziemlich gruselige Meldung: Die UV-Filterstoffe aus Sonnenschutzmitteln können nicht nur in ziemlich hoher Menge im Blut nachgewiesen werden. Auch die Substanzen, die sich beim Altern der Sonnencreme bilden, die noch vom letzten Jahr im Schrank steht, durchdringen die Haut. Und die sind hässlich, können ins Hormon-Gleichgewicht der Schilddrüse eingreifen und – jedenfalls im Tierversuch – auch Gen-verändernd wirken. Definitiv ist das nichts, was wir in der Schwangerschaft brauchen. Untersucht wurde bisher nur eine einzige, allerdings sehr weit verbreitete UV-Filtersubstanz. Ob die Ergebnisse auch für andere UV-Filter gelten, dazu gibt es noch keine Erkenntnisse.

Sicher ist sicher: Die Sonnenmilch, -creme, -spray aus den vergangenen Jahren, die im Badezimmerschrank ungeduldig auf das schöne Wetter wartet, kommt komplett in die Tonne, vielleicht mit wenigen Ausnahmen, zu denen wir später kommen. Und wenn Sie dann vor den Regalen im Drogeriemarkt stehen und sich Nachschub kaufen wollen, dann sollten Sie gute Augen oder eine Lupe dabei haben, denn dann geht es ans Kleingedruckte.

Schaden fürs Korallenriff

Die UV-Filter Oxybenzon und Homosalat sind in Verruf gekommen, weil sie beim Baden aus der Haut ins Wasser gewaschen werden und für viele Lebewesen im Meer toxisch sind. Sie werden sowieso meist nicht mehr verwendet. Octocrylen heißt der UV-Filter, die seitdem am häufigsten eingesetzt und für weitgehend harmlos gehalten wurde, bis im vergangenen Jahr die amerikanische Gesundheitsbehörde, die Food and Drug Administration FDA, gemeldet hat, dass UV-Filter teilweise in hoher Menge durch die Haut in den Körper gelangen können.

10% der Sonnencreme sind UV-Filter

Das ist letztlich auch nicht verwunderlich. Denn laut Regularien der Europäischen Kommission dürfen Sonnenschutzmittel bis zu 10% aus UV-Filtern bestehen.  Wenn die Creme also nicht gleich beim Baden von der Haut gewaschen wird, sondern reichlich aufgetragen wurde und so einzieht wie sie es soll, dann bleibt der UV-Filter nicht als einzige und letzte Substanz auf der Hautoberfläche, sondern wird durchaus teilweise ebenfalls mit in die Haut aufgenommen. Wenn man 5 Gramm Sonnencreme pro Eincremen rechnet und sich an langen Tagen dreimal pro Tag eincremt, dann ergibt das bei 15 Gramm Sonnencreme 1,5 Gramm Octrocrylen oder einen anderen UV-Filter. Wenn davon auch nur ein Zehntel in den Körper aufgenommen wird, sind das über den ganzen Tag verteilt 150 mg, die im Durchschnitt erst nach und nach durch die Nieren wieder ausgeschieden werden: Weit über 200 Nanogramm Octocrylen pro Milliliter Blut haben die Wissenschaftler der FDA im Blut nachweisen können. Und das liegt deutlich über den zulässigen Grenzwerten, vor allem dann, wenn es sich nicht um einen einmaligen Versuch handelt, sondern um einen langen sonnigen Sommer und erst recht in der Schwangerschaft. Andere UV-Filter wurden weniger stark durch die Haut aufgenommen. Aber auch hier überstiegen nach einigen Tagen die gemessenen Konzentrationen im Blut die Grenzwerte.

UV-Filter Octocrylen zerfällt toxisch

Aber das ist nicht alles.  Die Wissenschaftlergruppe um Dr. Craig Downs vom Haereticus Environmental Laboratory in Clifford, Virginia (USA) hat noch genauer hingesehen. Sie hat festgestellt, dass das Octocrylen in Sonnenschutzmitteln, die eine Weile bei Zimmertemperatur aufgehoben wurden, zum Teil zerfällt, und dabei entsteht Benzophenon. Benzophenon wurde früher ebenfalls als UV-Filter eingesetzt, aber seit man weiß, dass diese Substanz die Funktion der Schilddrüse beeinflussen und hormonähnliche Wirkung haben kann, wird es in Verruf gekommen. Benzophenon dringt beim Auftragen auf die Haut ebenso in den Organismus ein wie die „richtigen“ UV-Filter und wird, so beschreibt es die wissenschaftliche Veröffentlichung, im Körper nach einigen Anwendungen in Mengen gemessen, die alle Grenzwerte bei weitem überschreiten. Das braucht kein Mensch, erst recht nicht in der Schwangerschaft.

Nun haben die Wissenschaftler bisher nur die Zerfallsprodukte von Octocrylen gemessen. Um die anderen UV-Filter haben sie sich bisher nicht gekümmert. Vielleicht gibt es diesen Effekt nur bei diesem einen UV-Filter, und alle anderen bleiben stabil. Wer weiß…

Im Kleingedruckten steckt die Wahrheit

Wenn Sie nicht gleich alle Ihre Sonnenschutzmittel wegwerfen wollen, dann gehen Sie am besten systematisch vor: Die Inhaltsstoffe stehen immer im Kleingedruckten auf der Rückseite der Präparate in der langen, winzig klein gedruckten Zutatenliste; die verwendeten UV-Filter werden meist irgendwo im ersten Drittel aufgeführt. Die Inhaltsstoffe sind entsprechend ihrer Menge aufgelistet, so dass meist am Anfang Aqua steht, Wasser, oder bei den Sonnenschutzmitteln, die wasserfest sind, ölige Substanzen und Alkohol. Und kurz danach kommen dann die UV-Filter. Oxybenzon und Homosalat sollten nicht vorkommen, Octocrylen nur in frischen Sonnenschutzmitteln aus diesem Jahr.

Hier ein Beispiel:

Aqua, Glycerin, C12-15 Alkyl Benzoate, Octocrylene, Alcohol Denat., Caprylic/Capric Triglyceride, Homosalate, Ethylhexyl Salicylate, Glyceryl Stearate Citrate, Butyl Methoxydibenzoylmethane, Panthenol, Hydrogenated Coco-Glycerides, Myristyl Myristate, Tocopheryl Acetate, Tetrasodium Iminodisuccinate, Cellulose Gum, VP/Hexadecene Copolymer, Xanthan Gum, Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Cetyl Alcohol, Stearyl Alcohol, Silica Dimethyl Silylate, Hydroxyacetophenone, Trisodium EDTA, Ethylhexylglycerin, Sodium Hydroxide, Linalool, Limonene, Benzyl Alcohol, Alpha-Isomethyl Ionone, Citronellol, Coumarin, Parfum

Sie haben sicher das Otocrylen entdeckt. Ist die Flasche oder Tube noch vom letzten Jahr – weg damit.

Mit mineralischen UV-Filtern auf der sicheren Seite

Auf der ganz sicheren Seite sind Sie, wenn Sie Sonnenschutzmittel mit Zink- oder Titanoxid verwenden. Diese beiden mineralischen Verbindungen dringen nicht in die Haut ein und schützen hervorragend vor der Sonneneinstrahlung. Der Klassiker für maximalen UV-Schutz ist die weiße Gletschercreme für die Lippen und den Nasenrücken, eher eine Paste mit einem hohen Gehalt an Zinkoxid aus einer kleinen Tube, die wohl alle Skifahrerinnen oder Bergsteigerinnen kennen. Die herkömmlichen Sonnencremes mit mineralischen UV-Filtern erkennt man daran, dass sie sich schlecht verteilen lassen und einen weißen Film auf der Haut hinterlassen, auf dem der Sand klebenbleibt – bis heute bieten manche Hersteller solche Produkte an. Auch die Sonnencreme für Kinder enthält sehr häufig diese feinen Mineralpartikel. Inzwischen heißt aber das Zauberwort „Nano“. Sonnenschutz, der Zink- oder Titanoxid in winzigen Partikeln – eben in Nanogröße – enthält, ist viel leichter zu verteilen als die Klassiker und hinterlässt auch keinen weißen Film.

Nanomineralien verteilen sich besser auf der Haut

Aber Nano bedeutet auch, dass die Partikel so winzig sind, dass sie zwischen den Hautzellen hindurch in geringen Mengen auch in den Kreislauf gelangen können. Den Verdacht, dass die Nanopartikel vielleicht deshalb irgendetwas Schädliches anrichten oder gar durch die Plazenta hindurch zum ungeborenen Baby gelangen könnten, hat das sehr kritische Bundesinstitut für Risikobewertung – in Abstimmung mit den zuständigen wissenschaftlichen Ausschüssen der Europäischen Kommission – schon vor einigen Jahren ausgeräumt und diese Einschätzung im vergangenen Jahr noch einmal bestätigt: Forschungsbedarf zum Titanoxid besteht demnach nur, was Titanoxid in Lebensmitteln angeht. Die Mengen, die durch das Weißfärben von Süßwaren und Kaugummi in den Körper gelangen, liegen aber deutlich über denen, die in Sonnenschutzmitteln enthalten sind.

Sonnenschutzmittel mit mineralischen UV-Filtern in Nano-Aufbereitung erkennt man gut daran, dass auf dem Etikett zum Beispiel der Begriff „mineralisch“ steht und entweder gleich auf der Vorderseite oder spätestens im Kleingedruckten der Begriff „Nano“ auftaucht. Das kann sich dann zum Beispiel so lesen:

Aqua, Zinc Oxide (nano), Isopropyl Palmitate, C12-15 Alkyl Benzoate, Dicaprylyl Ether, Titanium Dioxide (nano), Alcohol Denat., Polyglyceryl-4 Diisostearate/Polyhydroxystearate/Sebacate, Polyglyceryl-3 Diisostearate, Hydrogenated Rapeseed Oil, Glycerin, Triethoxycaprylylsilane, Aloe Barbadensis Leaf Juice Powder, Ubiquinone, Tocopherol, Silica, Magnesium Sulfate, Ethylhexylglycerin, Hydroxyacetophenone, Dimethicone

Haben Sie es entdeckt? Was auch immer ansonsten in diesem Sonnenschutz drinsteckt – Sie können ihn nach heutigen Erkenntnissen ohne Bedenken auch in der Schwangerschaft anwenden, ohne dass davon ein Risiko für Sie oder für das ungeborene Baby ausgeht. Und es ist auch nicht davon auszugehen, dass von diesen Nanopartikeln bei möglichen Alterungsprozessen Gefahren für die Gesundheit ausgehen könnten.

Nanopartikel nicht einatmen!

Allerdings gibt es eine wichtige Einschränkung: Es wird dringend dazu geraten, Sonnenschutz mit Nano-Partikeln nicht als Spray zu verwenden, sondern nur als Gel, Creme oder Öl, das direkt auf die Haut aufgetragen wird. Denn noch weiß niemand ganz genau, was höhere Mengen (!!) an Nano-Oxiden, die beim Sprayen eingeatmet werden, im Körper anrichten, wo sie sich anlagern können.

Ganz ohne Sonnenschutz – auch keine gute Idee

Ist es dann nicht vielleicht unkomplizierter, ganz ohne Sonnenschutz durch den Sommer zu kommen? Nun, das kommt darauf an. Die UV-Strahlen der Sonne sind nun mal selbst auf Dauer hautschädigend und krebserregend, und deshalb sollte es immer vermieden werden, die Haut mit einer zu hohen Menge an UV-Strahlen zu belasten. Allerdings baut sich die Haut selbst beim Aufenthalt im Freien ihren eigenen UV-Schutz auf, indem sie den dunklen Farbstoff Melanin in den Hautzellen einlagert.

Mineralische Nano-Sonnencreme also immer dann, wenn es notwendig ist, ansonsten in den Schatten und jetzt schon viel an die frische Luft… 

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz

Bild-Copyright © Ignacio Campo / unsplash